Anlässlich einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags an diesem Mittwoch (7. Oktober 2026) kritisiert die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die jüngsten Vorschläge aus dem Bundesgesundheitsministerium, bei den Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen noch mehr zu sparen als bisher.
„Die Verwaltungen der Krankenkassen sind nicht aufgebläht, wie der neue Bundesgesundheitsminister offenbar immer noch glaubt“, erklärte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle. Dies habe auch die vom Bundesministerium eingesetzte Finanzkommission Gesundheit festgestellt. „Bei Personal und Sachkosten noch mehr zu sparen, hat negative Auswirkungen auf die Versicherten. Insbesondere Service- und Beratungsleistungen müssten eingeschränkt werden, wenn dies umgesetzt wird“, warnte Behle.
Das Bundesgesundheitsministerium plant mit aktuellen Regelungsvorschlägen im Rahmen des bereits verabschiedeten Gesetzes zur Beitragsstabilisierung für gesetzliche Krankenkassen den zulässigen Zuwachs der Verwaltungskosten erneut um einen Prozentpunkt abzusenken, auf dann 2,42 Prozent. Trotz steigender Kosten: Allein im vorigen Jahr waren die Verwaltungskosten, zu denen neben Personal- und allgemeinen Sachkosten auch die gestiegenen Anforderungen in der IT zählen, um 5,2 Prozent gestiegen. Für die Jahre 2027 bis 2029 war bereits eine pauschale Senkung um einen Prozentpunkt geplant, für sämtliche Vergütungen. Jetzt soll nur bei den Verwaltungskosten noch mehr Spardruck erzeugt werden: „Hier wird an der völlig falschen Stelle angesetzt“, kritisierte Gewerkschafterin Behle. „Die Verwaltungskosten betragen lediglich vier Prozent der Gesamtkosten im System. Hier ist nichts zu holen – im Gegenteil: Noch mehr kürzen heißt weniger Service, weniger Geschäftsstellen, weitere Arbeitsverdichtung und Druck auf die Löhne.“
Behle forderte stattdessen, dass der Bund endlich seiner Verantwortung nachkomme, gesamtgesellschaftliche Aufgaben wie die Krankenversicherung von Grundsicherungsempfängerinnen und -empfängern aus dem Bundeshaushalt zu zahlen, statt die Krankenkassen damit zu belasten. Allein damit könnten die gesetzlichen Kassen um rund 12 Milliarden Euro pro Jahr entlastet werden.