ver.di ist alarmiert über die Insolvenzanträge der Karlsruher Kita- und Jugendhilfeträger Pro-Liberis und Lenitas, die am 5. Februar 2026 beim Amtsgericht Karlsruhe gestellt wurden. Betroffen sind nach öffentlichen Angaben rund 600 Beschäftigte sowie über 20 Einrichtungen der Kindertagesbetreuung und Jugendhilfe in Karlsruhe und der Region.
Besonders schwer wiegt aus Sicht von ver.di, dass Beschäftigte für Januar kein Gehalt erhalten haben. Viele Kolleginnen und Kollegen stehen damit vor existenziellen Sorgen – bei gleichzeitig unverändert hoher Verantwortung in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen.
„Die Beschäftigten dürfen nicht die Zeche für Management- und Finanzierungsprobleme zahlen. Erste Priorität ist jetzt: ausstehende Löhne sofort auf den Weg bringen und die Einkommen für die kommenden Monate verlässlich absichern“, so Thorsten Dossow Geschäftsführer ver.di Mittelbaden-Nordschwarzwald.
Für Februar und März wird eine Absicherung über Insolvenzgeld bzw. Vorfinanzierung kommuniziert – das muss schnell, unbürokratisch und transparent umgesetzt werden.
Jakob Becker, ver.di Landesfachbereichsleiter Gesundheit und Soziales: „Wir brauchen jetzt schnelle und verlässliche Lösungen für Karlsruhe. Wir müssen aber auch die strukturellen Probleme zeitnah klären. Die chronisch unterfinanzierten Kommunen werden immer häufiger Leistungen kürzen müssen, die Unterfinanzierung schlägt dann ungebremst auf freie Träger durch. Die zwingende Folge sind immer noch teurere Kita-Plätze auch und gerade bei den privaten Einrichtungen. Und im schlimmsten Fall Insolvenzen, die Kinder, Eltern und Beschäftigte von jetzt auf nachher massiv belasten.“
ver.di fordert von Geschäftsführung, vorläufiger Insolvenzverwaltung und Stadt Karlsruhe einen gemeinsamen Krisenfahrplan mit klaren Zusagen:
1. Sofortige Auszahlung der ausstehenden Entgelte (insbesondere Januar) und verlässliche Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes, damit alle Gehälter wieder pünktlich kommen.
2. Keine Kündigungen, keine Verschlechterungen: Beschäftigungssicherung, Schutz vor Druck zu Vertragsänderungen, keine Absenkung von Standards.
3. Mitbestimmung und Transparenz: Regelmäßige Information der Belegschaften und Einbinden von ver.di in alle wesentlichen Schritte.
4. Qualität der Betreuung sichern: Keine Einsparungen „auf dem Rücken“ von Kindern, Eltern und Teams – Personalschlüssel, Arbeitsschutz und pädagogische Qualität müssen gewährleistet bleiben. Die Einrichtungen müssen offen bleiben.
5. Tragfähige Perspektive: Ein Sanierungskonzept, das nicht auf Dauer-auf Mehrarbeit und Unterfinanzierung basiert. Dazu gehört auch die Klärung, wie die öffentliche Finanzierung und Kostensteigerungen künftig realistisch abgebildet werden.
Karlsruhe und die Region sind auf die Plätze in der Kindertagesbetreuung angewiesen. In der Stadt sind Pro-Liberis und Lenitas Träger von 18 Kitas sowie weiteren Einrichtungen in der Region; insgesamt sind zahlreiche Betreuungsplätze betroffen. ver.di fordert deshalb, dass die Stadt alle Optionen prüft, um Kontinuität zu sichern – bis hin zu Trägerwechseln oder anderen stabilen Lösungen, falls eine Sanierung nicht trägt.
Dossow: „Nach einem ersten Gespräch zwischen Rathausspitze und ver.di ist man sich im Rathaus der Verantwortung bewusst und nimmt diese ernst. Dies begrüßen wir.“
ver.di wird die Beschäftigten arbeits- und tarifrechtlich unterstützen.
Beschäftigte, die betroffen sind, können sich an ver.di wenden (Beratung zu Entgeltansprüchen, Insolvenzgeld, arbeitsrechtlichem Vorgehen, Mitgliederschutz).
PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg