Sonntagsgedanken: Gott hat ein neues Lied in meinen Mund gegeben

Man will sich die Ohren zuhalten: Schon wieder das alte Lied: Betrug in Panama, Betrug bei den AKW-Kontrollen, Betrug durch russische Pflegedienste. Jeden Tag eine neue Strophe: Wer kann, füllt sich auf Kosten der Allgemeinheit die Taschen. Es zählt nur das eigene Ich. – Ich will es hier nicht weiter anstimmen; das alte Lied hängt mir zum Hals raus. Es nimmt mir die Luft zum Atmen. Es legt sich wie ein grauer Filz über unser Zusammenleben. Untergräbt das Vertrauen, das wir wie Luft zum Leben brauchen. Ein beständiger Missklang, der auf die Ohren geht und auf das Herz.

Aus Psalm 40 ein Bibelwort für die neue Woche. „Gott hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben, zu loben unseren Gott. Die Ohren hast du mir aufgetan. Siehe, ich will mir meinen Mund nicht stopfen lassen; HERR, das weißt du. Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht in meinem Herzen; von deiner Wahrheit und von deinem Heil rede ich.“

– Also dass das alte Lied nicht das einzige Lied ist. – Wenn die Betrüger sagen: „Das war schon immer so!“ und wenn die Raffgierigen tönen: „Alle anderen machen das auch so!“ und wenn wir in uns selbst denken: „Warum soll ich als Einziger nicht schummeln bei der Steuererklärung?“, dann widerspricht uns Gott und sagt: „Genug vom alten Lied. Du sing mit mir mein neues Lied.“

„Gott hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben.“ – Wir Christen sollen nicht vom alten uns betören lassen, sondern Gottes neues Lied singen. Und ist das neue Lied nicht viel schöner und viel lebendiger? Ist es nicht viel verheißungsvoller, Gottes Gerechtigkeit zu loben und für sie zu leben?

„Gott,“ – wie Jesus in der Bergpredigt schreibt (Matthäus 5,43-48) – „Gott lässt seine Sonne aufgehen über Gerechte und Ungerechte.“ Und gerade jetzt lässt er die Bäume grünen und die Büsche neu erblühen für Egoisten und für Beherzte, für Raffgierige und für Großzügige. Wie schön dieser Frühling ist!

„Gott hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben.“ Die Bibel ist ein altes Buch voller neuer Lieder. Ein für mich besonders schönes neues Lied ist Psalm 36: „Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschen unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht finden. Herr, du hilfst Menschen und Tieren. Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom. Denn bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Lichte sehen wir das Licht.“ –  Wo wir Angst haben, zu kurz zu kommen, singt die Bibel von der Fülle Gottes, die für alle genügt. Wo wir uns einmauern und verhärten, singt die Bibel von der überfließenden Quelle, vom Satt-werden aller und vom ewigen und wahren Licht.

Der vierte Sonntag nach Ostern hat den Namen „Kantate“ – auf Deutsch: „Singt!“ – Ostern ist die Behauptung, dass nicht die alten Leier, sondern Gottes neues Lied für unser Leben belebend und leitend und verheißungsvoll ist. Neu ist ein Lied nicht, weil es gerade erst gedichtet und vertont wurde. Neu ist ein Lied, wenn es von Gottes Kraft, Neues zu schaffen singt. Neu ist es, wenn es der eingeschliffenen Raffgier und unserem Kleinmut widerspricht. Neu ist ein Lied, wenn es Hoffnung weckt, dass Gott neues Leben schafft – für uns, für unsere Kinder, für den ganzen Erdkreis. Neu ist, was uns heute ermutigt, auf die Gerechtigkeit Gottes und die Grundrechte der Menschen zu pochen.

– Und wir sollen Gottes neues Lied hören und mitsingen – im Kirchen-Gottesdienst und im Alltags-Gottesdienst. „Gott hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben, zu loben unseren Gott. Die Ohren hast du mir aufgetan. Siehe, ich will mir meinen Mund nicht stopfen lassen. Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht in meinem Herzen; von deiner Wahrheit und von deinem Heil rede ich.“

Ihr Pfarrer Frieder Dehlinger

Evang. Christuskirchengemeinde Eislingen-Ottenbach

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