Es gibt Bilder, die begegnen uns ganz nebenbei – und bleiben doch einen Moment länger im Herzen.
Bei einer Motorradausfahrt fiel mein Blick auf sie: Flugdrachen, die sich im Herbstwind wiegten. Bunt, lebendig und voller Leichtigkeit. Ich musste nicht lange überlegen und hielt diesen Augenblick mit meiner Kamera fest.
Flugdrachen im Wind – sie fliegen nicht fort. Sie tanzen am Himmel, lassen sich von den Böen tragen und bleiben doch an einem festen Ort. Ein schönes Bild für die Freiheit, die manchmal gar nicht bedeutet, davonzufliegen, sondern einfach im Augenblick zu sein.
In meiner Kinder- und Jugendzeit gehörte das Drachensteigen zu den herbstlichen Höhepunkten. Kaum wurden die Tage kühler und der Wind kräftiger, zog es uns hinaus auf die Felder. Mit Schnur in der Hand und dem Blick zum Himmel versuchten wir, unsere Drachen in die Lüfte zu bringen. Es wurde gelacht, gerannt, gezittert und manchmal auch geflucht, wenn der Drachen partout nicht steigen wollte.
Heute begegnet mir dieses Schauspiel nur noch selten. Vielleicht ist es gerade deshalb etwas Besonderes, wenn mir ein solcher Anblick unterwegs begegnet. Auf dem Motorrad unterwegs, den Fahrtwind im Gesicht, den Blick auf die Straße gerichtet – und plötzlich diese bunten Farbtupfer am Himmel.
Für einen Augenblick hielt die Zeit inne. Der Motor, die Straße, die Fahrt – alles trat in den Hintergrund. Da waren nur der Wind, die Drachen und eine Erinnerung an längst vergangene Herbsttage.
Wie schön, wenn ein flüchtiger Augenblick die Tür zu vergangenen Zeiten öffnet.
Manchmal braucht es keine große Reise, um etwas Besonderes zu entdecken. Manchmal genügt eine Motorradausfahrt, ein Blick zur Seite und ein Motiv, das uns daran erinnert, wie viel Freude in den einfachen Dingen des Lebens steckt.
Und vielleicht ist es genau das, was solche Bilder für mich ausmacht: Sie zeigen nicht nur, was vor meiner Kamera war. Sie erzählen auch ein Stück meiner eigenen Geschichte.
Flugdrachen im Wind – ein Hauch von Freiheit, ein Stück Kindheit und ein Herbstmoment, der geblieben ist.
Alfred Brandner