Das Jahr des Rebhuhns startet mitten im frostigen Winter. Noch leben die Hühnervögel in „Ketten“ auf kahlen Feldern, doch schon im Februar lösen sich diese schützenden Familienverbände auf, wenn der Vogel des Jahres 2026 auf Brautschau geht.
Rufe in der Dämmerung
Dann erklingt in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden ein raues „kirräck“, wenn die Rebhähne ihre Reviere markieren. Der Ruf ist zugleich das Startsignal für die jährliche Kartierung des heimischen Hühnervogels: Ehrenamtliche im ganzen Land zählen dann im Februar und März die rufenden Hähne – sich fürs offizielle Rebhuhn-Monitoring zu registrieren ist noch möglich. Dominique Aichele erwartet mit Spannung die nächste Zählung: „Ich bin froh über jedes Rebhuhn-Revier und jede erfolgreiche Brut, denn mit dem Rebhuhn wurde eine stark gefährdete Art zum Vogel des Jahres gewählt“, sagt die Rebhuhn-Expertin des NABU Baden-Württemberg.
Bis zu 20 Eier
Nach einer längeren Kennenlernphase im Frühjahr folgt erst im Mai die Paarung der Rebhühner. Kurz danach legt die Henne bis zu 20 Eier und braucht mehrere Wochen, bis das Gelege komplett ist. 24 bis 25 Tage wird dann in dichter Vegetation gebrütet. „Eine an niedrigen Strukturen reiche Landschaft ist der beste Schutz vor Beutegreifern wie dem Fuchs“, betont Aichele. „Findet das Rebhuhn ausreichend große Brach- und Blühflächen, besteht die Hoffnung, dass sich die Bestände in Baden-Württemberg stabilisieren.“ Während der sensiblen Brutzeit brauchen Rebhühner besonderen Schutz und bleiben sich danach oft ein Leben lang treu.
Rebhühner stark bedroht
Nicht immer war der taubengroße Hühnervogel mit dem orangebraun gefärbten Gesicht so bedroht wie heute. Doch seit den 1980er Jahren brach der europäische Bestand des einst häufigen Kulturfolgers um 91 Prozent ein. Als Warnung kürte der NABU das Rebhuhn bereits 1991 zum Vogel des Jahres. „Verantwortlich für diesen gewaltigen Bestandseinbruch ist vor allem unsere heutige Art der Landwirtschaft“, so Aichele. Viele kleine Flächen boten dem Rebhuhn einst einen passenden Lebensraum. Heute sind die Felder meist riesig. Feldraine sind verschwunden. Ungenutzte und ungepflegte Niederhecken wachsen zu hohen Feldgehölzen, die Rebhühner meiden. Ihr Lebensraum schrumpft somit. Dazu kommt ein hoher Pestizideinsatz. „In dieser unwirtlichen Agrarlandschaft finden Rebhühner schlicht zu wenig Nistplätze, Nahrung und Deckung.“
Die EU hat im vergangenen Jahr eine Vorgabe zurückgenommen, die dem Rebhuhn enorm geholfen hätte: Darin wäre die Landwirtschaft verpflichtet worden, mindestens vier Prozent der Ackerfläche brach liegen zu lassen. „Umso wichtiger ist es, dass Baden-Württemberg seine Förderprogramme ausbaut und ergänzt. Feldvogelschutz muss ein auskömmlicher Betriebszweig werden”, fordert Rebhuhn-Expertin Aichele.
Gemeinsam für Feldvögel
Aus den Rebhuhn-Modellgebieten bei Tübingen und Fellbach weiß der NABU: Nur eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Naturschutz, Verwaltung und Jägerschaft kann das Rebhuhn retten. Auch mit einem bewussten Einkauf hilft man dem Rebhuhn. „Wer sich für Bio-Produkte entscheidet, unterstützt eine naturverträglichere Landwirtschaft, die auf Kunstdünger und chemisch-synthetische Pestizide verzichtet. Davon profitieren Insekten, die Feldvögeln als Nahrung dienen.“ Und wer im Rebhuhn-Revier unterwegs ist, sollte auf den Wegen bleiben und Hunde anleinen, um die kleinen Vögel zu schützen.
Hintergrund: Mitmachen beim Rebhuhn-Monitoring
Ab Februar gibt es die Möglichkeit, sich bei den Rebhuhn-Zählungen des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) zu beteiligen. Auch in Baden-Württemberg wird fleißig gezählt. Der Verein ruft dazu auf, sich online für ein Gebiet zu registrieren und Daten zu Rebhuhn-Vorkommen zentral zu melden. So soll die Entwicklung der gefährdeten Art besser im Blick behalten werden.
Die Rebhuhn-Zählung des DDA e.V. im Rahmen des Verbundprojekts „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern”: https://www.rebhuhn-retten.de/wissenswertes/monitoring
- Mehr Infos: www.vogeldesjahres.de und Rebhuhn in BW
- Vogelporträt Rebhuhn
- NABU-Projekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“. Infos: www.NABU-BW.de/rebhuhn-projekt
Foto von Hermann Hirsch
PM NABU Baden-Württemberg