Am morgigen Freitag ruft ver.di die Beschäftigten der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) im gesamten vom Unternehmen betriebenen Liniennetz im Raum Karlsruhe und Heilbronn zu einem ersten Warnstreik auf. ver.di rechnet mit Ausfällen im Schienenverkehr. Grund für den Warnstreik sind die stockenden Verhandlungen in der bundesweiten Entgeltrunde für den ETV-Tarifvertrag, gekündigt ist außerdem der Manteltarifvertrag. Erste Warnstreiks in dieser Runde hatte es bereits in den vergangenen beiden Wochen bei der SWEG gegeben. Bei der AVG sind rund 1.000 Beschäftigte von der Tarifrunde betroffen.
Frederike DeCoite, ver.di Baden-Württemberg: „Seit der letzten Gehaltserhöhung sind die Tankkosten für ihr Auto, das die Fahrerinnen und Fahrer brauchen, um pünktlich zur ersten Schicht zu kommen und nach Mitternacht wieder nach Hause, regelrecht explodiert. Die Beschäftigten brauchen jetzt zügig eine angemessene Steigerung ihrer Einkommen. Was viele besonders verbittert, ist das Ziel der Arbeitgeber, den besonderen Kündigungsschutz für langjährig Beschäftigte abzuschaffen. Wer über Jahrzehnte diese verantwortungsvolle und belastende Arbeit, meist im anstrengenden Schichtdienst, Tag für Tag leistet, hat auch einen besonderen Schutz verdient.“
Hintergrund bundesweite Entgeltrunde ETV:
Im ersten Verhandlungstermin an 13. August zum Eisenbahntarifvertrag (ETV) – für gut 30 private Verkehrsunternehmen mit insgesamt knapp 6.000 Beschäftigten – wurde von Seiten der Arbeitgeber gar kein Angebot vorgelegt.
Beim zweiten Verhandlungstermin sind ver.di und die Arbeitgeber am 31. August ohne Ergebnis auseinandergegangen. Das vom Arbeitgeberverband Deutscher Eisenbahnen (AGVDE) vorgelegte Angebot hat ver.di als unzureichend zurückgewiesen. „Statt Wertschätzung bekommen die Beschäftigten Verzögerungen, Kürzungen und Verschlechterungen serviert“, kritisierte ver.di-Verhandlungsführer Andreas Schackert. Leider seien die Arbeitgeber nicht bereit gewesen, im Laufe der Verhandlungen auf die geforderten Verschlechterungen zu verzichten. Die ver.di-Tarifkommission habe daraufhin die Einleitung von Arbeitskampfmaßnahmen entschieden.
ver.di fordert auf Grundlage einer bundesweiten Beschäftigtenbefragung eine Erhöhung der Monatsentgelte um 6,5 Prozent für alle, dabei 100 Euro monatlich mehr für Auszubildende sowie eine jährliche Sonderzahlung von 650 Euro nur für ver.di-Mitglieder, um deren ehrenamtliches Engagement für bessere Tarife und Arbeitsbedingungen zu würdigen. Die Laufzeit soll zwölf Monate betragen.
Das Angebot der Arbeitgeber sieht bei einer Laufzeit von 28 Monaten eine Einmalzahlung von 270 Euro vor; eine erste Entgelterhöhung soll es mit 2,8 Prozent erst am 1. Dezember 2026 geben, und eine zweite mit 2,2 Prozent am 1. Januar 2028. Hinzu kommen die geforderten Verschlechterungen im Manteltarifvertrag, darunter eine Aufweichung des Kündigungsschutzes.
Der Eisenbahntarifvertrag (ETV) gilt für mehr als 30 Unternehmen in Deutschland, die Schienengüterverkehr, Schienenpersonenverkehr oder Straßenpersonenverkehr (ÖPNV) betreiben. In Baden-Württemberg sind die Albtalverkehrsgesellschaft sowie die SWEG betroffen.
Die dritte Verhandlungsrunde ist am 5. Oktober.
PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg