Am 19. Januar 1946 begann die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn:
Ich mache ja keinen Hehl daraus, dass ich die Vertreibung aus Polen und der Tschechoslowakei bis heute für richtig empfinde, die aus Ungarn aber nicht. Die Ungarndeutschen standen den Nazis eher ablehnend gegenüber und waren nicht für Ungarns Abgrund 1944 verantwortlich – das waren die ungarischen Pfeilkreuzler und der untätige Teil der Bevölkerung. Für die spätere BRD war die Vertreibung ein Glücksfall, da man fähige Arbeitskräfte erhielt, für die Betroffenen aber ein Trauma. Zum Glück kamen die Wenigsten in die SBZ – die aber ohne Grund diese nicht wieder verlassen haben, hätte man die Rente nach 1989 auf unter Sozialhilfeniveau kürzen sollen oder die Einbürgerung in die BRD verweigern (vereinfacht gesagt). Aber auch die in der BRD hatten es anfangs nicht leicht. Ich erinnere mich, dass bis heute Gerüchte kursieren, was die angeblich abgezockt haben sollen, sich aber in den allermeisten Fällen als Fake News entpuppten – später waren es dann die Gastarbeiter, dann die Russlanddeutschen und heute sind es die Syrer. Aber was lernen wir daraus? Nationalismus und Faschismus bringen Leid und Verderben in die Welt, sei es Ungarn oder Deutschland und sorgen für Tod und Verderben. Wir müssen aus der Vergangenheit lernen, damit sie sich nicht wiederholt.
Am 20. Januar 1966 wurde Union Berlin – genannt die Eisernen oder Eisern Union – gegründet. Union entpuppte sich als Oppositionsclub in der DDR, der großen Repressalien ausgesetzt war.
Trotzdem gab es mutige Menschen, die dem Verein die Treue hielten, selbst diskriminiert wurden und nicht gerade vom Erfolg verwöhnt wurden. Aber Verein und Fans hielten zusammen und leisteten einen wichtigen Beitrag gegen die DDR-Diktatur. Auch nach der Wende war Union nicht vom Erfolg verwöhnt. Auf und ab waren bis 2005 Standard in der Hauptstadt, bis es dann fast kontinuierlich aufwärts ging – bis in die Championsleaque! Dieses Niveau kann man natürlich nicht auf Dauer halten, aber es ist trotzdem sensationell, dass der Club sich kontinuierlich im Mittelfeld der Bundesliga etabliert. Und ich liebe Union! Der Spirit von damals ist bis heute am Leben und die Fans dort sind einfach offen, ehrlich und kreativ. Ich war vor einigen Jahren als Fan des FCH mal beim Auswärtsspiel im Block der Ultras dort und hatte nicht eine Sekunde ein schlechtes Gefühl. Ich wurde freundlich empfangen, habe ihr Lied mitgesungen und da die Eisernen verdient gewannen, habe ich zum Sieg gratuliert. Hoffentlich bleibt der Club sich ewig treu und setzt damit ein Zeichen gegen Verrohung und Intoleranz – speziell in den neuen Bundesländern.
Gestern bin ich in einer Mailkorrespondenz wieder auf eine Weisheit gestoßen, die mir vor 8 Jahren vermittelt wurde: „Man muss sich jeden Tag aufs Neue überlegen, was man heute nicht macht.“
Diese Weisheit hat mir damals sehr geholfen, da ich sehr neugierig bin und daher dazu neige, zu viel zu machen. Als ich das Notebook weggelegt habe, musste ich wieder an die Beerdigung einen Tag vorher denken. Man weiß nicht, wie viele Tage man noch hat und man muss daher jeden Tag sinnvoll nutzen. Wenn ich Bergtouren mache, muss ich häufig am nächsten Tag relaxen, weil ich keine Energie habe. Dann erledige ich dann halt Dinge online oder halte Kontakte telefonisch aufrecht. Aber ich mache keine Sachen, die nicht sein müssen. Bei der Arbeit hat man häufig auch viel zu tun und muss daher Prioritäten setzen (die These bezog sich damals auch auf die Arbeit), damit einem nicht alles über den Kopf wächst. Und natürlich gibt es dafür keine Musterantwort und auch nicht den einen Weg (oftmals wird einem auch von außen vorgegeben, was man nicht tun soll – und das muss auch nicht immer richtig sein). Aber man muss für sich einen Weg finden und diesen jeden Tag aufs Neue wieder finden. Sonst geht man unter oder man verliert zu viel Zeit mit unwichtigen Dingen. Der überraschende und viel zu frühe Tod eines Freundes hat mir das wieder vor Augen geführt und ich werde mir umso bewusster jeden Tag aufs Neue überlegen, was ich heute nicht mache.
Marcel Kunz