Amok- und Bombenlagen: Alfred‑Brandner‑Statement – kompromisslos, öffentlich, unüberhörbar

2026 wird vielerorts als Jahr des Fortschritts bezeichnet. Auch für mich persönlich markiert es einen wichtigen Punkt: Ich habe meine ersten zertifizierten und gesetzlich anerkannten Fortbildungen in der Notfallmedizin abgeschlossen, durchgeführt von Ärzteteams führender Kliniken. Das ist ein Schritt nach vorn. Doch aus jahrzehntelanger Erfahrung in Notfallmedizin, Gewaltprävention und realen Einsatzlagen weiß ich: Fortschritt auf dem Papier rettet keine Leben.

Im Rahmen der aktuellen Fortbildung wurden Handlungsempfehlungen für Amok- und Bombenlagen vorgestellt. Präsentiert wurden sie von PD Dr. med. Markus Zimmermann im Format Live Onlinefortbildung „NOW TO GO“. Die Inhalte behandeln Szenarien, die Angst machen und deshalb häufig verdrängt werden. Genau das ist aus meiner Sicht das Problem: Diese Lagen sind keine theoretischen Ausnahmefälle mehr, sondern Teil unserer realen Einsatz- und Bedrohungslage.

Ich sehe diese Empfehlungen nicht als klassischen Fachvortrag. Für mich sind sie eine nüchterne Bestandsaufnahme – und ein Spiegel, der zeigt, wie verletzlich unsere Systeme im Ernstfall tatsächlich sind.

Aus meiner beruflichen Praxis weiß ich, wie häufig noch immer davon ausgegangen wird, dass schwere Gewaltlagen „anderswo“ stattfinden. Gleichzeitig habe ich erlebt, wie Einsatzkräfte mit großem persönlichem Engagement in hochkomplexe Situationen geschickt werden, ohne dass Strukturen, Abläufe und Zuständigkeiten ausreichend vorbereitet sind.

Die Fortbildung benennt aus meiner Sicht drei zentrale Punkte:

  • Amok- und Bombenlagen gehören zur heutigen Einsatzrealität
  • Vorbereitung und Training sind grundlegende Schutzmaßnahmen
  • Verzögerungen und organisatorisches Zögern können Menschenleben kosten

Im Mittelpunkt steht dabei nicht Theorie, sondern der Schutz konkreter Menschen: Kinder und Jugendliche in Schulen, Mitarbeitende in Arztpraxen, Kliniken und Behörden, Reisende an Verkehrsknotenpunkten sowie Einsatz- und Rettungskräfte, die im Ernstfall unter hohem Risiko handeln.

Für mich stellt sich seit Jahren dieselbe Frage: Wie viele Warnungen braucht ein System, bis es handelt – bevor aus Risiko Realität wird?

Die vorgestellten Handlungsempfehlungen sind ein wichtiger Schritt. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass viele notwendige Maßnahmen seit Langem bekannt sind, jedoch nicht konsequent umgesetzt werden.

Sicherheit entsteht aus meiner Sicht nicht durch Hoffnung. Sie entsteht durch Haltung, durch klare Verantwortung und durch die Bereitschaft, rechtzeitig zu handeln.

Alfred Brandner

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