Wertschätzung statt Blockade

Nach einer ergebnislosen zweiten Runde in den Einkommensverhandlungen der Länder (TV-L) spitzt sich der Tarifkonflikt weiter zu. Kritik kommt insbesondere an der Haltung der TdL (Tarifgemeinschaft deutscher Länder), die laut Gewerkschaften faktisch einen Abschluss auf Inflationsniveau ohne Entgelterhöhungen im Jahr 2025 bei einer Laufzeit von 29 Monaten anstrebt. Ein solches Ergebnis würde deutlich hinter dem TVöD-Abschluss zurückbleiben und wurde von den Gewerkschaften als „absolut inakzeptabel“ zurückgewiesen.

Mit Blick auf die dritte Verhandlungsrunde vom 11. bis 13. Februar 2026 in Potsdam sieht der Verband Bildung und Erziehung (VBE) die Arbeitgebenden in einer besonderen Verantwortung.

Rita Mölders, stellvertretende Bundesvorsitzende für den Bereich Tarifpolitik des Verbandes Bildung und Erziehung, stellt klar: „Die wiederholte Bezeichnung der Gewerkschaftsforderungen als ‚astronomisch‘ weist der VBE entschieden zurück. Wer so argumentiert, blendet die Realität in Schulen und Kitas aus. Faire Einkommen sind keine Kostenfaktoren, sondern Investitionen in Bildung und somit die Zukunft unseres Landes. Viele Entgeltregelungen stammen aus einer Zeit, die mit der heutigen Schulrealität kaum noch vergleichbar ist. Tätigkeiten und Verantwortung sind massiv gewachsen, ohne dass sich dies angemessen in der Eingruppierung widerspiegelt. Der VBE fordert daher eine moderne Entgeltordnung, die den Anforderungen einer zeitgemäßen Schule gerecht wird. Eine blockierende Haltung der Arbeitgebenden sendet zudem ein fatales Signal an den Nachwuchs. Ohne bessere Arbeitsbedingungen und eine spürbare Einkommensentwicklung wird es nicht gelingen, junge Menschen für pädagogische Berufe zu gewinnen.“

Vielerorts tragen die Beschäftigten ihren Unmut auf die Straße. So haben die Gewerkschaften beispielsweise in Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und im Saarland am heutigen Dienstag zu Warnstreiks aufgerufen.

Tomi Neckov, Bundesvorsitzender des VBE, ergänzt: „Ziel ist es, unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen und ein deutliches Signal für Respekt, Anerkennung und echte Wertschätzung der Beschäftigten zu setzen. Ein handlungsfähiger Staat beginnt mit fairen Arbeitsbedingungen – besonders in der Bildung. Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte, sozial- und sonderpädagogisches Personal arbeiten seit Jahren unter wachsendem Druck: Unterrichtsausfall, hohe Krankenstände, zunehmende Anforderungen durch Inklusion, Sprachförderung und psychosoziale Betreuung – bei gleichzeitigem Personalmangel. Dort wo es möglich ist, freuen wir uns, wenn die verbeamteten Kolleginnen die Aktionen tatkräftig unterstützen.“

Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes der Länder fordern in der laufenden Einkommensrunde von der TdL eine Erhöhung der Tabellenentgelte der Beschäftigten um 7 Prozent, mindestens aber 300 Euro monatlich, bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Auszubildende, Studierende, Praktikantinnen und Praktikanten sollen monatlich 200 Euro mehr bekommen. Von den Verhandlungen sind etwa 3,5 Millionen Beschäftigte betroffen: Direkt ca. 1,1 Millionen Tarifbeschäftigte der Bundesländer (außer Hessen), indirekt ca. 1,4 Millionen Beamtinnen und Beamte der entsprechenden Länder und Kommunen sowie rund eine Million Versorgungsempfängerinnen und Versorgungsempfänger.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) vertritt als parteipolitisch unabhängige Bildungsgewerkschaft die Interessen von ca. 164.000 Pädagoginnen und Pädagogen – aus dem frühkindlichen Bereich, der Primarstufe, den Sekundarstufen I und II und dem Bereich der Lehrkräftebildung – in allen Bundesländern. Der VBE ist eine der beiden großen Bildungsgewerkschaften in Deutschland und mitgliederstärkste Fachgewerkschaft im dbb beamtenbund und tarifunion.

PM Verband Bildung und Erziehung (VBE)

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