Nächste Woche weitere Warnstreiks im öffentlichen Dienst

Weil auch in der zweiten Verhandlungsrunde im öffentlichen Dienst der Länder kein Angebot vorgelegt wurde, setzt ver.di Baden-Württemberg die Warnstreiks in der nächsten Woche fort. In der Region Stuttgart sind am Dienstag alle Einrichtungen des Landes aufgerufen, am Mittwoch wird außerdem im Zentrum für Psychiatrie in Calw gestreikt. ver.di Baden-Württemberg kündigt eine deutliche Ausweitung der Warnstreiks bis zur dritten Verhandlungsrunde Mitte Februar an.

Hanna Binder, stellvertretende ver.di Landesbezirksleiterin sagte nach den Verhandlungen in Potsdam: „Die Arbeitgeber sind offensichtlich angetreten, den öffentlichen Dienst der Länder bei der Bezahlung dauerhaft von den Kommunen zu entkoppeln. Damit würden wir Einkommensunterschiede von teilweise mehreren hundert Euro im Monat zementieren. Obwohl die Länder finanziell deutlich besser dastehen als die Kommunen forcieren sie so einen weiteren Weggang der Fachkräfte.“

In der wichtigen mittleren Entgeltgruppe 9a würde der Unterschied zwischen Land und Kommunen bei den heute vorgestellten Überlegungen der Arbeitgeber immer noch über 400 Euro im Monat betragen.

Maggie Pahl, Mitglied in der Bundestarifkommission und als Veranstaltungstechnikerin an der Universität Tübingen in dieser EG eingruppiert: „Unsere Reallöhne sind unter dem Niveau von 2019. Uns fällt es immer schwerer, zu bleiben, wenn wir zwei Straßen weiter deutlich mehr verdienen könnten und gleichzeitig kürzer arbeiten müssten.“

Regionaler Warnstreiktag am Dienstag in Stuttgart:
Aufgerufen sind alle Landeseinrichtungen: Dazu gehören neben den Universitäten und Hochschulen die Studierendenwerke, die Wilhelma, die Staatsgalerie, das Statistische Landesamt, das Staatstheater, das Landesamt für Besoldung, BitBW, die Ministerien und der Landtag, das Zentrum für Psychiatrie in Winnenden und andere Dienststellen.
Streikablauf: Streikgelderfassung im DGB-Haus zwischen 9:00 und 10:00 Uhr, Streikversammlung im großen Saal ab 10:00 Uhr (Interviews mit Streikenden aus unterschiedlichen Bereichen). Demo vom Gewerkschaftshaus zu der Planie vor dem Finanzministerium (parallel zum Café Künstlerbau), Abschlusskundgebung 11:15Uhr unter anderem mit der ver.di Landesbezirksleiterin Maike Schollenberger.
Kontakt: Sidar Carman 0175 1913511.

Warnstreik am Mittwoch in Calw:
Ganztägiger Warnstreik Zentrum für Psychiatrie Calw, Tagesklinik voraussichtlich geschlossen, Notdienst gewährleistet.
Streikversammlung am 21.1 um 10 Uhr direkt vor dem Haupteingang.
Kontakt: Gregor Breuninger 01515 4059995.

In der Tarif- und Besoldungsrunde für den öffentlichen Dienst der Länder fordert ver.di sieben Prozent mehr Gehalt im Monat – mindestens aber 300 Euro zusätzlich, um die unteren Lohngruppen zu stärken. Für Nachwuchskräfte sollen die Vergütungen um 200 Euro pro Monat steigen, zudem wird ihre unbefristete Übernahme nach erfolgreicher Ausbildung gefordert. Darüber hinaus sollen alle Zeitzuschläge um 20 Prozentpunkte steigen. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags (TV-L) soll zwölf Monate betragen.

ver.di führt die Länder-Tarifrunde als Verhandlungsführerin auch für die DGB-Gewerkschaften GdP, GEW und IG BAU. Die Verhandlungen mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) für rund 925.000 Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst der Länder (außer Hessen) haben am 3. Dezember 2025 in Berlin begonnen. Weitere Verhandlungsrunden waren am 15./16. Januar und sind am 11./12. Februar in Potsdam. ver.di fordert zudem die zeit- und wirkungsgleiche Übertragung des Tarifergebnisses auf die rund 1,3 Millionen Beamtinnen und Beamten sowie auf die knapp eine Million Versorgungsempfänger:innen.

In Baden-Württemberg gibt es nach Angaben des Statistischen Landesamtes insgesamt gut 110.000 direkt von den Tarifverhandlungen betroffene Angestellte und 194.000 indirekt betroffene Beamt:innen.

Allein bei den sieben Zentren für Psychiatrie arbeiten an neun Standorten rund 10.000 Beschäftigte. Für die Beschäftigten der vier Uniklinika gilt ein eigenständiger Tarifvertrag.

Pressemeldung des ver.di Bundesvorstandes:

Tarifrunde öffentlicher Dienst: Tarifgemeinschaft der Länder ohne Angebot – Werneke: „Arbeitgeber haben Ernst der Lage für Beschäftigte nicht erkannt“

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) ist vom Verlauf der Ländertarifverhandlungen bislang enttäuscht. „Ein verbindliches Angebot hat die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) nicht vorgelegt, stattdessen von einem ‚Schnaps oberhalb der Inflation‘ geredet. Von so einem Verhalten sind die Beschäftigten jedoch zurecht enttäuscht“, sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke am Freitag (16. Januar 2026) in Potsdam.

Bislang zeichne sich in den zentralen Punkten keine Einigung ab. „Neben den Nullmonaten sollen die Beschäftigten eine Laufzeit von 29 Monaten hinnehmen. Die Tdl strebt offenbar einen Abschluss an, der niedriger ist als das Ergebnis für Bund und Kommunen. Aus den großen Ankündigungen zu Verbesserungen für Nachwuchskräfte ist ein kleines Päckchen für die Auszubildenden geworden, ohne Verbesserungen bei der Übernahme. Auch die Schaffung von Tarifschutz für die studentisch Beschäftigten lehnen die Arbeitgeber kategorisch ab“, stellte Werneke klar. „Der Verhandlungsstand ist ungenügend. Die Arbeitgeber haben den Ernst der Lage für viele Beschäftigte nicht erkannt.“

Zuvor hatten ver.di und die Tarifgemeinschaft der Länder in der zweiten Runde am Donnerstag und Freitag versucht, eine Lösung im Tarifkonflikt zu finden. Die dritte Runde der Tarifverhandlungen findet ab dem 11. Februar 2026 erneut in Potsdam statt.

PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg

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