Anlässlich der öffentlichen Anhörung im Deutschen Bundestag zur Wohngeld-Reform am Mittwoch (4. November 2026) fordert die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die Bundesregierung auf, die geplanten Kürzungen ersatzlos zurückzunehmen und auf das Gesetz zu verzichten: „Die Mieten steigen und steigen, bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper, den Wohnungsneubau bekommt die Regierung nicht in Schwung und gleichzeitig soll das Wohngeld gestrichen werden – das ist eine toxische Mischung für Niedrigverdiener, Alleinerziehende, Rentnerinnen und Rentner und gefährdet ernsthaft den sozialen Frieden im Land. Nicht Wohngeld ist das Problem, sondern zu hohe Mieten sind es“, sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke am Dienstag in Berlin.
Die Bundesregierung plant, das Wohngeld im kommenden Jahr um 45 Prozent zu kürzen, womit die Ausgaben von Bund und Ländern von 4,7 Mrd. Euro jährlich auf 2,6 Mrd. Euro sinken sollen. Jeder dritte Wohngeldbezieher hätte dann keinen Anspruch mehr, dabei wären mindestens 380.000 Haushalte von den Kürzungen betroffen.
„Statt Reiche und Superreiche endlich im angemessenen Umfang zur Finanzierung unseres Gemeinwesens heranzuziehen, wird der Bundeshaushalt auf dem Rücken der wirtschaftlich Schwächeren zusammengestrichen – das muss endlich ein Ende haben“, betonte Werneke. Für viele Haushalte sei das Wohngeld entscheidend, um ihre Wohnung zu halten. Wenn diese Leistung gestrichen werde, drohten Betroffene in Armut zu fallen oder im schlimmsten Falle sogar obdachlos zu werden. „Die Kürzungen verschärfen die Notlage am Wohnungsmarkt“, warnte der ver.di-Chef.
Gleichzeitig würden viele Menschen durch die Kürzungen in die Grundsicherung gedrängt. Damit werde das Problem letztlich nur verlagert. Werneke: „Was der Bund einspart, müssen anschließend die Kommunen bezahlen, die ohnehin finanziell völlig ausgeblutet sind. Das ist unverantwortliche Finanzpolitik nach dem Prinzip, ‚den Letzten beißen die Hunde.‘“
Wohngeld sei nötig, weil der Markt versagt habe und nicht ausreichend bezahlbaren Wohnraum bereitstelle. „Wohngeldkürzungen senken keine Mieten und schaffen keine einzige zusätzliche Wohnung. Die eigentliche Antwort auf die Wohnkostenkrise lautet: Mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen, Mieten wirksam begrenzen und Mietwucher bekämpfen“, erklärte Werneke.