Am 26. August 1921 wurde Matthias Erzberger von Rechten ermordet. Erzberger unterzeichnete 1918 den Waffenstillstand mit den Alliierten und fiel schon vorher als konservativer Brückenbauer auf, was rechtsextremen Kräften ein Dorn im Auge war.
Auch zu Beginn der Weimarer Republik setzte er sich für Aussöhnung ein und fiel als Mann der Verständigung auf, was sein Todesurteil sein sollte. Als „Schrittmacher des Parlamentarismus in einem antiparlamentarischen Verfassungssystem“ (Theodor Eschenburg) fand Erzberger postum, vor allem in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, eine große Würdigung. Nach Eschenburg war er „eine der wenigen Märtyrergestalten in der deutschen Geschichte vor der Hitlerdiktatur“.
Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble zählte Erzberger an seinem 100. Todestag 2021 „zu den herausragenden Persönlichkeiten der deutschen Demokratiegeschichte und zu den großen Staatsmännern der jungen Weimarer Republik“. Er habe „den Übergang vom Kaiserreich zur Republik, vom Krieg zum Frieden entscheidend geprägt“. Und schon der Vorfall damals hätte zeigen müssen, wozu rechte Kräfte fähig waren und, dass man sie mit allen Mitteln bekämpfen muss, bevor sie irgendwann an die Macht kommen. Menschen wie Matthias Erzberger sollten uns allen Vorbild sein, in richtigen Momenten immer das Richtige zu tun und uns für Demokratie und Ausgleich einzusetzen.
Am 28. August 1941 fand das Massaker von Kamenez-Podolski in der gerade erst von den Achsenmächten besetzten Ukraine an Juden statt.
Dabei ermordeten Angehörige des deutschen Polizeibataillons 320 und Mitglieder eines „Sonderaktionsstabes“ des Höheren SS- und Polizeiführers (HSSPF) rund 23.600 Juden. Zuvor hatte Ungarn einen Großteil der Opfer dorthin deportiert. Das Massaker war die bis dahin größte Mordaktion des Holocaust. Es gilt als ein entscheidender Schritt von der selektiven Mordpolitik zur angestrebten vollständigen Auslöschung des Judentums. Dabei zeigte sich auch, wie tief Ungarn in die kriegerischen Verbrechen verstrickt war, woran sich heute kaum noch einer erinnern will. Aber es führt uns auch vor Augen, wie sich der Holocaust seit 1933 entwickelt hat und, dass der Wahnsinn noch mehr zunehmen würde. Solche fürchterlichen Ereignisse müssen ins kollektive Gedächtnis der Welt einprägen, damit sich Geschichte nicht wiederholt.
Im August 1991 beschleunigte sich der bereits eingesetzte Zerfall der Sowjetunion. Zwar scheiterte ein Putschversuch kommunistischer Hardliner gegen die Regierung um Michail Gorbatschow. Aber das Riesenreich war nicht mehr zu halten und immer mehr Teilrepubliken erklärten ihre Unabhängigkeit.
Der ehemals totalitäre Schurkenstaat hat seinen Einfluss auf Osteuropa schon längst verloren und war auch keine Supermacht mehr. Der einstige Riese, der weltweit Angst und Schrecken verbreitete, war nur noch ein Schatten seiner selbst und stand kurz vor dem Zusammenbruch. Für die baltischen Staaten war der Weg in den Westen und in die Demokratie frei, für die Ukraine begann ein bis heute steiniger und blutiger Weg, für Weißrussland war die Freiheit nur kurz, da Alexander Lukaschenko und Schergen bald die Macht ergreifen sollten und für Russland bedeutete es Jahre des Chaos. Dieses Chaos sollte den Weg für das System Putin ebnen, denn er und seine Schergen waren damals eine Art Retter aus der Krise – auch ich habe das als Jugendlicher und junger Erwachsener damals so empfunden. Aber auf lange Sicht wollten sie die Restauration der Sowjetunion als rechtsautoritären Staat – und das bekommt gerade besonders die Ukraine zu spüren. Und da dürfen die freien Völker der Welt nicht wegschauen und müssen ihre ukrainischen Brüder und Schwestern unterstützen.
Die drei in diesem Wort erwähnten Ereignisse haben zwar nichts direkt miteinander zu tun, stehen aber in einer Kette von Ereignissen.
Rechtsnationale Kräfte, die den Musterdemokraten Matthias Erzberger 1921 ermordeten, übernahmen später die Macht in Deutschland. Diese führten mit Ungarn – und anderer Staaten – einen Vernichtungskrieg und machten dadurch die Sowjetunion erst groß. Die Sowjetunion machte den Zweiten Weltkrieg durch ihr Bündnis mit NS-Deutschland erst möglich und durch ihren Zerfall versuchte der Nachfolgestaat Russland, mit deren Mitteln wieder zur Weltmacht zu werden. Ungarn war bis vor kurzem eine Art informeller Verbündeter Russlands und kehrt jetzt zurück in die Gemeinschaft der freien Völker. Die Geschichte muss uns lehren, dass man mit Rechten keine gemeinsame Sache macht und sie erst recht nicht wählt. Das Ergebnis ist nicht das Erstarken der eigenen Nation, sondern das Verderben. Aufrichtige Konservative wie Matthias Erzberger haben das bereits vor über 100 Jahren bemerkt und gezielt die Mitte gestärkt. Dies muss auch das Credo unserer heutigen Zeit sein.
Matthias Kunz