Kommunalwahl in Bayern: Ich habe Briefwahl gemacht und dabei festgestellt, wie viele Listen nicht genug Kandidaten finden konnten, was mich einfach nur fassungslos gemacht gemacht hat – abgesehen von der AfD, wo ich froh bin, dass es nur wenig Schwachsinnige gibt, die sich für diese Partei aufstellen lassen. Im LKR Traunstein leben über 175.000 Menschen, von denen bestimmt 100.000 für eine Kandidatur in Frage kommen würden. Warum zum Teufel finden sich dafür nicht ein paar Hundert, die bereit sind, sich aufstellen zu lassen?! Ich selbst bin bereits zum dritten Mal in meinem Leben Kandidat bei einer Kommunalwahl und sicher habe ich mich auch ein bisschen eingebracht. Aber theoretisch reicht es, sich aufstellen zu lassen und ein Formular zu unterschreiben.
Dann habe ich neulich diesen Artikel über Reformen innerhalb der grünen Partei gelesen:
Man muss manchmal einfach mit der Zeit gehen und manche Ideen sind auch ganz gut. Aber eine Passage macht mich einfach nur fassungslos:
„So müssen Anträge künftig von mindestens etwa 90 Mitgliedern (0,05 Prozent aller Mitglieder) unterstützt werden, von denen mindestens die Hälfte Frauen sein müssen.“
Was zum Teufel ist das denn wieder für eine Diskrimminierung?! Und vor allem so einen Schwachsinn jetzt zu veröffentlichen und damit den vielen engagierten kommunalen Kandidaten im Freistaat, sowie dem Musterschwaben Cem Özdemir und seinen Unterstützern in den Rücken zu fallen, ist taktisch mehr als ungeschickt. Ich hoffe, dass das nicht schon bis morgen Kreise zieht bzw. genug Grünwähler bereits Briefwahl gemacht haben, die jetzt vielleicht anders wählen würden. Mir wurde dabei auch wieder bewusst, warum ich vor knapp 5 Jahren aus der Partei ausgetreten bin, mich aber nach wie vor kommunal einbringe. Das ist neofundamentalistisch, wird den Hetzern von rechter und konservativer Seite neuen Auftrieb geben und Stimmen bzw. Parteimitglieder kosten. Ich kann nur hoffen, dass dieser Reformvorschlag nicht durchgeht.
Gestern habe ich diesen Artikel über einen gelesen, der aus der grünen Partei ausgetreten ist, weil er die Art und Weise, wie man mit Manuel Hagels Interview damals umging, für falsch empfand:
Ich kann diesen Schritt nachvollziehen, da ich es auch nicht richtig finde, dieses Thema nach so langer Zeit noch aufzuwärmen. Den Zeitpunkt finde ich aber falsch, da er damit hätte bis nach der Wahl warten können. Und seine Kritik am Treffen zwischen Cem Özdemir und Zoe Mayer halte ich auch für blanke Spekulation. Ich denke viel eher, dass Cem ihr ausreden wollte, das aufzugreifen, weil ihn das in Bedrängnis bringen könnte. Und die These, Zoe Mayer wollte Manuel Hagel in die Nähe der Pädophilie rücken, halte ich für absolut an den Haaren herbeigezogen. Hagel thematisierte weibliche Attribute, was die Sache zwar nicht besser macht, aber nichts Pädokriminelles an sich hatte. Manuel Hagel leistet sich genug aktuelle Fehltritte, die man thematisieren kann. Darum sollte man sich darauf beschränken und nicht irgendwelche alten Kamellen aufwärmen. Erst neulich hat er wieder einen Fauxpas gebracht:
Ebenfalls diese Woche war ich in Siegsdorf bei einer grünen Kandidatenvorstellung mit der grünen Landesvorsitzenden Gisela Sengl, die ich sehr schätze, weil sie für mich so eine Art weiblichen, bayerischen Cem Özdemir darstellt. Sengl betont regelmäßig, wie gut wir es eigentlich haben und wie wichtig es ist, unsere Demokratie zu verteidigen. Damit hat sie natürlich recht, aber wir bewegen uns gerade auf einem dunklen Weg in eine gefährliche Richtung. Immer mehr Menschen werden immer ärmer, drohen ihren Wohnraum zu verlieren oder müssen deswegen weit weg ziehen und damit Job und Umfeld verlassen. Diese Menschen werden unser Land nicht mehr verteidigen und sind anfällig für Demagogen und Staatsfeinde.
Zufälligerweise habe ich diese Woche zwei Mal diesen Song im Radio gehört:
Wer des Englischen nicht mächtig ist, möge den Text bitte in den Googletranslator eingeben. Der Hintergrund dieses Liedes ist der Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs und der damit einhergehende Wandel in Europa Ende der 80er / Anfang der 90er. Leider sind die damals entstandenen Freiheiten derzeit massiv bedroht und um das Errungene zu erhalten reichen keine Reden einer Gisela Sengl – sicher trägt sie durch ihre konstruktive und bürgernahe Politik dazu bei, aber wir müssen alle jeden Tag aufs Neue unseren Teil dazu beitragen, dass wir nicht in dunkle Zeiten zurückfallen.
Final möchte ich noch meinem Onkel Wolfgang Kunz gedenken, der am 5. März 70 Jahre alt geworden wäre, wenn er nicht am 1. Juni 2017 infolge von Leukämie verstorben wäre. Zu Wolfgang hatte ich keinen so engen Kontakt, wie zu meinen anderen Onkel, da wir doch sehr unterschiedliche Lebensentwürfe hatten. Er hat aber nie jemandem was getan, ging ehrlicher Arbeit nach und war gut zu seinen Kindern, so dass ich ihn aber trotzdem immer respektiert habe. Die letzten Jahre vor seinem Tod hat er sich aber sehr positiv gewandelt, gute Ideen entwickelt und wurde zunehmend aufgeschlossener. Nie werde ich den Tag vergessen, an dem ich ihn das letzte Mal gesehen habe, weil er so positiven Input gab und voller Tatendrang war. So werde ich ihn in Erinnerung behalten und sein Vermächtnis für die Nachwelt wird sein, wie positiv sich Menschen wandeln können. Eine Art „Wind of Change“ hat auch Wolfgang im Laufe seines Lebens durchgemacht und würde er noch leben, vielleicht hätte er sich für eine demokratische Liste bei der Kommunalwahl aufstellen lassen. Auf jeden Fall würde er versuchen, unsere Demokratie zu beschützen und mit Vorbild vorangehen. Nehmen wir uns ein Beispiel an ihm und versuchen wir jeden Tag unser Bestes zu geben.
Marcel Kunz