ver.di Baden-Württemberg ruft am Montag zu einem landesweiten Warnstreik in den Zentren für Psychiatrie in der Tarifrunde im öffentlichen Dienst der Länder auf. Die Warnstreiks finden im Rahmen bundesweiter Arbeitsniederlegungen im Gesundheitswesen statt. Betroffen sind am Montag die Zentren Calw, Zwiefalten, Weinsberg, Emmendingen, Winnenden, Bad Schussenried, Reichenau und Weissenau. Es wird in den Zentren zu teilweise erheblichen Einschränkungen im Tagesablauf kommen. Über Notdienstvereinbarungen wird die sichere Versorgung der Patient:innen gewährleistet. Vor Ort finden Aktionen und Kundgebungen statt. Außerdem wird beim ASB in Heilbronn am Montag und Dienstag die Arbeit niedergelegt.
Jakob Becker, ver.di Landesfachbereichsleiter Gesundheit und Soziales: „Die Beschäftigten in den Zentren spüren die Folgen der Krisenjahre täglich bei der Arbeit. Sie sind seit Corona konfrontiert mit einer erheblichen Zunahme psychischer Erkrankungen, mit immer mehr Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Betreuungsbedarf, und immer öfter mit Jugendlichen und Kindern. Ihre Arbeit ist physisch und emotional extrem belastend. Ihre Reallöhne sind dagegen immer noch unter dem Niveau von 2019.“
In der Tarif- und Besoldungsrunde für den öffentlichen Dienst der Länder fordert ver.di sieben Prozent mehr Gehalt im Monat – mindestens aber 300 Euro zusätzlich, um die unteren Lohngruppen zu stärken. Für Nachwuchskräfte sollen die Vergütungen um 200 Euro pro Monat steigen, zudem wird ihre unbefristete Übernahme nach erfolgreicher Ausbildung gefordert. Darüber hinaus sollen alle Zeitzuschläge um 20 Prozentpunkte steigen. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags (TV-L) soll zwölf Monate betragen.
ver.di führt die Länder-Tarifrunde als Verhandlungsführerin auch für die DGB-Gewerkschaften GdP, GEW und IG BAU. Die Verhandlungen mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) für rund 925.000 Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst der Länder (außer Hessen) haben am 3. Dezember 2025 in Berlin begonnen. Weitere Verhandlungsrunden waren am 15./16. Januar und sind am 11./12. Februar in Potsdam. ver.di fordert zudem die zeit- und wirkungsgleiche Übertragung des Tarifergebnisses auf die rund 1,3 Millionen Beamtinnen und Beamten sowie auf die knapp eine Million Versorgungsempfänger:innen.
In Baden-Württemberg gibt es nach Angaben des Statistischen Landesamtes insgesamt gut 110.000 direkt von den Tarifverhandlungen betroffene Angestellte und 194.000 indirekt betroffene Beamt:innen.
Allein bei den sieben Zentren für Psychiatrie arbeiten an neun Standorten rund 10.000 Beschäftigte. Für die Beschäftigten der vier Uniklinika gilt ein eigenständiger Tarifvertrag.
PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg