Von mild und fruchtig bis rekordverdächtig scharf: Ende August 2026 hat in der Wilhelma die diesjährige Chili-Ausstellung begonnen. Im Wintergarten der historischen Gewächshauszeile präsentieren die Gärtnerinnen und Gärtner des Zoologisch-Botanischen Gartens eine Vielfalt von rund 80 Chilisorten sowie mehrerer Wildformen. Inmitten des üppigen Grüns von Bananenstauden und Palmen leuchten ihre Früchte in Gelb, Orange, Rot, Violett und beinahe Schwarz.
Wilhelma-Gärtnerin Fenja Baumgärtner zeigt sich zufrieden: „Für viele Pflanzen war die Hitze der vergangenen Wochen eine große Beanspruchung. Unseren Chilis haben die hohen Temperaturen aber nicht geschadet – ganz im Gegenteil. Sie sind besonders gut gewachsen. Dieses Jahr haben wir außerdem einige Sorten im Programm, die wir schon lange nicht mehr gezeigt haben, deren Samen aber noch bei uns lagerten. So haben wir zum Beispiel wieder Pflanzen der Sorte Capsicum annuum Spanish Pepper Yellow oder der Wildform Capsicum eximium herangezogen.“
Alle Chilis gehören zur Gattung Capsicum innerhalb der Familie der Nachtschattengewächse. Ihre Heimat liegt ursprünglich in Mittel- und Südamerika. Von dort gelangten die Pflanzen nach der Ankunft der Europäer in Amerika zunächst auf die Iberische Halbinsel und verbreiteten sich anschließend über weite Teile der Welt. Heute sind Chilis aus zahlreichen Landesküchen nicht mehr wegzudenken. Die Vielfalt ihrer Früchte ist enorm: Sie können rund, länglich, spitz zulaufend oder bizarr gefaltet sein.
Bei den meisten gezeigten Pflanzen handelt es sich um Züchtungen, die aus den Arten Capsicum annuum und Capsicum chinense hervorgegangen sind. Während zu Capsicum annuum neben scharfen Chilis auch viele milde Gemüsepaprika gehören, ist Capsicum chinense für Sorten mit ausgeprägter Schärfe und häufig tropisch-fruchtigem Aroma bekannt. Zu dieser Art zählen unter anderem die Habaneros sowie einige der schärfsten Chili-Züchtungen überhaupt. Wie scharf eine Frucht tatsächlich ist, lässt sich ihrem Äußeren allerdings kaum ansehen.
Verantwortlich für das Brennen im Mund beim Verzehr von Chili ist der Wirkstoff Capsaicin. Der Stoff aktiviert bei Säugetieren Rezeptoren, die normalerweise auf Hitze reagieren. Was wir beim Essen einer Chili als „scharfen Geschmack“ empfinden, ist daher streng genommen kein Geschmack, sondern ein Hitze- und Schmerzreiz. Für die Pflanzen hat dieser Mechanismus einen bemerkenswerten ökologischen Nutzen: Viele Säugetiere meiden die scharfen Früchte. Vögel dagegen reagieren anders auf Capsaicin und können die Beeren ohne das für uns typische Brennen fressen. Mit ihrem Kot verbreiten sie die unverdauten Samen über größere Entfernungen – und tragen damit zur Vermehrung der Pflanzen bei. Capsaicin ist also nicht entstanden, um menschliche Mutproben am Esstisch zu ermöglichen. Die Schärfe der Chilis ist vielmehr Teil einer ausgeklügelten Strategie der Pflanzen, ihre Samen möglichst erfolgreich verbreiten zu lassen.
Besonders gut lässt sich diese Strategie an den Wildformen erkennen. Ihre meist kleinen Früchte stehen häufig aufrecht und lösen sich leicht vom Kelch, sodass Vögel sie gut aufnehmen können. Im Zuge jahrtausendelanger Züchtung durch den Menschen haben sich viele dieser Merkmale verändert. Die Früchte der Kultursorten sind oftmals deutlich größer und schwerer und sitzen fester an den Pflanzen. Gleichzeitig entstand eine enorme Bandbreite an Farben, Formen, Aromen und Schärfegraden. Die Chili-Ausstellung der Wilhelma macht diese Vielfalt unmittelbar erlebbar. Sie schlägt einen Bogen von der Biologie der Wildpflanzen über die traditionelle Nutzung durch den Menschen bis zu modernen Züchtungen, bei denen immer neue Kombinationen von Form, Aroma und Schärfe entstehen.
Für die Einordnung der Schärfe wird häufig die Scoville-Skala verwendet. Während milde Paprika praktisch keine Schärfe besitzt, erreichen besonders scharfe Sorten Werte von weit über einer Million Scoville Heat Units (SHU). Einen Rekord stellte 2005 die aus Indien bekannte Bhut Jolokia mit rund einer Million SHU auf. Es folgten unter anderem Trinidad Scorpion Butch T, Naga Viper und Trinidad Moruga Scorpion. 2013 übernahm Carolina Reaper mit rund 2,2 Millionen SHU die Spitzenposition. Seit 2023 gilt Pepper X mit durchschnittlich 2,69 Millionen SHU als neuer Rekordhalter.
Foto (© Wilhelma Stuttgart/Birger Meierjohann): Im Wintergarten der Wilhelma hat die Chili-Ausstellung begonnen.
PM Wilhelma Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart