Jetzt die Zugvögel beim Nestbau unterstützen und Auszeichnung erhalten – rund 3.130 Plaketten schmücken Häuser in ganz Baden-Württemberg
Ende März startet das Schwalbenjahr: die fliegenden Sommerboten kehren aus ihren Winterquartieren südlich der Sahara zurück, um in Baden-Württemberg zu brüten. Dazu können sie jede Hilfe gebrauchen. Viele Menschen unterstützen die grazilen Flieger bereits, rund 3.130 hat der NABU Baden-Württemberg mit der Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ geehrt. „Damit zeigen Hausbesitzende ihre Liebe zu den Schwalben und sind Vorbild für ihre Nachbarschaft – das steckt hoffentlich an, sodass ganz Baden-Württemberg wieder zum Schwalbenland wird“, so NABU-Schwalbenbetreuer Rudi Apel. Noch nicht aktiv geworden? Mit Lehmpfützen, Nisthilfen oder Kunstnestern an Häusern und in Ställen sowie insektenfreundlichen Gärten kann jede und jeder helfen.
„Rauch- und Mehlschwalben waren jahrhundertelang ganz selbstverständliche Mitbewohner in unseren Dörfern und Städten. Heute sind sie gefährdet, weil sie immer weniger Nistmöglichkeiten finden“, sagt Apel. Generell seien die langfristigen Bestandstrends für beide Schwalbenarten in Deutschland negativ. Mit jeweils etwa 700.000 Brutpaaren gibt es nur noch halb so viele Vögel wie vor 30 Jahren. Die Mehlschwalbe ist gefährdet, die Rauchschwalbe steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste Deutschland.“
Wo ist die nächste Lehmpfütze?
Seit Mitte März sind die ersten Rauchschwalben zurück, ab Mitte April tauchen die Mehlschwalben wieder im Südwesten auf. „Schwalben sind sehr ortstreu und nutzen gerne vorhandene Nester. Diese dürfen daher nicht entfernt werden. Aus Lehm, Ton oder schlammiger Erde formen sie mithilfe ihres Speichels kleine Kügelchen und bessern damit alte Nester aus oder bauen ein neues am selben Platz oder in der Nähe“, so Apel. Die Lehmpfütze sollte dabei nicht mehr als 300 Meter vom Niststandort entfernt sein. Wichtig ist zudem, dass dort Katzen keine Deckung finden.
Mehlschwalben brüten außen
Die Mehlschwalbe ist an ihrem leuchtend weißen Bürzel und Bauch sowie dem tief gekerbten Schwanz zu erkennen. Durch illegale Zerstörung von Nestern, Vergrämungsmaßnahmen an Häusern und Insektenschwund geht der Bestand stetig zurück. Die ursprünglichen Felsenbrüter bauen als Kulturfolger ihre geschlossenen Lehmnester unter Dach- oder Fassadenvorsprüngen. Oft zum Ärger der Hausbewohnerinnen und -bewohner, denn es fällt auch Dreck vom Nestbau und Kot von den Jungvögeln an. Mit einem einfachen, mindestens 60 Zentimeter unterhalb der Nester angebrachtem Brett lässt sich der Kot auffangen und später als natürlicher Blumendünger verwenden.
Rauchschwalben brüten innen
Die schnell zwitschernde Rauchschwalbe ist gut an dem glänzend blauschwarzen Gefieder, der weißen Unterseite sowie der rötlich-beigen Kehle und langen Schwanzspießen zu erkennen. Rauchschwalben brüten vor allem im Inneren von Gebäuden, bevorzugt in geschützten Ecken. Daher findet man die nach oben offenen Lehmnester in Ställen und Scheunen, in Carports und Garagen.
Mücken ade
Da Rauchschwalben ihre Jungen im Inneren aufziehen, ist es wichtig, möglichst Fenster, Türen oder Einflugöffnungen als ständige Zugänge in der Brutsaison offen zu halten. „Schwalben fangen vor allem Mücken, Fliegen und Blattläuse aus der Luft“, sagt Apel. „Daher werden sie als nützliche Vertilger geschätzt.“ Doch durch den Insektenschwund finden die Schwalben nicht genügend Futter für den Nachwuchs. Ein insektenfreundlicher Garten kann helfen, dem entgegenzuwirken.
Hintergrund:
Um noch mehr Menschen zu ermutigen, sich für Schwalben zu engagieren, gibt es die NABU-Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“. Seit Beginn der bundesweiten Aktion 2017 haben NABU-Gruppen die Auszeichnung schon 12.000 Mal verliehen – davon 3.130 Mal im Südwesten.
Infos zur NABU-Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“: www.NABU-BW.de/schwalbenfreundlicheshaus
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Foto (Bernhard Schiewe): Rauchschwalben
PM NABU Baden-Württemberg