Es war eine alltägliche Verkehrssituation, wie sie sich täglich auf den Straßen Schwäbisch Gmünds ereignet – bis sie plötzlich eskalierte. Eine banale Meinungsverschiedenheit im fließenden Verkehr genügte, um zwei Beteiligte in eine tätliche Auseinandersetzung zu treiben, bei der sogar gefährliche Gegenstände zum Einsatz kamen. Ein Vorfall, der weit mehr ist als eine lokale Kuriosität. Er zeigt, wie dünn die Schicht zivilisierter Selbstbeherrschung bei manchen Verkehrsteilnehmern geworden ist. Nicht nur in Schwäbisch Gmünd.
In einer Gesellschaft, die von Stress, Reizüberflutung und wachsender Überforderung geprägt ist, reicht oft ein einziger Funke, um unverhältnismäßige Aggression zu entfachen. Bei manchen stellt sich längst die Frage, ob sie charakterlich überhaupt geeignet sind, ein Kraftfahrzeug im öffentlichen Raum zu führen – einem Raum, der auf Rücksicht, Umsicht und Verantwortungsbewusstsein angewiesen ist.
Der beobachtete Vorfall ist deshalb kein isoliertes Ereignis. Er ist ein Warnsignal. Denn jeder kann unvermittelt zum Opfer solcher Ausbrüche werden. Die staatlichen Stellen stehen in der Pflicht, entschlossen zu handeln. Unsere Verfassung garantiert das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit – und verpflichtet den Staat, dieses Recht aktiv zu schützen.
Was auf Gmünder Straßen geschehen ist, darf nicht zur neuen Normalität werden. Es ist ein Auftrag an Behörden, Politik und Gesellschaft, die Spirale der Enthemmung zu stoppen, bevor aus einzelnen Ausfällen ein dauerhaftes Klima der Angst entsteht.
Alfred Brandner