In vielen Gärten sehen abgeblühte Stauden, Blumen und Kräuter jetzt im Herbst nicht mehr besonders attraktiv aus. Auch Hecken sind oft aus der Form gewachsen. Höchste Zeit, für Ordnung zu sorgen? NABU-Gartenexpertin Aniela Arnold rät von radikalen Maßnahmen ab. Denn ein Garten ist im besten Fall auch Lebensraum für Tiere. Sie erklärt, warum verblühte Pflanzen wichtig sind: „Weniger Tatendrang hilft vielen Tieren, ein Versteck für ungemütliche und kältere Tage zu finden. Damit etwa Igel, Fledermäuse, Vögel und Insekten ein sicheres, warmes und trockenes Plätzchen im Winter haben, sollten Gärtnerinnen und Gärtner jetzt nicht radikal aufräumen.“
Tipp 1: Fallobst und wilde Ecken helfen vielen Tieren im Garten
Eine wilde Gartenecken ist eine Einladung an kleinere Wildtiere, sich dort zu verstecken und nach Nahrung zu suchen. „In solch wilden Ecken greift der Mensch nicht pflegend ein. Lassen Sie in einer Gartenecke einfach einen Altgrasstreifen, verblühte Disteln und Brennnesseln stehen. Um Totholz oder einen kleinen Steinhaufen ergänzt entstehen hier wichtige Rückzugsräume und Überwinterungsquartiere, etwa für Amphibien, Igel oder Schmetterlinge“, erläutert Arnold. Nicht geerntetes Obst nutzen Wanderfalter wie der Admiral im Herbst, um Energie für den Flug über die Alpen zu tanken. Im Winter fressen zudem Amseln, Wacholderdrosseln und Stare an liegengebliebenen Äpfeln oder Birnen. Am besten häuft man Fallobst in einer Gartenecke an.
Tipp 2: Laub ist natürlicher Winterschutz
Reisig- und Totholzhaufen, Holzstapel, Komposthaufen sowie Laub unter Bäumen und Sträuchern sind gute Unterschlupfe und schützen tierische Gartenbewohner vor Nässe und Kälte. An geschützten Stellen finden Igel ein Winterversteck, aber auch Schmetterlinge einen Rückzugsort, wenn sie nach dem Ausschlüpfen aus der Puppe als fertiger Schmetterling überwintern. Damit es in die Igelwohnung nicht reinregnet, sollte der Holz- und Reisighaufen möglichst dicht und hoch sein . Bis November etwa sind die dämmerungs- und nachtaktiven Stacheltiere noch unterwegs und fressen sich die nötigen Fettreserven an, bevor sie in den Winterschlaf gehen. Auf ihrem tierischen Speiseplan stehen bevorzugt proteinreiche Wirbellose, wie Käfer, Ohrwürmer und Raupen, sowie Regenwürmer.
Tipp 3: Verblühte Stauden stehen lassen
Verblühte Stauden setzen einen Blickpunkt und sind als Winterquartier beliebt bei Wildbienen und anderen Insekten. Die Körnerfresser unter den Gartenvögeln, wie Stieglitz, Grünfink und Girlitz, fliegen auf die Samenstände verblühter Stauden von Wilder Karde, Disteln und Königskerze als Energiequelle im Winter. Gartenexpertin Arnold empfiehlt daher: „Warten Sie mit dem Rückschnitt bis zum nächsten Frühjahr. Hier hilft Nichtstun vielen Arten am besten.“
Tipp 4: Im Garten Tiere erleben
„Igel, Schmetterlinge, Vögel und Wildbienen machen den Garten zu einem Naturerlebnisraum direkt vor der eigenen Haustüre. Nicht nur Kinder sind begeistert, wenn sich ein kleiner Wildtierkosmos dort ausbreiten darf, den es zu entdecken gilt. Auch für Gärtnerinnen und Gärtner bietet ein naturnaher Garten viele Vorteile: Hier kann ich auch mal die Beine hochlegen und genießen“, so Arnold. Und wenn es doch im grünen Daumen juckt, kann man die Zeit gut nutzen: Im Herbst lassen sich Zwiebeln stecken und heimische Sträucher pflanzen, damit früh fliegende Wildbienen im neuen Jahr Pollen und Nektar finden.
Kompakte NABU-Tipps zum naturnahen Gärtnern im Herbst:
- Verblühte Stauden als Winterquartier für Insekten und Nahrung für Vögel stehen lassen
- Nicht zu viel aufräumen im Garten und öfter die Seele baumeln lassen
- Laub- und Totholzhaufen anlegen als frostfreier Schlafplatz für Igel
- Etwas Obst im Baum oder in einer wilden Ecke lassen, das freut Insekten und Vögel
- Nistkästen mit einer Bürste ausfegen, dann stehen sie als Unterschlupf im Winter bereit
- Auf Laubbläser verzichten, das Laub ins Hochbeet oder unter Hecken fegen
- Frühblühende Gehölze wie Weide und Kornelkirsche pflanzen
- Reisighaufen aufschichten oder Benjeshecke anlegen für Eidechsen, Frösche und Vögel
Vogelfreundlicher Garten: Webinare im Projekt mensch.natur, mit NABU-Vogelexperte Stefan Bosch (15.10.)
Foto von Mathias Schäf
PM NABU Baden-Württemberg