Gefährliche Verwandtschaft: Hauskatzen bedrohen die Europäische Wildkatze

Im Frühjahr gibt es für Wildkatzen viele Gefahren

Paarung mit unkastrierten Freigänger-Hauskatzen und Verwechslung von Jungtieren gefährden Bestand im Land

BUND fordert Schutz der Wildkatze durch Kastration von Hauskatzen

Die streng geschützte Europäische Wildkatze kehrt langsam in die Wälder Baden-Württembergs zurück. Doch gerade jetzt im Frühjahr gibt es eine unscheinbare Gefahr aus unserer unmittelbaren Umgebung für diese geschützte Wildtierart: die Hauskatze. Unkastrierte Freigänger können sich mit Wildkatzen verpaaren, was zu einer Vermischung beider Arten führen kann. Diese sogenannte Hybridisierung kommt vor allem in Baden-Württemberg vor und kann langfristig die genetische Eigenständigkeit der Wildkatze gefährden, warnt der Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Wichtige Anpassungen der Wildkatze an ihren Lebensraum drohen verloren zu gehen. Zudem können Hauskatzen Krankheiten übertragen, die oft für Wildkatzen tödlich sind.

Ein weiteres Problem ist im späteren Frühjahr die Verwechslung von Wildkatzenjungtieren mit vermeintlich ausgesetzten Hauskätzchen. Immer wieder nehmen Menschen die kleinen Wildkatzen aus dem Wald mit, in dem Glauben, sie retten ein hilfloses Haustier. Doch Wildkatzen werden von ihrer Mutter oft nur kurz zurückgelassen, während sie auf Nahrungssuche ist. Diese unbeabsichtigten Entnahmen können den Tod der Jungtiere zur Folge haben und sind gesetzlich verboten.

Dominic Hahn, Projektkoordinator „Wildkatzenwälder von morgen“ beim BUND Baden-Württemberg:

„Wir beobachten aktuell die Rückkehr der Europäischen Wildkatze in die Wälder Baden-Württembergs. Das ist in Zeiten des Artensterbens eine gute Nachricht. Gleichzeitig finden wir aber auch vermehrt Hinweise auf Hybridisierung. Diese ist besonders kritisch, wenn die Populationen noch so klein sind, wie in Baden-Württemberg. Die Bestände sind noch nicht sicher. So stehen in Baden-Württemberg wenige hundert Wildkatzen etwa zwei Millionen Hauskatzen gegenüber. Dazu kommt noch eine unbekannte Zahl an verwilderten Streunerkatzen. Jedes unkastrierte Tier erhöht dabei das Risiko der Hybridisierung für die Wildkatze.“

Doch jede*r Katzenhalter*in kann zum Schutz der Wildkatze beitragen. Hahn: „Der wichtigste Schritt ist, Freigänger-Katzen kastrieren zu lassen. So verhindern Haustierhalter*innen die Vermischung von Haus- mit Wildkatzen und vermeiden gleichzeitig, dass noch mehr verwilderte Katzen unter elenden Bedingungen leben müssen. Aber auch die Politik ist gefragt. Kommunen und Städte im Land können mit Katzenschutzverordnungen dafür sorgen, dass Freigänger-Katzen kastriert werden müssen.“ In Baden-Württemberg gibt es solche Verordnungen bereits in über 130 Kommunen – meistens, weil sich ehrenamtliche Katzenschützer*innen dafür stark gemacht haben. Mit einer landesweiten Kastrationspflicht könnte Baden-Württemberg ihnen die Arbeit erleichtern, flächendeckend viel Tierleid vermeiden und zum Schutz der Wildkatze beitragen. Darüber hinaus ist Aufklärung entscheidend, um die Verwechslung von Wild- und Hauskatzen zu vermeiden.

Um langfristigen Schutz zu gewährleisten, fordert der BUND zudem eine Ausweitung der Wildkatzenlebensräume. Das genetische Monitoring der Wildkatze zeigt, dass in großflächigen wilden Waldgebieten wie dem Hunsrück bisher kaum Hybridisierung vorkommt. Sie bieten Wildkatzen die nötigen Rückzugsräume. Im Odenwald konnte der BUND Baden-Württemberg dagegen bereits Hybride nachweisen. „Daher setzen wir uns mit unserem Projekt ‚Wildkatzenwälder von morgen‘ dafür ein, auch bei uns im Land artenreiche, vernetzte Lebensräume zu schaffen. Diese helfen nicht nur der Wildkatze, sondern auch anderen bedrohten Arten“, so Dominic Hahn.

Terminhinweis:

Wer mehr über die Hybridisierung von Wild- und Hauskatzen erfahren möchte, kann sich beim Online-Seminar am 26. Mai informieren. Fachleute stellen dort neueste Erkenntnisse zur Vermischung von Haus- und Wildkatze vor, und gemeinsam sollen über Lösungen diskutiert werden, um die Bedrohung für die Wildkatze weiter einzudämmen.

Hintergrund:

Die Europäische Wildkatze ist laut Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und gilt laut Roter Liste der gefährdeten Arten bundesweit als „gefährdet“. Unsere Hauskatzen stammen nicht von der Wildkatze ab, sondern von der Afrikanischen Falbkatze. Hauskatzen wurden von den Römern nach Mitteleuropa gebracht. Hybride aus Haus- und Wildkatze weisen veränderte genetische Merkmale auf und die ursprünglichen Anpassungen an den Lebensraum der Wildkatze können verloren gehen. Bisher tritt Hybridisierung vor allem in Baden-Württemberg auf, aber auch in anderen Teilen Deutschlands werden Hybridkatzen vereinzelt genetisch nachgewiesen. Sie sind optisch meistens nicht als solche zu erkennen und können wie Haus- oder Wildkatzen aussehen. Klarheit liefert nur ein Gentest.

Um die Europäische Wildkatze nachweisen zu können, nutzt der BUND das sogenannte Lockstock-Monitoring. Freiwillige Helfer*innen bringen Holzstöcke in Gebieten aus, in denen die scheue Wildkatze vermutet wird. Sie besprühen die Stöcke mit Baldrian. Der Geruch ist den Sexuallockstoffen der Wildkatze sehr ähnlich und zieht die Tiere magisch an. Die Katzen reiben sich am rauen Holz und hinterlassen einzelne Haare. Die Naturschützer*innen sammeln diese ab. Anschließend schicken sie die Proben für eine genetische Untersuchung zur Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

Das sechsjährige Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz gefördert. Das Projekt setzen der BUND-Bundesverband, die BUNDjugend und die BUND-Landesverbände Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen um.

Informationen:

Link zur Anmeldung zum Online Seminar

Projektwebsite Wildkatzenwälder von morgen: www.bund-bawue.de/wildkatzenwaelder

Wildkatzen-Sichtungen in Baden-Württemberg melden

Videoreihe zur Verwechslungsgefahr von Haus- mit Wildkatzen: https://www.youtube.com/watch?v=ZWbNKD4Xr3U&list=PLy5DmMXUEyhaYK3IpHVM5CsWli2GUClop

Foto: Quelle „Thomas Stephan / BUND“

PM Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg

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