Deutschland erlebt eine Realität, die viele verdrängen: Gewalt ist kein Randphänomen mehr. Sie trifft Polizistinnen und Polizisten, Rettungskräfte, Bahnbedienstete, Passanten, Kinder – Menschen, die einfach nur ihren Tag leben wollten.
Fanatische Täter attackieren Einsatzkräfte. Rücksichtslose Schläger prügeln Menschen zu Boden. Betrunkene gehen auf Helfende los. Raser reißen Unbeteiligte aus dem Leben. Selbst in Kitas werden Kinder Opfer von Übergriffen. Das ist kein Mosaik aus Einzelfällen. Das ist ein Muster.
Und wer Notfallrettung, Selbstverteidigung, Gewaltprävention oder Personenschutz lehrt, braucht mehr als angelesenes Wissen. Theorie allein hat noch nie gereicht – und schon gar nicht in der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr.
Erforderlich sind:
- echte Qualifikationen statt Ego-Kurse
- Einsatzerfahrung ohne Sicherheitsnetz
- Handlungsstärke, wenn Sekunden entscheiden und Moral nicht verhandelbar ist
Wer das nicht hat, sollte nicht erklären, wie man überlebt. Punkt.
Die Ursachen liegen tief – in Tätern, aber auch in einer Gesellschaft, die an Stabilität verliert. Psychische Belastungen steigen, Versorgungssysteme kollabieren, soziale Netze reißen. Wo früher Freunde, Nachbarn oder Familie deeskalierten, steht heute oft niemand mehr.
Die Brutalität vieler Taten hat eine neue Qualität erreicht. Beschwichtigung funktioniert nicht.
Der wichtigste Reflex: 110 – sofort
Gegen brutale oder bewaffnete Täter hat man ohne Ausbildung kaum eine Chance. Der Notruf ist keine Option, sondern Pflicht – die einzige Maßnahme, die sofort professionelle Hilfe in Bewegung setzt.
Wenn ein Eingreifen unvermeidbar wird, können Passanten eingebunden werden – aber nur nach klarer Risikoabwägung. Niemandem ist geholfen, wenn Helfende selbst zu Opfern werden.
Wenn Sie angegriffen werden: Wehren ist kein Tabu – es ist notwendig
Nicht jede Bedrohung lässt sich beruhigen. Niemand muss „brav“ bleiben, während ein Täter zuschlägt.
In akuter Gefahr gilt: Wehren Sie sich sofort. Schreien, kratzen, beißen, treten – alles, was Flucht ermöglicht, ist legitim. Alltagsgegenstände können helfen. Entscheidend ist nicht Technik, sondern Entschlossenheit.
Denken Sie nicht daran, was dem Täter passieren könnte. Denken Sie daran, was mit Ihnen passiert, wenn Sie nichts tun.
Zeugen müssen angesprochen werden – klar und direkt
Viele reagieren erst, wenn sie persönlich adressiert werden:
- „Rufen Sie sofort die Polizei – ich bin in Gefahr.“
- „Sehen Sie nicht, was hier passiert? Ich brauche Hilfe!“
Klare Worte schaffen klare Verantwortung.
Flucht ist kein Versagen – Flucht ist Überleben.
Wenn ein Weg frei ist: nutzen. Nicht in dunkle Gassen, sondern in Schutzzonen – Geschäfte, Apotheken, Praxen, Orte mit Menschen. Von dort aus sofort den Notruf absetzen.
Für Helfende gilt ein eiserner Grundsatz: Eigensicherung zuerst
Wer helfen will, muss sich selbst schützen. Gegen bewaffnete oder extrem gewaltbereite Täter ist unüberlegtes Eingreifen lebensgefährlich. Oft ist die wichtigste Hilfe: Polizei alarmieren, Lage beobachten, weitere Zeugen aktivieren.
Wenn ein Eingreifen unvermeidbar wird, dann gemeinsam – und nur mit realistischer Einschätzung der Lage.
Unmissverständlich und ohne Weichzeichner
Gewalt verschwindet nicht, wenn man sie ignoriert. Sie verschwindet, wenn Menschen vorbereitet sind – wenn sie wissen, wie sie reagieren können und den Mut haben, im entscheidenden Moment richtig zu handeln.
Eigensicherung zuerst. Immer.
Alfred Brandner