Wissen die Verantwortlichen, was sie tun?

Anhaltende öffentliche Diskussionen über überlastete Notaufnahmen in Kliniken sowie einen zunehmend beanspruchten ärztlichen Bereitschaftsdienst beeinflussen das Verhalten vieler Patientinnen und Patienten spürbar.  

Immer mehr ältere Menschen zögern, bei ernsthaften Beschwerden ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen – besonders nachts oder am Wochenende. Viele möchten ihren Hausarzt „nicht belästigen“ oder scheuen den Weg in die Notaufnahme. Dieses Zögern hat zunehmend fatale Folgen.

Ein aktueller Fall zeigt die dramatischen Konsequenzen: Eine hochbetagte Frau erlitt in der Badewanne plötzlich einen massiven Schwächeanfall, begleitet von Sensibilitätsstörungen sowie motorischen Ausfällen in Armen und Beinen. Hinzu kamen eine ausgeprägte Aphasie und eine deutliche Facialislähmung – klassische Warnzeichen eines akuten Schlaganfalls.

Sowohl die Patientin als auch ihr ebenfalls betagter Ehemann nahmen die Symptome wahr, stuften sie jedoch nicht als „akuten Notfall“ ein. Aus Rücksicht auf die Ärzte wollte man „bis zum nächsten Morgen warten“. Um eine Auskühlung zu verhindern, wurde über Stunden warmes Wasser nachgelassen. Wertvolle Zeit verstrich – Zeit, die über Leben und Lebensqualität entscheidet.

Der Schlaganfall hatte schließlich schwerwiegende, irreversible Folgen. Der medizinische Grundsatz gilt unverändert: Zeit ist Hirn. Jede Minute zählt.

Dieser Fall wirft eine drängende Frage auf: Wie konnte es so weit kommen, dass ältere Menschen aus Angst, zur Last zu fallen, lebensrettende Hilfe nicht mehr abrufen?

Es ist ein gesellschaftliches Warnsignal – und ein Auftrag an Politik, Medizin und Öffentlichkeit, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und klare Botschaften zu senden: Notfälle dulden keinen Aufschub. Niemand „belästigt“ einen Arzt, wenn es um Gesundheit oder Leben geht.

Alfred Brandner

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://filstalexpress.de/filstalexpress/200611/wissen-die-verantwortlichen-was-sie-tun/

Schreibe einen Kommentar