„Syphilis ist keine griechische Insel“ – Syphilis-Fälle auf Höchststand

Anlässlich des Welttags der sexuellen Gesundheit macht die Aidshilfe Baden-Württemberg auf die seit Jahren steigenden Syphilis-Fallzahlen aufmerksam. Die bakterielle Infektion ist gut behandelbar. Bleibt sie jedoch unentdeckt und unbehandelt, kann sie langfristig schwerwiegende gesundheitliche Folgen verursachen. Die Checkpoints in Baden-Württemberg helfen mit ihren Testangeboten bei einer rechtzeitigen Diagnose.

Laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit meldet das Robert-Koch-Institut für das Jahr 2025 bundesweit 9.700 Syphilis-Fälle. Damit wurde erneut ein Höchststand erreicht. Bereits 2024 waren mit 9.519 Fällen so viele Infektionen registriert worden wie noch nie zuvor. Betroffen sind meist Männer, die Sex mit Männern haben. Bei Frauen stiegen die Zahlen zuletzt ebenfalls leicht.

Die Gründe für den Anstieg der Fallzahlen sind vielfältig. Fachleute gehen davon aus, dass verändertes Sexual- und Kontaktverhalten, die Nutzung digitaler Dating-Angebote sowie das häufige Ausbleiben von Beschwerden in frühen Krankheitsstadien eine Rolle spielen können. Hinzu kommt, dass heutzutage häufiger auf Syphilis getestet wird. Dadurch werden mehr Infektionen erkannt und gemeldet, die früher unentdeckt geblieben wären.

„Die steigenden Fallzahlen sind kein Anlass für Panik oder Stigmatisierung, sondern ein Auftrag für Aufklärung und Prävention. Syphilis ist gut behandelbar. Deshalb müssen Test- und Beratungsangebote dort verfügbar sein, wo Menschen sie unkompliziert, anonym und ohne Angst vor Verurteilung nutzen können“, sagt Claudius Desanti, Geschäftsführer des Aidshilfe Baden-Württemberg.

Syphilis ist leicht übertragbar. Beim Sex können Bakterien über Mund, Analbereich, Penis, Vulva oder Vagina in den Körper gelangen. Kondome und Lecktücher senken das Risiko einer Übertragung, bieten aber keinen kompletten Schutz.

Kommt es doch zur Infektion entsteht zu Beginn ein kleines Geschwür, an der Stelle, wo der Erreger in den Körper eingedrungen ist. Meist heilt das Geschwür unbemerkt und von allein wieder ab. Vor allem bei Frauen bleibt eine Infektion dadurch oft unentdeckt. Nach etwa zwei Monaten können Hautausschläge, Fieber oder Kopf- und Gelenkschmerzen auftreten, die ebenfalls wieder abklingen können. Unbehandelt kann es so nach Jahren zur dritten Krankheitsphase kommen. Hier treten überall am Körper Geschwüre auf, Organe und das Nervensystem können lebensbedrohlich geschädigt werden.

Die vorbeugende Einnahme des Antibiotikums Doxycyclin nach ungeschütztem Sex (auch bekannt als „Doxy-PEP“) kann das Risiko einer Infektion mit Syphilis-Bakterien reduzieren, wird von der Deutschen Aidshilfe aber nur für wenige sexuell besonders aktive Menschen empfohlen. Für diese Anwendung ist Doxycyclin in Deutschland nicht ausdrücklich zugelassen (Off-Label-Use). Zudem können Nebenwirkungen auftreten und die Entwicklung antibiotikaresistenter Bakterien gefördert werden.

Eine Syphilis-Infektion ist mit Antibiotika in den ersten Phasen der Infektion gut behandelbar.

Durch die zu Beginn oft milden Verläufe, werden viele Infektionen erst durch gezielte Tests erkannt. Für eine rechtzeitige Diagnose ist es darum wichtig, sich regelmäßig zu testen. Die Aidshilfe Baden-Württemberg startet in ihrem Projekt Checkpoint Baden-Württemberg im September eine neue Kampagne, um auf die Testmöglichkeiten in den Checkpoints aufmerksam zu machen. Anschließend an die letztjährige Kampagne „Chlamydien sind keine Blumen“ soll mit dem neuen Claim „Syphilis ist keine griechische Insel“ wieder mit einem humorvollen Blick auf sexuell übertragbare Infektionen Aufmerksamkeit für die eigene sexuelle Gesundheit und die Testangebote der Checkpoints geschaffen werden.

Unter dem Label „Checkpoint“ bieten die Aidshilfen in Baden-Württemberg anonyme Tests, nicht nur auf Syphilis, sondern auch auf andere sexuell übertragbare Infektionen wie HIV an. Die Tests finden anonym und unter hohen hygienischen Bedingungen statt. Das Ergebnis des Syphilis- oder auch HIV-Tests liegt innerhalb weniger Minuten vor. Für andere sexuell übertragbare Infektionen braucht es etwas länger. In allen Fällen geht dem Test ein ausführliches Beratungsgespräch voraus. Durch besondere Öffnungszeiten, zum Beispiel am Abend oder am Wochenende, können Menschen erreicht werden, die zu den gängigen Öffnungszeiten einer öffentlichen Einrichtung keine Möglichkeit haben, einen Termin wahrzunehmen. Durch die akzeptierende Haltung der Aidshilfen bieten die Checkpoints auch für Menschen, die aus Scham nicht zu ihrem Arzt, ihrer Ärztin oder dem örtlichen Gesundheitsamt gehen möchten, eine sichere Anlaufstelle.

Außerdem sind Aidshilfen und Zentren für sexuelle Gesundheit schon immer Verbündete der queeren Community und in den Bereichen Sexwork und Drogenarbeit tätig. Damit erweitern und ergänzen die Checkpoints in Baden-Württemberg die Angebote des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und entlasten das
öffentliche Gesundheitssystem.

„Sexuelle Gesundheit bedeutet, informiert und selbstbestimmt über die eigene Sexualität entscheiden zu können und einfachen Zugang zu Beratung und Tests zu haben – für alle Menschen. Genau dafür stehen die Checkpoints in Baden-Württemberg“, so Claudius Desanti.

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PM Aidshilfe Baden-Württemberg e.V.

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