- 20. Dienstwagen-Check: 160 von 249 Dienstwagen bekommen rote Karten wegen hohem CO2-Ausstoß
- Vollbremsung für Klimaschutz: Anteil der Dienstwagen mit Verbrennungsmotor an Bord steigt im Vergleich zum Vorjahr, Anteil vollelektrischer Dienstwagen sinkt
- DUH fordert Bund und Länder auf, bei Neubeschaffungen auf effiziente vollelektrische Fahrzeuge umzusteigen und klimaschädliche Verbrenner aus Dienstwagenflotten zu verbannen
Deutsche Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker setzen zunehmend wieder auf Dienstwagen mit Verbrennungsmotor an Bord. Dies zeigt der 20. Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH): 160 von 249 Dienstwagen überschreiten mit ihrem realen CO2-Ausstoß den EU-Flottengrenzwert und erhalten eine rote Karte. Besonders kritisch bewertet die DUH den Anstieg von klimaschädlichen Plug-In-Hybriden – die Fahrzeuge mit großem Verbrennungsmotor und kleinem Elektromotor machen mit 42 Prozent den größten Anteil der Dienstwagen aus. Schlusslichter der Abfrage sind: in der Bundesregierung Justizministerin Stefanie Hubig und Bildungs- und Familienministerin Karin Prien mit jeweils 196 Gramm CO2 je Kilometer; unter den Länderchefs Hendrik Wüst, Manuela Schwesig sowie Kai Wegner mit jeweils 262 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer.
Der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge ging im Vergleich zu 2025 sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene zurück und liegt mit 90 Dienstwagen bei insgesamt 36 Prozent. Dabei sind die Unterschiede bei den realen CO2-Emissionen enorm: Vollelektrische Dienstwagen verursachen im Durchschnitt 62 Gramm CO2 je Kilometer. Plug-In-Hybride kommen auf 179 Gramm und stoßen damit fast drei-Mal so viel CO2 aus – alle Modelle übersteigen den EU-Flottengrenzwert massiv, da sie nur 11 Prozent ihrer Fahrten elektrisch und ganze 89 Prozent mit dem besonders spritdurstigen Verbrennungsmotor betreiben. Reine Verbrenner liegen mit durchschnittlich 193 Gramm CO2 je Kilometer noch höher.
Besonders deutlich zeigt sich der Rückschritt bei mehreren neu beschafften Dienstwagen: So sind die Staatsministerin und Staatsminister aus dem Auswärtigen Amt Serap Güler, Gunther Krichbaum und Florian Hahn von ihren bisherigen Elektrofahrzeugen auf klimaschädliche Plug-In-Hybride umgestiegen. Auch die Hamburger Umweltsenatorin Katharina Fegebank und Finanzsenator Andreas Dressel sowie der sächsische Umweltstaatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch haben ihre sparsamen Elektroautos durch Plug-In-Hybride ersetzt. Sie überschreiten damit nun den CO2-Flottengrenzwert.
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Es ist völlig absurd, dass die Regierungspolitikerinnen und Regierungspolitiker im Jahr 2026 den Anteil von Dienstwagen mit Verbrennungsmotor sogar noch steigern. Zwei von drei Dienstwagen in unserer Abfrage fahren mit klimaschädlichem Verbrennungsmotor – das ist eine Kampfansage gegen zukunftsgerichtete Verkehrspolitik und ein desaströses Signal für die deutsche Klimapolitik. Die Politikerinnen und Politiker der Bundes- und Landesregierungen verfehlen ihre Vorbildfunktion massiv. Dass es auch anders geht, zeigt die Hamburger Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen Karen Pein: Durch den Umstieg auf ein Elektroauto hat sie den CO2-Ausstoß ihres Dienstwagens von 134 auf 50 Gramm je Kilometer reduziert. Wir fordern von Bund und Ländern, bei jeder Neubeschaffung konsequent auf effiziente Elektroautos umzusteigen, statt klimaschädliche Plug-In-Hybride weiter künstlich attraktiv zu halten.“
Den sparsamsten Dienstwagen in der Bundesregierung fährt Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan mit 64 Gramm CO2 je Kilometer. Bei den Regierungschefs der Länder ist Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir mit 66 Gramm CO2 je Kilometer am sparsamsten unterwegs.
Weitere Ergebnisse:
- Unter den Landesregierungen erhalten lediglich Berlin, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein eine gelbe Karte für ihre Flotte. Schlusslichter sind erneut Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, die auch 2026 vollständig auf batterieelektrische Dienstwagen verzichten.
- Unter den Bundesministerien erhalten das Bundesumweltministerium (BMUKN), das Bundesinnenministerium (BMI), das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) sowie das Bundesarbeitsministerium (BMAS) eine grüne Karte.
- Im Parteienvergleich erhält lediglich Bündnis 90/Die Grünen eine grüne Karte. Die parteilosen Amtsträgerinnen und Amtsträger erreichen eine gelbe Karte. Alle übrigen Parteien erhalten eine rote Karte.
- Im Vergleich der Umweltministerinnen und Umweltminister geht Bremens Senatorin Henrike Müller mit gutem Beispiel voran und nutzt ein Dienstrad. Das sparsamste Fahrzeug fährt Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer mit 50 Gramm CO2 je Kilometer. Auf dem letzten Platz liegt wie bereits im Vorjahr Sachsen-Anhalts Umweltminister Armin Willingmann, dessen Dienstwagen 192 Gramm CO2 je Kilometer verursacht.
Hintergrund:
Der 20. Dienstwagen-Check der DUH beruht auf einer Abfrage im Zeitraum von Januar bis Juni 2026. Amtsträgerinnen und Amtsträger, die nach Abschluss der Befragung das Amt gewechselt haben oder ausgeschieden sind, wurden nicht berücksichtigt. Dasselbe gilt für Neubesetzungen außerhalb des Befragungszeitraums.
Die Fahrzeuge des Bundeskanzlers, des Vizekanzlers und Finanzministers, des Verteidigungsministers, des Innenministers sowie des Außenministers fließen nicht in die Gesamtwertung ein. Für die Berechnung weiterer sondergeschützter Fahrzeuge wurde ein Basismodell mit gleicher Motorisierung gewählt.
Die Auswertung basiert auf der Emissionsangabe des Worldwide Harmonised Light-Duty Vehicles Test Procedure (WLTP). Bei Elektro-, Wasserstoff- sowie reinen Verbrennerfahrzeugen stimmen die WLTP-Werte laut Fahrzeugtests meist mit dem realen CO2-Ausstoß überein. Bei Plug-In-Hybriden hingegen hat die DUH mithilfe eines reichweitenspezifischen Utility Faktors der Stufen 1 und 2 (ICCT 2026, Verordnung (EU) 2023/443) und der Annahme eines elektrischen Fahranteils für Dienstwagen von rund 11 Prozent den CO2-Ausstoß (ICCT 2022) ermittelt. Bei Fahrzeugen mit teilelektrischem oder vollelektrischem Antrieb wurde der CO2-Gehalt des deutschen Strommixes nach Angaben des Umweltbundesamtes für das Jahr 2025 herangezogen.
Unterschiedliche CO2-Angaben für das gleiche Fahrzeugmodell ergeben sich zum Beispiel durch verschiedene Erstzulassungszeitpunkte und Ausstattungsvarianten.
Links:
- Die Tabellen des Dienstwagen-Checks finden Sie hier: https://l.duh.de/p260901
- Mehr Infos: http://www.duh.de/dienstwagencheck/
PM Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH)