Licht aus! Gemeinsam mehr Dunkelheit wagen – NABU Baden-Württemberg unterstützt die „Earth Night“ (11. September) und wirbt für einen bewussteren Umgang mit künstlichem Licht

Die Tage werden spürbar kürzer, am Abend schalten wir früher das Licht an. Künstliche Beleuchtung ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken: Sie sorgt für Orientierung, Sicherheit und ermöglicht es uns, auch nach Einbruch der Dunkelheit aktiv zu sein. Doch vielerorts wird mehr Licht eingesetzt als notwendig: Gebäude werden angestrahlt, Bürogebäude bleiben nachts erhellt, digitale Werbeflächen sowie Schaufenster leuchten bis in die Nacht hinein.

Weltweit hat die künstliche Beleuchtung in den letzten Jahren zugenommen. Was uns viele Möglichkeiten eröffnet, bringt gleichzeitig den Rhythmus der Natur durcheinander. Deshalb spricht man auch von Lichtverschmutzung. Der Begriff kommt ursprünglich aus der Astronomie und beschreibt die künstliche Aufhellung des Sternenhimmels. Heute ist klar: Lichtverschmutzung betrifft Menschen, Tiere und Ökosysteme. Das zeigen zahlreiche Studien. Um ein Zeichen gegen die Lichtverschmutzung zu setzen, findet am 11. September wieder die „Earth Night“ statt: Privatpersonen, Kommunen und Unternehmen schalten die Außenbeleuchtung ab.

Lichtverschmutzung schadet Insekten, Fledermäusen, Vögeln & Co.

„Dunkelheit ist ein wichtiger Bestandteil unserer Ökosysteme. Viele Arten haben sich über Jahrmillionen an den natürlichen Wechsel von Tag und Nacht angepasst. Wird die Nacht dauerhaft aufgehellt, hat das Folgen für zahlreiche Lebewesen“, sagt Dr. Stefan Kress vom NABU Stuttgart.

Besonders betroffen sind nachtaktive Insekten. Künstliche Lichtquellen stören ihre Orientierung und ziehen viele Tiere an. Sie umkreisen Lampen bis zur Erschöpfung, verlieren wertvolle Energie oder werden zur leichten Beute. „Lichtverschmutzung ist ein zusätzlicher Belastungsfaktor für die Artenvielfalt. Gleichzeitig können wir hier mit einfachen Maßnahmen schnell etwas verbessern“, so Kress: „Nämlich häufiger mal das Licht ausmachen und weniger oft einsetzen.“

Künstliches Licht wirkt sich auch auf andere Lebewesen aus. Fledermäuse meiden stark beleuchtete Bereiche und verlieren dadurch wichtige Jagdlebensräume oder Zugänge zu ihren Quartieren. Der Tag-Nacht-Rhythmus von Vögeln kommt durcheinander und kann insbesondere Zugvögel bei ihrer Orientierung beeinträchtigen. Amphibien, Fische und andere nachtaktive Tiere werden durch das Licht in ihrer Orientierung, Nahrungssuche und Fortpflanzung beeinträchtigt. Künstliches Licht kann sogar natürliche Jahresrhythmen von Pflanzen verändern und beispielsweise Blühzeiten sowie die Produktion von Nektar und Duftstoffen beeinflussen.

Gesetzliche Regelungen konsequent einhalten

Baden-Württemberg hat mit klaren Regelungen im Naturschutzgesetz wichtige Schritte gegen Lichtverschmutzung unternommen. Die Beleuchtung von Gebäudefassaden zum Schutz der Nacht und der Artenvielfalt ist zeitlich eingeschränkt: Vom 1. April bis zum 30. September gilt ein ganztägiges Beleuchtungsverbot, im Winterhalbjahr dürfen Fassaden zwischen 22 und 6 Uhr nicht angestrahlt werden. Das gilt für kommunale Gebäude ebenso wie für gewerbliche, private oder kirchliche. Der NABU Baden-Württemberg setzt sich dafür ein, dass diese Regelungen konsequent umgesetzt und weiter bekannt gemacht werden. „Es geht nicht darum, Städte und Gemeinden vollständig zu verdunkeln. Entscheidend ist, Licht gezielt und sparsam einzusetzen“, sagt Kress.

Alle können einen Beitrag leisten – Zeichen setzen mit der „Earth Night“

Auch Privatpersonen können einen Beitrag gegen Lichtverschmutzung leisten: „Garten- oder Außenbeleuchtung einfach mal ausschalten, reduzieren und lieber warmweißes Licht einsetzen. Schon kleine Veränderungen können viel bewirken“, weiß Kress.

Mit der „Earth Night“ am 11. September machen die „Paten der Nacht“ auf die Bedeutung natürlicher Dunkelheit aufmerksam. Ab Einbruch der Dunkelheit sind Privatleute, Kommunen und Unternehmen dazu eingeladen, ihre Außenbeleuchtung auszuschalten. Der NABU unterstützt die Aktion und setzt sich für die bewusstere Nutzung von Licht ein.

NABU-Tipps für mehr Nacht:

  • Licht nur dort installieren, wo es wirklich nötig ist
  • Bewegungsmelder nutzen
  • Keine Beleuchtung von Bäumen, Hecken, Fassaden oder Gewässern
  • Leuchten nur nach unten ausrichten
  • Geschlossene Leuchten verwenden, um Streulicht zu vermeiden
  • Lichtquellen möglichst niedrig anbringen, um Streulicht und Blendung zu reduzieren
  • Warmweißes Licht (1.800–2.200 K) wählen
  • Niedrige Lumen-Werte nutzen, um Blendung zu vermeiden
  • Rollläden oder Vorhänge schließen.

 

Hintergrund:

  • Weitere Infos zur Lichtverschmutzung gibt es unter: www.NABU-BW.de/lichtverschmutzung
  • Neuer Flyer: Informationen und Tipps gegen Lichtverschmutzung
  • Ausführlicher Artikel zu den Auswirkungen von Lichtverschmutzung auf Insekten mit Dr. Stefan Kress vom NABU Stuttgart im NABU-Mitgliedermagazin Naturschutz heute, Ausgabe 3/2026, Seite 2-3
  • Website der Paten der Nacht zur Earth Night 2026

 

Foto (© Karsten Mosebach): Fledermaus bei Nacht

 

PM NABU (Naturschutzbund Deutschland) Landesverband Baden-Württemberg e.V.

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