Das heute veröffentlichte ifo Bildungsbarometer 2026 zeigt, dass 72 Prozent der Deutschen ein Vorschuljahr befürworten. Dazu kommentiert Tomi Neckov, der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE):
„Ein verpflichtendes Vorschuljahr kann Brücken bauen, wo heute noch Brüche entstehen. Insbesondere in dem Jahr vor dem Schuleintritt muss es darum gehen, Kinder kompetenzorientiert und diagnosegeleitet zu fördern, um ihnen beste Startbedingungen mitzugeben. Entscheidend ist die Ausgestaltung: Wir brauchen Ressourcen, um das Miteinander von Kita und Grundschule zu gestalten. Wenn das Vorschuljahr aus bestehenden Ressourcen gestemmt werden soll, wird es scheitern!“ Der VBE fordert verbindliche Mindeststandards, die alle Kompetenzbereiche umfassen: kognitive, emotional-soziale, motorische und sprachliche.
Sprachstandstests und Förderung
Die 89 Prozent Zustimmung zu Sprachtests mit viereinhalb Jahren nimmt der Verband ernst. Neckov schränkt aber ein: „Ein Test allein hilft keinem Kind. Entscheidend ist die individuelle Förderung danach. Wenn die nicht gewährleistet ist, bringt ein offizielles Testergebnis auch nichts. Denn wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Fachkräfte vor Ort sowieso beständig den Sprachstand der Kinder im Blick haben und mit den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten fördern.“ Der Meinungstrend unter mehr als 3.000 Kitaleitungen, der 2024 erhoben wurde, zeigte jedoch, dass ein Drittel der Kitaleitungen angab, über keine speziell für den Bereich Sprachbildung qualifizierte Fachkraft zu verfügen. „Wenn also, wie im Entwurf des Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetzes (SCQEG) vorgesehen, aus- und fortgebildete Sprachfachkräfte die Förderung übernehmen, ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Wo diese in der notwendigen Anzahl herkommen sollen, ist jedoch noch fraglich“, sagt der VBE-Chef.
Neckov betont zuletzt, dass das Vorschuljahr für alle gelten müsse, um in Zusammenarbeit von Schule und Kita einen optimalen Übergang zu gestalten. Der Besuch dürfe keine Pflichtmaßnahme für Förderbedürftige, sondern müsse ein gemeinsames Angebot für alle Kinder sein.
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) vertritt als parteipolitisch unabhängige Bildungsgewerkschaft die Interessen von ca. 164.000 Pädagoginnen und Pädagogen – aus dem frühkindlichen Bereich, der Primarstufe, den Sekundarstufen I und II und dem Bereich der Lehrkräftebildung – in allen Bundesländern. Der VBE ist eine der beiden großen Bildungsgewerkschaften in Deutschland und mitgliederstärkste Fachgewerkschaft im dbb beamtenbund und tarifunion.
PM VBE Verband Bildung und Erziehung