Eine neue Studie des Thünen-Instituts unterstreicht, wie wichtig die freiwilligen Umweltmaßnahmen der Öko-Regelungen für Baden-Württembergs Bäuerinnen und Bauern sind. Gerade Regionen mit geringer landwirtschaftlicher Wertschöpfung profitieren von diesen Fördermaßnahmen.
Im Südwesten ist die Landwirtschaft kleinteilig strukturiert, was eine große Vielfalt und Anzahl an Betrieben hervorgebracht hat. Rund 50 Prozent der etwa 38.000 landwirtschaftlichen Betriebe sind Nutznießer dieser aus Steuergeldern finanzierten „grünen Fördermittel“, im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb profitieren sogar fast alle davon. „Wer sich unter erschwerten Bedingungen für den Erhalt von Wiesen, wie im Schwarzwald, einsetzt und mit kleinen Flächen zurechtkommen muss, um die eigene Existenz zu sichern, braucht Rückenwind aus der Politik. Ministerin Gentges muss sich deshalb dringend für den Erhalt und Ausbau grüner Fördermaßnahmen einsetzen. Baden-Württemberg profitiert besonders stark von diesen Geldern. Zugleich motivieren sie Betriebe, die Artenvielfalt zu erhalten, wichtige Blühflächen anzulegen sowie auf Äckern und Wiesen Lebensräume zu entwickeln”, betont der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle.
Beim internationalen agrarpolitischen Kongress auf Einladung des MLR hat die Ministerin heute Gelegenheit, sich klar zu positionieren und über die Bedeutung der Thünen-Studie für den Südwesten zu diskutieren.
Gewünschte Landwirtschaft fördern
Auch die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) setzt sich auf Bundesebene dafür ein, Landwirtinnen und Landwirte stärker für ihre gesellschaftlichen Leistungen zu entlohnen. Dafür sollen über die nächsten Jahre die reinen Flächenprämien pro Hektar reduziert werden. „Dieser Ansatz ist richtig. Eine Förderung zielt immer darauf ab, gesellschaftlich gewünschtes Handeln zu belohnen“, so Enssle. „Den Menschen im Land ist es nicht egal, was auf den Flächen und in der Umwelt passiert, das hat auch das Volksbegehren ,Rettet die Bienen‘ 2020 gezeigt. Wer Insekten, Vögel und Flüsse schützt, sollte dafür mehr Geld bekommen als jemand, der Arten verdrängt und das Grundwasser verschmutzt.“
Eigentlich versucht die Agrarpolitik auf EU-, Bundes- und Landesebene, die Zukunft der Betriebe mit umfangreichen Fördermitteln und Subventionen zu gewährleisten. Doch seit Jahrzehnten geht deren Zahl kontinuierlich zurück.
Artenschwund durch passende Förderung stoppen
Für den NABU ist es unverständlich, dass in der aktuellen Lage und angesichts des dramatischen Artenschwunds gerade in der Agrarlandschaft die Landwirtschaftsministerinnen und -minister der Bundesländer entgegen den Empfehlungen des Thünen-Instituts und der ZKL die Umweltförderungen schwächen und etwa Öko-Regelungen herunterfahren wollen, zugunsten pauschaler Flächenprämien. So können weder die gesellschaftlichen Leistungen der landwirtschaftlichen Betriebe honoriert noch die Vielfalt der Betriebe in Baden-Württemberg erhalten werden. Baden-Württemberg wäre bei dieser Verlagerung der grünen Fördergelder auf pauschale Flächenprämien einer der Verlierer.
Hintergrund: Der NABU BW setzt sich aktiv mit einer Vielzahl an Projekten für eine naturverträgliche Landwirtschaft ein: NABU-Schwerpunkt 2030: Naturverträgliche Landwirtschaft – NABU BW.
PM NABU (Naturschutzbund Deutschland), Landesverband Baden-Württemberg e. V.