Wenn Sekunden zählen: Warum ich Sofortmaßnahmen gegen Gewalt für so wichtig halte wie den Erste-Hilfe-Kurs

Ich habe in meinem Berufsleben viele Menschen erlebt, die plötzlich in Situationen geraten sind, auf die sie nicht vorbereitet waren. Oft waren es ganz gewöhnliche Momente: der Heimweg am Abend, der kurze Gang zum Auto, der Spaziergang durch die Stadt. Und doch reichte ein einziger Augenblick, damit aus Normalität eine Bedrohung wurde.

Ich weiß aus Erfahrung: Man muss kein Kampfsportmeister sein, um sich schützen zu können. Aber man sollte wissen, was man tun kann, wenn Worte nicht mehr reichen.

Notwehrsofortmaßnahmen – einfache, sofort abrufbare Handlungen – können im Ernstfall entscheidend sein. Sie sind für jeden Menschen geeignet, unabhängig von Alter oder körperlicher Verfassung. Für mich gehören sie auf dieselbe Stufe wie der Erste‑Hilfe‑Kurs.

Wenn eine Bedrohung plötzlich real wird

Ich habe gelernt, dass nicht jede Situation mit ruhigen Worten zu lösen ist. Und ich rate jedem dringend davon ab, sich in ein längeres Gerangel verwickeln zu lassen. Das ist gefährlich und selten erfolgreich.

Kommt es jedoch zu einem tätlichen Angriff, muss die Reaktion sofort erfolgen. Laut schreien, sich wehren, Distanz schaffen. Alltagsgegenstände wie Regenschirm, Handtasche oder Schlüsselbund können dabei wertvolle Hilfsmittel sein. Entscheidend ist ein kurzer, überraschender Schmerz – Reiz, der ein Fluchtfenster öffnet. In diesem Moment zählt nur eines: eigene Sicherheit.

Zeugen klar ansprechen

Ich habe immer wieder beobachtet, dass Menschen Übergriffe sehen, aber nicht eingreifen – nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Unsicherheit. Deshalb ist es wichtig, Zeugen direkt und eindeutig anzusprechen:

„Bitte rufen Sie sofort die Polizei – ich bin in Gefahr.“

„Sehen Sie nicht, wie ich bedrängt werde? Ich brauche Hilfe.“

Solche klaren Aufforderungen erhöhen die Bereitschaft, tatsächlich zu handeln.

Fluchtwege richtig nutzen

Wenn ich fliehen kann, dann tue ich es. Und ich flüchte nicht in dunkle Seitenstraßen, wie es Krimis oft zeigen, sondern gezielt in Schutzzonen:

– Geschäfte

– Apotheken

– Arztpraxen

– öffentliche Einrichtungen

Von dort aus setze ich sofort den Polizei‑Notruf 110 ab.

Helfen – aber mit Bedacht

Ich habe viele Menschen erlebt, die helfen wollten – und sich selbst in Gefahr brachten. Deshalb gilt für mich ein klarer Grundsatz:Helfen ja, aber niemals ohne Risikoabwägung.

Der Polizei Notruf 1 1 0 ist in Bedrohungslage die erste Maßnahme

Gegen brutale oder bewaffnete Täter haben ungeschulte Bürger kaum eine Chance. Umso wichtiger ist es, frühzeitig die Polizei zu verständigen. Der Notruf ist die erste Maßnahme – nicht die letzte.

Wenn die Lage ein sofortiges Eingreifen erfordert, versuche ich, weitere Passanten einzubinden. Eine kleine Gruppe erhöht die Chancen, Hilfe leisten zu können.

Warten bis die Polizei eintrifft

Wenn ich den Notruf abgesetzt habe, muss ich die Zeit bis zum Eintreffen der Polizei, ohne mich oder andere zu gefährden überbrücken. Und es kann schon mal dauern, bis Unterstützung vor Ort ist.

Der wichtigste Grundsatz bleibt für mich:

Eigensicherung hat absolute Priorität.

Ein Thema, das uns alle betrifft

Notwehrsofortmaßnahmen sind kein Spezialwissen für wenige, sondern Grundwissen für alle. Sie geben Menschen Sicherheit, Orientierung und Handlungskraft – in Situationen, die niemand erleben möchte, die aber jederzeit auftreten können.

Ich möchte niemanden zum Helden machen. Ich möchte Menschen befähigen, vorbereitet zu sein.

 

Alfred Brandner

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