ver.di Baden-Württemberg zum Tarifergebnis für den öffentlichen Dienst der Länder, das heute in Potsdam erreicht wurde

Maike Schollenberger, ver.di Landesbezirksleiterin in Baden-Württemberg: „Große Teile der Arbeitgeberlandschaft und der Politik wollen 2026 zu einem Jahr des Sozialabbaus und der Senkung tariflicher Standards machen. Die Tarifrunde im öffentlichen Dienst hatte deshalb wegweisende Bedeutung für dieses Jahr. Gut, dass wir trotz massivem Gegenwind Reallohnsteigerungen und einen Mindestbetrag erreichen konnten und vor allem mit der Einkommensentwicklung bei den Kommunen Schritt halten können. Und an alle, die die Verteilungsfrage gerade von oben stellen, ist die klare Botschaft: nicht mit uns.“

Hanna Binder, stellvertretende ver.di Landesbezirksleiterin: „Dank einer respektablen Streikbewegung konnten wir deutlich mehr als einen Schnaps über der Inflation erreichen. Ohne den Druck aus den Dienststellen hätten wir weiter Stagnation bei der Bezahlung für über zwei Jahre gehabt. Dass wir Leermonate akzeptieren mussten, ist bitter. Wir sind froh, dass wir endlich die Angleichung Ost/West erreicht haben und für die Nachwuchskräfte wichtige Fortschritte erzielen konnten. Alle Themen, die mit der Reform der Entgeltordnung zusammenhängen, bleiben eine wichtige Aufgabe für die Zukunft.“

In Baden-Württemberg gibt es nach Angaben des Statistischen Landesamtes insgesamt gut 110.000 direkt von den Tarifverhandlungen betroffene Angestellte und 194.000 indirekt betroffene Beamt:innen.

Allein bei den sieben Zentren für Psychiatrie arbeiten an neun Standorten rund 10.000 Beschäftigte. Für die Beschäftigten der vier Uniklinika gilt ein eigenständiger Tarifvertrag.

Pressemeldung des ver.di Bundesvorstandes:

Tarifrunde öffentlicher Dienst der Länder: Beschäftigte erhalten 5,8 Prozent mehr Geld, mindestens aber 100 Euro – Werneke: „Mit der Tariflohnentwicklung bei Bund und Kommunen Schritt gehalten, endlich Ost-West-Angleichung durchgesetzt“

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat sich mit den Arbeitgebern auf einen Tarifabschluss für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder geeinigt. Die Vereinbarung umfasst eine Gehaltserhöhung von insgesamt 5,8 Prozent bei einer Laufzeit von 27 Monaten in drei Erhöhungsschritten. Nachwuchskräfte bekommen insgesamt 150 Euro mehr. Zudem werden die Arbeitsbedingungen im Osten den West-Regelungen angeglichen: Dies gilt für die Verbesserung des Kündigungsschutzes sowie für die Absenkung der Arbeitszeit an den drei ostdeutschen Unikliniken in Rostock, Greifswald und Jena. Der Tarifvertrag läuft bis zum 31. Januar 2028.

„Die Verhandlungen mit den Ländern waren schwierig wie lange nicht mehr“, sagte Frank Werneke, ver.di-Vorsitzender und Verhandlungsführer, am Sonnabend in Potsdam: „Am Ende steht ein Ergebnis auf dem Niveau des Tarifvertrages für die Beschäftigen im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen aus dem vorigen Jahr. Damit halten die Länderbeschäftigten Anschluss an das Lohnniveau ihrer Kolleginnen und Kollegen. Das war uns als Gewerkschaften besonders wichtig, das nützt auch den Ländern bei der Personalsuche – und das haben wir nun nach harten Verhandlungen erreicht.“

Der Abschluss gilt unmittelbar für 925.000 Tarifbeschäftigte aller Bundesländer außer Hessen, wo eigene Tarifverhandlungen laufen. Insgesamt sind 2,2 Millionen Beschäftigte der Länder betroffen. Die Vereinbarung sieht im Einzelnen eine erste Gehaltserhöhung von 2,8 Prozent ab dem 1. April 2026 (mindestens 100 Euro), eine weitere Erhöhung um 2,0 Prozent ab dem 1. März 2027 sowie einen dritten Erhöhungsschritt um 1,0 Prozent ab dem 1. Januar 2028 vor. Die Entgelte für Nachwuchskräfte steigen in drei Schritten zu denselben Zeitpunkten um insgesamt 150 Euro.

Vereinbart wurde darüber hinaus die Erhöhung der Zulagen für ständige Wechselschicht- und Schichtarbeit. Die Zulage für Schichtdienste steigt auf monatlich 100 Euro, für das Pflegepersonal in Krankenhäusern ebenfalls auf 100 Euro. Die Wechselschichtzulage steigt auf 200 Euro im Monat, in Krankenhäusern auf 250 Euro. Auch für Teilzeitbeschäftigte im Schicht- oder Wechselschichtdienst konnte erstmals tariflich gesichert werden, dass Zuschläge für Überstunden, sofern nicht zeitlich ausgeglichen, bereits ab der ersten Stunde über der individuellen Arbeitszeit gezahlt werden – und nicht erst ab Erreichen der vollen Wochenarbeitszeit.

Für die rund 300.000 studentischen Beschäftigten an Hochschulen und Universitäten werden die Mindeststundenentgelte erhöht: auf 15,20 Euro ab dem Sommersemester 2026, ein Jahr später dann auf 15,90 Euro. Einen Tarifvertrag für die studentischen Beschäftigten lehnten die Ländervertreter allerdings ab.

Eine Verständigung konnte bei der „Hamburg-Zulage“ erzielt werden. Von ihr profitieren rund 10.000 Beschäftigte bürgernaher Dienstleistungen in der Hansestadt durch höhere Zulagen von bis zu 115 Euro.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft führt die Länder-Tarifrunde als Verhandlungsführerin auch für die DGB-Gewerkschaften GdP, GEW und IG BAU. ver.di startet nun eine Mitgliederbefragung zum Tarifergebnis. Die Bundestarifkommission für den öffentlichen Dienst entscheidet im Anschluss endgültig.

PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://filstalexpress.de/arbeitsmarkt/202615/ver-di-baden-wuerttemberg-zum-tarifergebnis-fuer-den-oeffentlichen-dienst-der-laender-das-heute-in-potsdam-erreicht-wurde/

Schreibe einen Kommentar