Die Kombination aus Veranstaltungen und attraktivem Einzelhandel bleibt der Schlüssel für lebendige Innenstädte. Das ist das Ergebnis eines Projektes der IHK Region Stuttgart, das langfristig die Frequenz von Besuchern in der Göppinger Innenstadt und anderer Kommunen im Kreis gemessen hat.
Die aktuellen Ergebnisse zeigen: Während die Zählergebnisse und die daran geknüpften Besucherzahlen in Göppingen teilweise rückläufig waren, kann Geislingen im Vergleich zum Vorjahr sogar etwas zulegen. Gleichzeitig bestätigen die Daten die hohe Bedeutung von Veranstaltungen, Gastronomie und einem attraktiven Stadtbild für die Belebung der Innenstädte. „Die Innenstädte im Kreis Göppingen stehen weiterhin unter erheblichen Druck,“ sagt der Leitende IHK-Geschäftsführer Gernot Imgart aus Göppingen. Das liege vor allem an der aktuellen Konsumzurückhaltung der Verbraucher, die angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage und den Krisen stark verunsichert seien. Auch der fortschreitende Strukturwandel im Einzelhandel, verursacht durch fehlende Nachfolge oder dem Onlinehandel, trage zu den großen Herausforderungen der Kommunen bei, so Imgart. Insgesamt mache die Untersuchung deutlich, dass lebendige Innenstädte überall dort entstehen, wo verschiedene Faktoren zusammenspielen. „Auch mit Blick auf andere Innenstädte in der Region zeigt sich, dass vor allem diejenigen Kommunen erfolgreich sind, die Veranstaltungen, Aufenthaltsqualität sowie ein vielfältiges Angebot aus Handel, Gastronomie und Freizeit gezielt miteinander verknüpfen,“ betont Imgart. Gleichzeitig bleibe nach Ansicht der IHK eine zentrale Herausforderung bestehen: Hohe Besucherzahlen führen nicht automatisch zu höheren Umsätzen. Vielmehr gelte es, die Frequenzen künftig stärker und besser in konkrete Kaufimpulse zu übersetzen.
Die Ergebnisse im Überblick für Göppingen und Geislingen
An den vier Messpunkten in Göppingen wurden im Jahr 2025 insgesamt rund 9,5 Millionen Passanten gezählt. Im Vergleich der Zeiträume Januar bis Juli 2025 und Januar bis Juli 2026 verzeichnete die Innenstadt einen Rückgang von rund 333.000 Zählungen. In Geislingen wurden im Jahr 2025 mehr als 1,07 Millionen Passanten erfasst. Dort stieg die Frequenz im Vergleichszeitraum Januar bis Juli 2026 gegenüber dem Vorjahr um rund 68.000 Besucher.
Die Analyse bestätigt, dass Veranstaltungen die stärksten Frequenzbringer für die Innenstädte sind. In Göppingen erreichte das Weinfest mit rund 165.000 Kontakten den höchsten Besucherzustrom aller Veranstaltungen. Der dritte Oktober 2025 war mit rund 50.000 Zählungen der besucherstärkste einzelne Tag. Auch das Stadtfest 2025 sorgte mit rund 129.000 Besuchern für eine starke Belebung der Innenstadt. In Geislingen verzeichnete das Stadtfest 2026 mit insgesamt rund 60.700 Messungen an drei Veranstaltungstagen einen neuen Höchstwert. Der Samstag des Geislinger Hocks war mit rund 29.200 Kontakten der stärkste einzelne Tag der gesamten Messreihe.
Besonders deutlich wird die Wirkung eines attraktiven gastronomischen Angebots am Sonntag. Während sich am Göppinger Marktplatz mit einer stark ausgeprägten Gastronomie durchschnittlich rund 6.000 Menschen aufhalten, werden in der Geislinger Fußgängerzone rund 2.200 Passanten gezählt. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Gastronomie und Außengastronomie für die Attraktivität von Innenstädten. Auch Wetterbedingungen spielen eine wichtige Rolle. Hohe Temperaturen und Niederschläge führen nachweislich zu sinkenden Besucherzahlen. Die Analyse legt daher nahe, weiterhin in Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität zu investieren, beispielsweise durch Beschattung, Begrünung und kühlende Elemente im öffentlichen Raum. Die Auswertung zeigt zudem, dass verkaufsoffene Sonntage zwar höhere Besucherzahlen als gewöhnliche Sonntage erzeugen, jedoch kein verlässliches Instrument zur nachhaltigen Frequenzsteigerung darstellen. In Göppingen deuten die Messergebnisse sogar auf einen rückläufigen Trend bei den Besucherzahlen an verkaufsoffenen Sonntagen hin. Entscheidend bleibt vielmehr die Kombination aus attraktiven Veranstaltungen, Erlebnissen und einer engen Verzahnung von Handel und Innenstadtangeboten. Um davon auch wirtschaftlich zu profitieren, sollten Veranstaltungen künftig noch stärker mit Aktionen des lokalen Handels verknüpft werden. Gutscheinsysteme, Gewinnspiele oder Innenstadt-Rallyes können dazu beitragen, Besucher gezielt in die Geschäfte zu lenken und die Kaufkraft vor Ort zu stärken.
Hintergrund: Das von der IHK Region Stuttgart finanzierte Messprojekt läuft noch bis Ende 2026 und soll den Kommunen helfen, Entwicklungen langfristig zu beobachten und Maßnahmen fundiert zu bewerten. Die Datenerhebung erfolgt vollständig anonymisiert. Aufgrund des großen Erfolges plant in Göppingen der Marketingverein Göppinger City e.V., die Messreihe in eigener Regie im Jahre 2027 fortzuführen.
PM IHK Region Stuttgart Bezirkskammer Göppingen