Generation Z setzt auf sichere Jobs: Handwerk der Region Stuttgart gewinnt deutlich mehr Nachwuchs

Mit 3.463 neuen Ausbildungsverträgen starten die Betriebe der Region Stuttgart erfolgreich in das neue Lehrjahr. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 5,3 Prozent. Jetzt gilt es, die Nachwuchskräfte zu halten.

Wer eine Heizung einbaut, individuelle Torten gestaltet, eine Prothese auf Maß fertigt, Häuser energetisch saniert oder Photovoltaikanlagen installiert, der kann nicht so leicht durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden. „Die steigenden Ausbildungszahlen sind ein starkes Signal für das Handwerk und zeigen: Junge Menschen suchen nicht nur irgendeinen Job, sondern eine sinnvolle und verlässliche berufliche Perspektive. Genau das bietet das Handwerk: mit guter Beschäftigungssicherheit, sichtbaren Ergebnissen und vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten“, sagt Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart.

Besonders gefragt sind die Klimaberufe, also Berufe, die aktiv zur Energiewende, Ressourceneffizienz und CO2-Minderung beitragen: Mit 449 Neuverträgen schieben sich die Anlagenmechaniker:innen für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik mit einem großen Zuwachs auf Platz 1 der beliebtesten Berufe. Auch Elektroniker:innen der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik (402 Neuverträge), Zimmer:innen (153 Neuverträge) und Maler- und Lackierer:innen (179 Neuverträge) verzeichnen einen Zuwachs. Ebenso kann sich das Lebensmittelhandwerk und die Baubranche über steigende Ausbildungszahlen freuen. „Wer heute einen Handwerksberuf erlernt, arbeitet an den zentralen Zukunftsaufgaben unserer Gesellschaft mit“, erklärt der Kammerchef.

Umgekehrt schlägt sich die angespannte Lage der Automobilindustrie inzwischen erkennbar in den Ausbildungszahlen des Handwerks nieder: Die Berufe Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker:in, Fahrzeuglackierer:in, Automobilkaufmann:frau und Feinwerkmechaniker:in verzeichnen Rückgänge in den neuen Ausbildungsverträgen. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei den Kfz-Mechatroniker:innen: Mit 104 Neuverträgen weniger als im Vorjahr verlieren sie erstmals ihren langjährigen Spitzenplatz und rutschen auf Rang zwei der beliebtesten Ausbildungsberufe.

Fachkräfte halten und Perspektiven aufzeigen

Die insgesamt steigenden Ausbildungszahlen seien ein wichtiges Signal. Angesichts des hohen Fachkräftebedarfs und des demographischen Wandels im Handwerk komme es nun darauf an, die jungen Menschen erfolgreich bis zum Berufsabschluss zu begleiten. „Für die Betriebe ist der Zuwachs sowohl Anerkennung als auch Auftrag: Sie müssen den jungen Menschen jetzt gute Bedingungen bieten, damit aus dem erfolgreichen Ausbildungsstart auch ein erfolgreicher Berufsabschluss wird“, so Friedrich. Die Ausbildungsberaterinnen und Ausbildungsberater der Kammer unterstützen als unabhängige Ansprechpersonen sowohl die Auszubildenden als auch die Betriebe bei Fragen oder Problemen und helfen dabei, gemeinsam Lösungen zu finden.

Ebenso wichtig sei, dass die ausgebildeten Fachkräfte langfristig dem Handwerk erhalten bleiben. Peter Friedrich appelliert daher an die Betriebe, ihren Nachwuchskräften frühzeitig die Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen: „Wer im Handwerk arbeitet, kann anspruchsvolle Technik, Kreativität und unternehmerische Verantwortung miteinander verbinden. Von fachlichen Weiterbildungen über den Meistertitel bis hin zur eigenen Betriebsführung stehen viele Türen offen.“ Diese Chancen sprechen zunehmend auch junge Menschen mit höheren Schulabschlüssen an: Jeder oder jede fünfte der neuen Azubi-Generation bringt ein Abitur oder eine Fachhochschulreife mit.

Handwerkskammer unterstützt Azubis und Betriebe

Um junge Menschen frühzeitig für die vielfältigen Karrierewege im Handwerk zu begeistern, habe die Handwerkskammer ihr Berufsorientierungs-Team weiter ausgebaut. Dabei setze sie auf moderne und interaktive Formate, wie ein Escape Game und den Einsatz von Virtual-Reality-Brillen oder der App Handwerk Heroes, um den Schülerinnen und Schülern erste Einblicke in die Vielzahl der verschiedenen Handwerksberufe zu ermöglichen, fasst Friedrich zusammen.

Auch die Betriebe investierten viel in die Gewinnung und Ausbildung des Nachwuchses. Mit der primAQ-Zertifizierung unterstütze die Kammer Unternehmen dabei, ihr Engagement sichtbar zu machen und die Qualität ihrer Ausbildung weiterzuentwickeln. Zusätzlich biete das zweimal jährlich stattfindende Ausbilderfrühstück eine Plattform für Austausch, Information und Vernetzung.

Berufliche Bildung stärken

Das Ausbildungsplus darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Fachkräftemangel eine der größten Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft bleibt, warnt Friedrich: „Noch immer bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Oft ist es schwierig, Betriebe und Bewerberinnen oder Bewerber passgenau zusammenzubringen oder es fehlt an Grund- und Sprachkompetenzen bei jungen Menschen.“ Deshalb brauche es gerade jetzt gezielte Unterstützung in Schulen und eine bessere Vermittlung zwischen Jugendlichen und Betrieben. Die Fördermittel der Unterstützungsprogramme wie „Passgenaue Besetzung“ bis 2027 einzustellen, sende dagegen ein falsches Signal.

„Die großen Zukunftsaufgaben lassen sich nur mit gut ausgebildeten Fachkräften bewältigen. Wer Klimaschutz, Wohnungsbau und moderne Infrastruktur will, muss deshalb auch in die berufliche Bildung investieren“, fordert Peter Friedrich. Dazu gehörten insbesondere moderne Bildungszentren, die technisch mit den Anforderungen der Arbeitswelt Schritt halten können. Bund und Länder müssten deshalb dauerhaft deutlich mehr Mittel für die Modernisierung und digitale Ausstattung bereitstellen. „Die Ausbildung der Fachkräfte von morgen darf nicht an veralteter Infrastruktur scheitern“, so der Kammerchef.

Neue Ausbildungsverträge, Stand 27. August 2026

  2025
(Stand 26.08.)
2026
(Stand 27.08.)
Zunahme/ Abnahme Veränderung in %
Weiblich (inkl. divers) 698 700 2 0,3
männlich 2.592 2.763 171 6,6
Gesamt 3.290 3.463 173 5,3

Neue Ausbildungsverhältnisse nach Landkreisen, Stand 27. August 2026

  2025
(Stand 26.08.)
2026
(Stand 27.08.)
Zunahme/ Abnahme Veränderung in %
Stadtkreis Stuttgart 597 648 51 8,5
Landkreis Böblingen 468 501 33 7,1
Landkreis Esslingen 623 665 42 6,7
Landkreis Göppingen 373 402 29 7,8
Landkreis Ludwigsburg 636 671 35 5,5
Landkreis Rems-Murr 593 576 -17 -2,9
Gesamt 3.290 3.463 173 5,3

 

PM Handwerkskammer Region Stuttgart

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