Bildungsgewerkschaften zum Weltlehrkräftetag: „Demokratie braucht starke Schulen und starke Lehrkräfte“

60 Jahre UNESCO/ILO-Empfehlung über die Stellung der Lehrkräfte – GEW und VBE fordern entschlossenen Schutz der demokratischen Bildung

Zum Weltlehrkräftetag am 5. Oktober würdigen die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) die zentrale Rolle der Lehrkräfte für den Erhalt der Demokratie. In diesem Jahr jährt sich die Verabschiedung der UNESCO/ILO-Empfehlung über die Stellung der Lehrkräfte zum 60. Mal. Das internationale Motto lautet: „An der Seite der Lehrkräfte: 60 Jahre Schutz des Berufs, Stärkung seines Status und Gestaltung unserer Zukunft.“

Schulen als Orte der Demokratie

„Demokratie muss gelernt, gelebt und immer wieder verteidigt werden. Lehrkräfte schaffen Räume, in denen junge Menschen Wissen erwerben, unterschiedliche Perspektiven kennenlernen, kritisch denken und respektvoll streiten können“, betonen Maike Finnern, Vorsitzende der GEW und Tomi Neckov, Bundesvorsitzender des VBE. „Der wachsende Einfluss rechter und rechtsextremer Parteien und Bewegungen prägt die politische Auseinandersetzung weltweit. Gerade angesichts zunehmender Polarisierung, Desinformation, Menschenfeindlichkeit und extremistischer Angriffe ist die Arbeit von Lehrkräften unverzichtbar. Sie versetzen junge Menschen in die Lage, politische Prozesse einschätzen und sich ein fundiertes Urteil bilden zu können.“

Lehrkräfte dürfen mit dieser Verantwortung nicht allein gelassen werden. Sie brauchen politischen Rückhalt, fachliche Unterstützung und Schutz vor Bedrohungen, digitaler Gewalt und gezielten Angriffen auf ihre pädagogische Arbeit. „Demokratische Bildung ist kein Zusatzprogramm. Sie gehört heute mehr denn je zum Kern des Bildungsauftrags und muss im Schulalltag verlässlich möglich sein“, so Finnern und Neckov.

Die beiden größten Bildungsgewerkschaften GEW und VBE fordern deshalb:

  • Demokratiebildung, politische Bildung und Medienbildung in allen Schulformen dauerhaft zu stärken;
  • Schulen und Lehrkräfte bei Angriffen, Bedrohungen und extremistischen Einflussversuchen wirksam zu unterstützen;
  • ausreichend Zeit für Beratung, Beziehungsarbeit, Klassenleitung und Beteiligung zu schaffen;
  • Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und weitere multiprofessionelle Angebote auszubauen;
  • Lehrkräfte gezielt zu Desinformation, Hate Speech, Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus fortzubilden;
  • die demokratische Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften zu stärken.

 

Demokratiebildung braucht gute Bedingungen

Der anhaltende Lehrkräftemangel und die hohe Arbeitsbelastung gefährden den Bildungsauftrag. Wenn Unterricht ausfällt, Klassen vergrößert werden und Lehrkräfte dauerhaft am Limit arbeiten, fehlen Zeit und Kraft für individuelle Förderung, demokratische Auseinandersetzung und den Aufbau verlässlicher Beziehungen.

„Wer die Demokratie stärken will, muss in Schulen investieren“, so die beiden Vorsitzenden. „Dazu gehören eine hochwertige Ausbildung, gute Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung, verlässliche Unterstützung beim Berufseinstieg und eine vorausschauende Personalplanung. Die Professionalität der Lehrkräfte muss anerkannt und ihre Expertise in bildungspolitische Entscheidungen einbezogen werden. Am Weltlehrkräftetag geht es nicht nur um Dank und Anerkennung. Es geht um konkrete politische Entscheidungen. Starke Lehrkräfte und starke Schulen sind eine Investition in die Zukunft unserer Demokratie.“

Die UNESCO/ILO-Empfehlung von 1966 ist daher auch nach 60 Jahren aktuell: Der Schutz des Lehrberufs, seine gesellschaftliche Anerkennung und die Beteiligung der Lehrkräfte sind Voraussetzungen für gute Bildung – und für eine Schule, die Demokratie wirksam schützt.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) vertritt als parteipolitisch unabhängige Bildungsgewerkschaft die Interessen von ca. 164.000 Pädagoginnen und Pädagogen – aus dem frühkindlichen Bereich, der Primarstufe, den Sekundarstufen I und II und dem Bereich der Lehrkräftebildung – in allen Bundesländern. Der VBE ist eine der beiden großen Bildungsgewerkschaften in Deutschland und mitgliederstärkste Fachgewerkschaft im dbb beamtenbund und tarifunion.

PM Verband Bildung und Erziehung (VBE)

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://filstalexpress.de/arbeitsmarkt/213534/bildungsgewerkschaften-zum-weltlehrkraeftetag-demokratie-braucht-starke-schulen-und-starke-lehrkraefte/