35 Jahre Taekwondo – Und plötzlich fragt das Herz: War’s das schon?

35 Jahre Taekwondo. Drei Jahrzehnte voller Schweiß, Disziplin, Demut – und dieser ganz eigene Zauber, den nur Menschen kennen, die einmal barfuß auf einer Dojang‑Matte standen. Doch irgendwann kommt er, leise und unerbittlich: der Gedanke, dass es vielleicht bald vorbei sein könnte. Ein Gefühl, das trifft wie ein schlecht platzierter Dollyo-Chagi – und sich anfühlt wie eine Trennung von der Liebsten, die das Herz zerbricht.

Ein Lebensweg, der mehr war als Sport

Taekwondo war für mich nie nur Bewegung. Es war Therapie, Medizin, Kompass und Lebensschule zugleich. Es stellte meine physische und psychische Gesundheit wieder her – und hielt sie über Jahrzehnte stabil. Der Weg dorthin war kein Spaziergang. Er begann mit Leidensdruck, Einsicht und einem Willen, der stärker war als jedes Hindernis.

Mit vierzig Jahren als „alter Krieger“ in der letzten Reihe eines vollen Dojangs zu stehen – zwischen Schwarzgurten vorne und Weißgurten hinten – war eine Erfahrung, die Demut lehrt. Und Mut. Denn wer in diesem Alter beginnt, muss mehr mitbringen als Talent: Er braucht Entschlossenheit.

Gemeinschaft statt Generationenkonflikt

Vom ersten Tag an standen Lehrer und Mittrainierende hinter mir. Keine Spur von den Generationskonflikten, die man aus der Arbeitswelt kennt. Im Dojang waren wir eine Einheit – von sechs bis sechzig. Eine Gemeinschaft, die trägt, fordert und fördert.

Vom Anfänger zum Meisterschüler– Schritt für Schritt

Die Fortschritte kamen. Prüfungen folgten. Wettkämpfe. Platzierungen. Und schließlich die großen Momente: Meistergraduierungen mit dem schwarzen Gürtel.

Doch jede Prüfung war ein Kampf – gegen die Anforderungen, gegen die eigenen Grenzen, gegen die Zeit. Denn Taekwondo kennt zwar kein Alterslimit, aber der Körper kennt es sehr wohl.

Taekwondo – ein Sport für jedes Alter, aber nicht ohne Preis

Die Kunst des Taekwondo  bleibt ein Leben lang erlernbar. Doch die Meistergrade werden anspruchsvoller, die Anforderungen härter, die Hürden höher. Und irgendwann – vielleicht so kurz vor achtzig – kommt der Moment, in dem man spürt: Der Weg wird schmaler.

Dann stellt sich ein Gefühl ein, das man kaum beschreiben kann. Ein Unbehagen, das an Abschied erinnert. An das Loslassen von etwas, das einen ein Leben lang getragen hat.

Ein Fazit voller Dankbarkeit – und ohne Reue

Taekwondo hat mir Gesundheit geschenkt, Anerkennung, Erfolg – und ein tiefes Wohlbefinden, das weit über sportliche Leistungen hinausgeht. Es hat mich geformt, gestärkt und begleitet. Und selbst wenn der Weg irgendwann endet, bleibt eines sicher:

Taekwondo endet nicht im Körper. Es bleibt im Geist. Und im Herzen.

Alfred Brandner

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