Bericht zum 8. Wettbewerb für gottesdienstliches Orgelspiel des Verbandes Evangelische Kirchenmusik in Württemberg e.V.

Von Freitag, 18. bis Sonntag, 20. September war die evangelische Stadtkirche Geislingen an der Steige Veranstaltungsort des Wettbewerbs für gottesdienstliches Orgelspiel. Der Wettbewerb wurde zum achten Mal vom Verband Evangelische Kirchenmusik in Württemberg e.V. ausgerichtet und stand unter der Schirmherrschaft des Landesbischofs Ernst-Wilhelm Gohl.

Am Wettbewerb, an dem ausschließlich nebenberufliche Organistinnen und Organisten aus dem Bereich der württembergischen Landeskirche teilnahmeberechtigt waren, nahmen 21 Kandidatinnen und Kandidaten teil. Die Altersspanne reichte von 12 bis 68 Jahren, auch das Spektrum der Berufe war vielfältig: unter den Kandidaten gab es neben acht Schülerinnen und Schülern drei Studierende, eine Teilnehmerin des freiwilligen sozialen Jahres, zwei Ärztinnen, eine Chemikerin, eine Fremdsprachensekretärin, eine Gymnasiallehrerin, einen Kaufmann, einen Mediendesigner sowie einen Rentner. Dabei ist bemerkenswert, dass die Hälfte der Mitwirkenden unter 20 Jahre alt war und der Altersdurchschnitt aller Teilnehmer bei gerade mal 32 Jahren lag.

Um dem unterschiedlichen Können Rechnung zu tragen, gab es drei Bewertungskategorien, wobei die mittlere Kategorie ungefähr dem C-Prüfungsniveau entsprach, die erste etwas darunter, die dritte deutlich höher. Von Beginn an konnte die Jury über das enorm hohe Niveau der Wettbewerbsteilnehmer nur staunen. Schon in der Kategorie I erklangen Werke wie Carl Philipp Emanuel Bachs Allegro aus der Orgelsonate D-Dur sowie die Toccata-Sortie von Auguste Larriu. In der 2. Kategorie folgten zahlreiche Werke von Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy, „Le jardin suspendu“ von Jehan Alain sowie die Cortège et Litanie von Marcel Dupré. In der 3. Kategorie schließlich konnte man anspruchsvollste Orgelkonzertliteratur von Bach über Mendelssohn Bartholdy und Max Reger bis Olivier Messiaen und Sigfrid Karg-Elert hören.

Zum gottesdienstlichen Orgelspiel gehört selbstverständlich auch das sogenannte Liturgische Orgelspiel, welches das Intonieren und Begleiten der Lieder beinhaltet. Dieses wurde gleichgewichtig zum Literaturspiel bewertet. Die Kandidaten präsentierten Intonationen, Choralvorspiele und Begleitsätze, die sie zum Teil ad hoc erfinden mussten. Dabei achtete die Jury sowohl auf die Qualität des Spiels, als auch auf Tempo, Registrierung und sinnvolle Zäsuren. Auch in diesem Bereich war das technische und musikalische Können der Teilnehmenden erstaunlich hoch.

In der Jury saßen die freiberuflich tätigen Diplom-Kirchenmusikerinnen Annegret Doll-Heiter (Metzingen) und Silvia Schmid (Geislingen), die 2. Organistin an der Stiftskirche Stuttgart Clara Hahn, der Bezirkskantor KMD Thomas Rapp (Geislingen) und der nebenberufliche Organist Matthias Hinderer (Altensteig). Die Detailplanung und den Juryvorsitz hatte Bezirkskantor KMD Stefan Lust (Münsingen).

Im Übrigen konnte nicht nur die Jury die Beiträge genießen: erfreulich war, dass sich neben den Freunden und Familien der Kandidaten weitere Zuhörer in der Stadtkirche einfanden, um die Wettbewerbsbeiträge mitzuverfolgen. Nach zwei Tagen intensiven Musizierens und Zuhörens stand das Ergebnis fest: die Jury vergab an die 21 Teilnehmer/-innen insgesamt 14 Preise! Dies war eine direkte Folge des sehr hohen Niveaus beim Wettbewerb.

Die Teilnehmenden erhielten einen Notengutschein des Strube-Verlags München beziehungsweise des Carus-Verlags Stuttgart. Außerdem wurden Gutscheine für einen Seminartag des Verbandes zum Thema Orgel überreicht. Alle Preisträger bekommen im nächsten Jahr die Möglichkeit, innerhalb renommierter Orgelkonzertreihen zu konzertieren. Außerdem wurde den Preisträgern ein Gutschein im Wert zwischen 200 und 350 € überreicht, den diese für eine Fortbildungsveranstaltung oder eine Reise beim Verband einlösen können. Michael Grüber von OrganPromotion (Horb) hat zusammen mit dem Verband den Hauptpreis gestiftet: eine 4-tägige Orgelreise nach Paris im Wert von 800 €, die in diesem Jahr aufgrund herausragender Leistungen gleich zweimal vergeben wurde.

Das Preisträgerkonzert mit Preisverleihung fand am Sonntagabend in der Stadtkirche Geislingen an der Steige statt. Einprägsam war die Szene, als alle Wettbewerbsteilnehmer zur Preisverleihung vor dem Altar Aufstellung genommen hatten. Die zahlreichen Besucher in der gut besetzten Kirche feierten die Teilnehmenden mit langanhaltendem Beifall. Landeskirchenmusikdirektor Matthias Hanke, der einen Gruß des Landesbischofs übermittelte, betonte in seiner Ansprache den hohen Stellenwert des Orgelspiels für Gottesdienst und Kirche. Er dankte den anwesenden Musikerinnen und Musikern für ihren Dienst und erinnerte zugleich an alle neben- und hauptamtlichen Organistinnen und Organisten, die Sonntag für Sonntag die Gottesdienste der Gemeinden mitverantwortlich gestalten. Seinen Dank richtete er auch an die Verantwortlichen, die sich in der Aus- und Fortbildung der nebenamtlichen Kirchenmusiker engagieren.

Zusammen mit Annegret Doll-Heiter und KMD Attila Kálmán, dem Stellvertreter des Vorsitzenden der Bereiche „Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker“ und „Orgel“ im Verband Ev. Kirchenmusik in Württemberg e.V. überreichte Matthias Hanke allen Mitwirkenden die Teilnahmeurkunden, die zahlreichen Gutscheine sowie das Fortbildungsprogramm des Verbandes.

Die Teilnehmer und Preisträger des 8. Wettbewerbs für gottesdienstliches Orgelspiel sind:

Kategorie I: Yudi Zheng, Marbach am Neckar (1. Preis, Gutschein über 200 €, Notengutschein Strube); Colin Aigner, Geislingen (3. Preis, 100 €, Notengutschein Strube), Andrea Frank, Blaubeuren (3. Preis, 100 €, Notengutschein Strube), Ronja Massa, Rechberghausen (Gutschein Tagesseminar, Notengutschein Strube), Ulrike von Hören, Göppingen (Gutschein Tagesseminar, Notengutschein Strube), Dr. Ulrike Gaiser, Mühlacker (Gutschein Tagesseminar, Notengutschein Strube).

Kategorie II: Mykolai Alieksieiev, Aalen (1. Preis, Gutschein über 300 €, Notengutschein Carus), Benedikt Großmann, Illingen (2. Preis, 250 €, Notengutschein Carus), Amelie Grünler, Ammerbuch (2. Preis, 250 €, Notengutschein Carus), Jan Schmöller, Schwäbisch Gmünd (3. Preis, 200 €), Ann Marie Dennehy, Tübingen (3. Preis, 200 €), Elias Lange, Rutesheim (3. Preis, 200 €), Maren Mutzhaus, Böhmenkirch (3. Preis, 200 €), Nora Nägele, Ditzingen (Gutschein Tagesseminar, Notengutschein Strube), Ulrich Keller, Cleebronn (Gutschein Tagesseminar, Notengutschein Strube).

Kategorie III: Stefan Gering, Erdmannhausen (1. Preis und Parisreise), Carolin Dörfer, Ditzingen (1. Preis und Parisreise), Richard Beck, Schwieberdingen (2. Preis, Gutschein über 350 €), Sonja Fick, Göggingen (3. Preis, 250 €), Christian Liebaug, Gärtringen (Gutschein Tagesseminar, Notengutschein Strube), Lea Mezger, Ulm (Gutschein Tagesseminar, Notengutschein Strube).

Der Orgelwettbewerb hat das hervorragende Niveau der Orgelspielenden in der württembergischen Landeskirche aufgezeigt. 21 Organistinnen und Organisten haben großen Mut bewiesen, sich einer Jury zu stellen, haben durch die intensive Vorbereitung und die Teilnahme am Wettbewerb ihre persönlichen musikalischen Möglichkeiten ausgeschöpft und erweitert. Man kann sich schon jetzt auf den nächsten Wettbewerb in drei Jahren freuen.

Foto von Viola Kienle

PM Matthias Hinderer

 

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