Das politische Wort zum Sonntag: Über 25 Jahre Krieg in Afghanistan und heutige Probleme

Am 7.10.2001 griffen die USA und Großbritannien Afghanistan an. Wenige Tage zuvor wurde zum ersten Mal in der Geschichte der NATO-Bündnisfall ausgerufen. Der offizielle Grund war der Krieg gegen den Terror und die Verteidigung der Freiheit, was Georg Bush auch wirklich geglaubt zu haben scheint. Der eigentliche Hintergrund aber war die Kontrolle der Ölfelder.
In Deutschland wurde das Thema damals kontrovers diskutiert, aber eine Mehrheit der Bevölkerung war trotz der kritischen Haltung gegen die USA für den Krieg. Auch ich habe mich damals als 17 jähriger nach 9/11 beeindrucken lassen und an die Argumente der Befreiung von der Knechtschaft der Taliban geglaubt, obwohl mir eigentlich klar war, dass wirtschaftliche Interessen im Vordergrund standen. Heute ist mir klar, dass es falsch war, dass sich Deutschland an der späteren Friedensmission beteiligt hat, weil solche Entwicklungen vom Inneren des betroffenen Landes kommen müssen, was in Afghanistan nicht im notwendigen Umfang der Fall war. Heute sind die Taliban zurück, am Hindukusch ist alles wie vorher und die Welt ist reicher an Spaltung und Zwietracht. Herman van Veen bringt es in diesem Lied auf den Punkt (Minute 0:47):
„Warum bin ich so heiter? Denn Bush bombt immer weiter und Al-Qaidas Fighter haut das nicht aus den Schuhn.“
Der Krieg in Afghanistan war ein Fass ohne Boden, der unnötig Leben – vor allem von Zivilisten – gekostet hat, Massenflucht ausgelöst hat und keinerlei Erfolge zeigte.
Vor wenigen Tagen habe ich diese Reportage über die konservative Revolution der USA 1960-1980 gesehen:
Nehmt euch bitte die Zeit und schaut es euch an, denn es zeigt ausführlich, wie die USA Schritt für Schritt nach rechts gerückt ist und die Politik eines Georg Bush Junior erst möglich gemacht hat. 2008 habe ich mich darüber mit einem damaligen Bush-Anhänger aus Kalifornien unterhalten, was mich bereits damals sehr befremdet hat. Heute ist der Mann fanatischer Fan von Donald Trump. In Europa sehe ich auch immer mehr dieser Tendenzen, was mir große Angst macht. Und genau darum müssen wir alles dafür tun, dass es bei uns nicht so weit kommt, denn in den USA sieht man, was in 65 Jahren passieren kann – so viel Zeit haben wir nicht mehr.
Indizien dafür sind die Wahlen in Lettland und Bosnien-Herzegowina:
Bei unseren Nachbarn im Baltikum geht es seit Jahren aufwärts und trotzdem legen rechte, populistische und russlandtreue Kräfte immer weiter zu. Die Demokraten und proeuropäischen Kräfte haben zwar noch die Mehrheit, aber die Frage ist, wie lange noch. Diese Entwicklung ist für mich einfach nur unverständlich.
Bosnien-Herzegowina ist ein zutiefst gespaltenes Land, dass in seiner aktuellen Form zum Scheitern verdammt ist. Radikale serbische Nationalisten auf der einen, Kroaten und Bosniaken auf der anderen Seite.
Vielleicht wäre es gut, wenn sich der serbisch dominierte Teil abspaltet, damit der andere Teil eine Chance auf Annäherung an die EU hat. Zwar hätten wir dann einen neuen autoritären Staat, aber wie die Geschichte bereits öfters gezeigt hat, wandeln sich Mentalitäten und Weltanschauungen, so dass ein dann stabiler Staat auch wieder auf einen guten Weg zurückkehren kann.
Marcel Kunz

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