Das politische Wort zum Sonntag: über ein Zitat von Winston Churchill, 20 Jahre Streit um die Mohammed-Karikaturen und das Einhalten von Regeln

Am 9. Februar 1941 gab Winston Churchill folgendes Zitat von sich:
„Give us the tools, and we will finish the job!“
Auf deutsch: „Gebt uns die Werkzeuge und wir erledigen den Job!“
Ich empfinde diese Aussage zum damaligen Zeitpunkt als extrem mutig, da damals noch nicht abzusehen war, dass die USA in den Krieg eintreten und das Bündnis zwischen den Achsenmächten und der Sowjetunion zerbrechen wird, so dass Großbritannien allein Widerstand gegen die Nazi-Barbarei leisten hätte oder Westeuropa allein befreien müssen. Zum Glück aus Sicht der Weltgeschichte griff Japan einige Monate später Pearl Harbor an, wodurch die USA zum Eintritt in den Pazifikkrieg gezwungen wurde, was NS-Deutschland dazu bewegte, Washington ebenfalls den Krieg zu erklären. Dadurch leistete die US-Army dem leidgeplagten und heroisch kämpfenden britischen Volk Hilfe, wodurch die Achsenmächte in einem langen Krieg doch noch besiegt werden konnten. Aber bis es soweit war, kostete es dem British Empire Blut, Schweiß und Tränen. Aber ohne ihr Staatsoberhaupt Winston Churchill hätten die Briten womöglich nicht durchgehalten und die Entwicklung wäre anders verlaufen. Man muss Winston Churchill also unendlich dankbar sein für seine Härte und Durchsetzungsfähigkeit.
Heute ist die Ukraine in einer ähnlichen Situation. „They are getting the tools and they finish the job (sie bekommen die Werkzeuge und beenden den Job)!“ Sie halten Europa in einem mörderischen Abnutzungskrieg seit vier Jahren den russischen Aggressor vom Hals und zahlen dafür einen hohen Blutzoll. Also müssen wir sie weiter finanziell und materiell unterstützen, damit sie weiter erfolgreich dagegenhalten können.
Vor 20 Jahren gab es in der muslimischen Welt Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen. Ich fand die Karikaturen jetzt nicht so prickelnd, aber ich meine, im Rahmen der Meinungsfreiheit muss man so etwas einfach hinnehmen. Auch als religiöser Mensch muss man so etwas aushalten können und daher finde ich die Proteste bis heute falsch. Ich kann nicht beurteilen, ob damals nur radikale Muslime auf die Barrikaden gingen oder ob dies bis in moderate Kreise reichte. Aber freie Gesellschaften machen auch aus, dass sie kontroverse Themen aushalten und darum würde ich die Karikaturen auch heute noch teilen, obwohl ich sie nicht so toll fand.
Dann möchte ich in Zusammenhang mit der Tötung des Schaffners in Rheinland-Pfalz noch auf das Einhalten von Regeln eingehen und dabei ein Beispiel des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer aufnehmen:
Im Großen und Ganzen hat Palmer absolut Recht! Regeln müssen eingehalten werden, sonst herrscht irgendwann einmal Sodom und Gomorrah. Es gibt natürlich auch sinnlose Regeln, die gebrochen werden können oder Situationen, in denen man einfach gezwungen ist, Regeln zu brechen. So war ich heute dazu gezwungen, wild zu pinkeln, da ich keine kostenlosen Toiletten finden konnte und ich es einfach nicht einsehe, für ein Grundbedürfnis zu zahlen.
Des Weiteren muss der ÖPNV in Deutschland endlich kostenlos werden. Müsste man keine Karten kontrollieren, gäbe es viel weniger Gewalt, Justiz und Gerichte würden entlastet und die Gefängnisse würden sich leeren. Und wenn ich sehe, wie aggressiv teilweise Kontrolleure in großen Städten vorgehen, habe ich dafür kein Verständnis. Da habe ich schon von Vorfällen gelesen und gehört, wo auch den Delinquenten zur Seite stehen würde, weil ich das Verhalten der Gegenseite als vollkommen überzogen empfinde. Auf der anderen Seite sind manche Menschen aber einfach nur dreist und mit denen sollte man sich nicht solidarisieren – so wie im Artikel über Boris Palmer. Da bin ich froh, dass es Menschen wie ihn gibt, die trotzdem standhaft bleiben und ihren Weg gehen. Ich hoffe, dass sich in Zukunft Leute mit ihm für seinen Mut solidarisieren.
Dann muss man leider auch sagen, dass es vereinzelt unfähige und sogar böse Mitarbeiter bei der DB und Privatbahnen gibt, bei denen ich nachvollziehen kann, dass man da Gewalt anwenden will – ich habe ich meiner aktiven Zeit dort selbst welche kennengelernt, wobei diese die absolute Minderheit darstellen. Und bevor jetzt wieder irgendjemand irgendwas falsch versteht: Bitte wendet keine Gewalt an, auch wenn diese es aus eurer Sicht verdient haben! Vielleicht haben sie nur mal einen schlechten Tag und selbst wenn sie es wirklich verdient hätten: Ihr werdet mit großer Wahrscheinlichkeit erwischt und das ist es nicht Wert! Die meisten machen einen guten Job, sind hilfsbereit und können nichts für die Missstände dort. Und die schwarzen Schafe sind auch meistens nicht an der Front.
Ein weiterer Punkt, der mich tierisch aufregt, ist, dass der Fernverkehr immer vorgelassen wird und der Regionalverkehr dadurch massive Verspätung aufbaut. Der Fernverkehr zahlt dafür höhere Trassenpreise, aber vielleicht müsste da etwas im System geändert werden. Ich wundere mich ehrlich gesagt, dass noch niemand mit Waffengewalt einen Lokführer bedroht und die Fahrt eines Regionalzugs erzwungen hat. Ich würde das nicht tun, weil ich mich nicht strafbar machen möchte, aber ich warte nur auf den Tag, bis das passiert und so etwas dann Schule macht. Aber macht es bitte trotzdem nicht. Ihr schadet damit dem Lokführer und bringt euch selbst in Bedrängnis!
Ich weiß, dass ich jetzt nicht wirklich auf das Leid des Toten, seiner Familie, seiner Freunde und all der vielen Mitarbeiter im Bahnbetriebs eingegangen bin, aber ich denke, das haben die Medien bereits getan und alle wissen, dass mich dieser Vorfall sehr mitnimmt. Ich versuche hier mit allgemeinen Ideen die Situation in unserem Land zu verbessern, damit wir nicht irgendwann in einer Situation wie Großbritannien 1941 sind und wir wieder Menschen wie Winston Churchill brauchen, die das entstehende Chaos beseitigen müssen.
Marcel Kunz

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