Sport gilt als eines der wirksamsten Mittel für Prävention, Wohlbefinden und innere Stabilität. So sollte es sein. Doch die Realität weicht oft schmerzhaft von dieser Idealvorstellung ab. Wo eigentlich Gesundheit, Gemeinschaft und persönliche Entwicklung stehen sollten, finden sich nicht selten Frust, Enttäuschung und Strukturen, die Menschen eher brechen als stärken.
Verkrustete Vereinsstrukturen, Standesdenken und Verbandsinteressen können das Gegenteil dessen bewirken, was Sport im Kern ausmacht. Statt eines therapeutischen Raums entsteht ein Umfeld, das krank macht – körperlich wie seelisch.
Gerade deshalb ist interdisziplinäres Denken heute wichtiger denn je. Wer Wissen aus verschiedenen Disziplinen verbindet, erkennt Muster, versteht Dynamiken und kann Lösungen anbieten, die über den Tellerrand hinausgehen. Genau diese Fähigkeit macht mich seit Jahrzehnten zu einem Ansprechpartner, der nicht nur fachspezifisch, sondern ganzheitlich denkt.
Gemeinsam stark: Wenn Jung und Alt voneinander lernen
In vielen Trainingsgruppen zeigt sich, wie es eigentlich sein sollte: Ältere und jüngere Sportler trainieren gemeinsam, jeder bringt seine Stärken ein. Erfahrung trifft auf Energie, Wissen auf Neugier. Dieses Zusammenspiel schafft ein Leistungsspektrum, das allen zugutekommt – und das sich ständig weiterentwickelt.
Damit dieses Miteinander gelingt, braucht es eine Kultur des Vertrauens, der Offenheit und des gegenseitigen Respekts. Unterschiedliche Meinungen gehören dazu, doch entscheidend ist, wie man damit umgeht: konstruktiv, rechtzeitig und mit dem Ziel, Kompromisse und Konsens zu finden.
Der Blick hinter die Kulissen: Schattenseiten, die man nicht ignorieren darf
Nach dreißig Jahren in verschiedenen Disziplinen fällt es mir schwer, manche Entwicklungen zu akzeptieren. Konkurrenzdenken, Abwertungen anderer Schulen oder Lehrer und interne Machtspiele nehmen zu – und wirken wie Gift für den Budo-Sport.
Selbst in höchsten Funktionärsebenen kommt es zu Unregelmäßigkeiten, etwa bei Kassenprüfungen. Und wie in der Arbeitswelt begegnet man auch im Budo Formen von Mobbing. Die Geschichten betroffener Athleten, die ich über die Jahre begleitet habe, bestätigen diese Entwicklung auf bedrückende Weise.
Schlussgedanke: Sport verdient Ehrlichkeit, Mut und Menschlichkeit
Sport kann heilen – aber nur, wenn wir ihn ehrlich leben. Nur wenn wir Strukturen hinterfragen, Missstände benennen und eine Kultur fördern, die Menschen stärkt statt verletzt, kann Sport wieder das sein, was er sein sollte: ein Raum für Wachstum, Gesundheit und menschliche Würde.
Der Weg dahin beginnt mit Offenheit, Respekt und dem Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Alfred Brandner