Er begann mit einer Musikbox und endete als Chef eines Konzerns mit Zehntausenden Beschäftigten. Paul Gauselmann, Gründer der Merkur-Gruppe, ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Für viele Familienunternehmer im Land ist seine Geschichte mehr als eine Branchenmeldung. Sie zeigt, wie weit ein Betrieb kommen kann, der in Ostwestfalen anfängt und dort verwurzelt bleibt.
Vom Musikautomaten zum Konzern
Die Eckdaten sind schnell erzählt. 1957 stieg Gauselmann in das Geschäft mit Musikboxen ein, 1974 eröffnete er seine erste Spielothek, 1977 kam der Geldspielautomat Merkur B auf den Markt. Aus dem kleinen Aufstellbetrieb wurde über Jahrzehnte Deutschlands größter Spielkonzern.
Aufschlussreich ist die Abfolge dieser drei Schritte. Die Musikbox war ein Geschäft des Aufstellens: Ein Automat kommt in eine Gaststätte, der Wirt und der Aufsteller teilen sich die Einnahmen. Mit der eigenen Spielothek kam der Betrieb eines Ortes hinzu, mit dem Merkur B schließlich die Herstellung des Geräts selbst. Aus dem Händler, der fremde Technik in Lokale stellte, wurde so ein Unternehmen, das Entwicklung, Fertigung und Betrieb unter einem Dach vereinte. Diese Verbindung von Produktion und Vertrieb erklärt, warum die Gruppe über Jahrzehnte wachsen konnte, ohne von einzelnen Zulieferern oder Abnehmern abhängig zu werden.
Bemerkenswert ist dabei der Standort. Das Unternehmen blieb im Kreis Minden-Lübbecke zuhause, in Espelkamp und Lübbecke. Dort ist die Gruppe bis heute ein großer Arbeitgeber, und Gauselmann wurde zum Ehrenbürger beider Städte. Auch das Bundesverdienstkreuz erhielt er, nicht zuletzt für seine Verbandsarbeit.
Wer im Filstal mit Handwerksbetrieben, Zulieferern und Maschinenbauern zu tun hat, kennt dieses Muster. Der Firmensitz bleibt, wo er immer war, und der Gründer bleibt über Jahrzehnte im Betrieb präsent. Gauselmann zog sich erst 2024 aus der Führung zurück, mit Ende achtzig. Das hat Vorteile, denn Erfahrung und Kontakte gehen nicht verloren. Es hat aber auch einen Preis: Je länger ein Gründer das Steuer hält, desto mehr hängt das Unternehmen an seiner Person, und desto sorgfältiger muss der Übergang vorbereitet sein.
Familienstiftung statt Verkauf
Was mit einem Konzern nach dem Tod des Gründers geschieht, ist die eigentliche Mittelstandsfrage. Viele Betriebe werden verkauft, zerlegt oder an Investoren gereicht. Die Merkur-Gruppe gehört dagegen einer Familienstiftung, und die Berichte zum Todesfall halten diese Konstruktion als Kern der Nachfolgeregelung fest.
Geführt wird das Unternehmen heute von Lars Felderhoff und Michael Gauselmann, dem Sohn des Gründers. Die Aufteilung ist ungewöhnlich: Mit Felderhoff steht ein Manager an der Spitze, der nicht zur Familie gehört, neben einem Familienmitglied. Beides zusammen soll Kontinuität und professionelle Führung verbinden.
Für Unternehmerfamilien im Kreis Göppingen ist das ein Lehrstück. Die Frage, wer übernimmt, beschäftigt hier viele Betriebe. Die Stiftung schützt das Vermögen vor Erbteilung und Verkauf. Sie macht aber auch klar, dass die nächste Generation nicht automatisch die Zügel hält, sondern dass Eignung vor Abstammung geht.
Wie Gauselmann seinen Wohlstand einsetzte, zeigt die soziale Arbeit der Stiftung in der Heimatregion. Sie unterstützte Kindergärten, finanzierte Feuerwehrfahrzeuge und half bei der Anschaffung medizinischer Geräte. Das ist der Teil der Geschichte, den Kommunen ebenso gut kennen wie Firmenlenker.
Die Marke im Alltag: Spielhalle, Gaststätte, Browser
Der Name Merkur ist vielen Menschen aus Gaststätten und Spielhallen vertraut. Wer in den vergangenen Jahrzehnten eine Dorfkneipe betreten hat, fand dort häufig einen Automaten mit dem Schriftzug. Auch das Buch zu den Gaststätten in Eislingen erinnert daran, wie sehr solche Lokale früher zum Ortsbild gehörten.
Später wanderte das Geschäft ins Netz. Die bekannten Spielreihen gibt es heute auch als Browser- und Online-Versionen, die man ohne Gang in die Gaststätte spielen kann. Wer diese Slots am Bildschirm sucht, findet bei https://browsergames.fm/merkur-spiele/ eine deutschsprachige Übersicht zu Merkur-Spielen für Spielerinnen und Spieler in Deutschland. Die Marke ist damit vom Automaten in der Ecke der Gaststätte auf den Bildschirm gezogen, ohne ihren Namen zu verlieren.
An dieser Stelle lohnt der Blick zurück auf den Kern der Biografie. Ein Unternehmen, das sich über Jahrzehnte wandelt, ohne den Firmensitz zu wechseln, hat eine Fähigkeit, die sich nicht kaufen lässt: Es erkennt Veränderungen rechtzeitig. Gauselmann setzte früh auf neue Technik, von der Münzmechanik über die Elektronik bis zum digitalen Spiel.
Was der Mittelstand daraus mitnehmen kann
Drei Dinge lassen sich aus dieser Biografie ziehen, auch für Betriebe, die mit Spielautomaten nichts zu tun haben.
Erstens die Standorttreue. Gauselmann blieb in Ostwestfalen, obwohl der Konzern längst international tätig war. Die Verwurzelung half bei der Gewinnung von Fachkräften und bei der Akzeptanz in der Region.
Zweitens die Stiftungslösung. Sie ist nicht für jeden Betrieb geeignet, schützt aber vor dem häufigsten Nachfolgefehler, nämlich der Zerschlagung durch Erbstreit. Wer ernsthaft darüber nachdenkt, sollte frühzeitig mit Steuerberatern und Juristen sprechen.
Drittens die Trennung von Eigentum und Führung. Dass mit Lars Felderhoff ein familienfremder Manager die Geschäfte leitet, zeigt, dass Vertrauen in Kompetenz kein Verrat an der Familientradition ist.
Gauselmanns Lebenswerk bleibt umstritten, denn das Geschäft mit dem Glücksspiel wurde immer wieder kritisch diskutiert. Als Unternehmerbiografie ist es dennoch ein Beispiel dafür, wie viel ein Betrieb aus der Provinz erreichen kann, wenn Gründer, Familie und Management über Jahrzehnte an einem Strang ziehen.
Ein Rückzug mit langem Vorlauf
Der Abschied aus der Führung kam nicht über Nacht. Gauselmann zog sich 2024 zurück, nachdem er das Unternehmen Jahrzehnte geprägt hatte. Die Übergabe war vorbereitet, die Stiftung stand, die Nachfolger waren eingearbeitet. Dass der Konzern nach dem Tod des Gründers ohne Erschütterung weiterläuft, ist das Ergebnis dieser Vorbereitung.
Für den Mittelstand im Filstal bleibt davon vor allem ein Gedanke: Die Nachfolge ist keine Frage des Todesfalls, sondern der Planung. Wer sie spät angeht, überlässt sie dem Zufall.
PM