Nächtliche Flugshow der Fledermäuse mit dem NABU erleben

Rund um die Batnight am 29./30. August laden Veranstaltungen zum Beobachten ein – 9 von 21 Südwest-Arten leben ganz in unserer Nähe

Braunes Langohr im Flug

Zur jährlichen Internationalen Batnight Ende August laden viele NABU-Gruppen in Baden-Württemberg zu Vorträgen, Führungen und Ausstellungen ein, um die spannenden kleinen Säugetiere besser kennenzulernen und live zu erleben, etwa am Stuttgarter Max-Eyth-See, in Breisach oder an der Sontheimer Höhle. Bis in den September sind Fledermäuse aktiv und es gibt Aktionen. Mehr Infos und alle Termine gibt es unter www.batnight.de.

Neun Fledermausarten leben im Südwesten in unmittelbarer Nähe des Menschen – in Parks, auf Friedhöfen, in Kirchtürmen, Dachstühlen oder Fassadenspalten – und kommen hervor, wenn es dunkel wird. Neben den häufigen Zwergfledermäusen sind das zum Beispiel Mücken-, Breitflügel- und Weißrandfledermaus, Bartfledermäuse, das Große Mausohr oder das Graue Langohr. Ihre Beute finden sie etwa in Parks, auf Streuobstwiesen, in naturnahen Gärten, an Hecken oder am Waldrand. Wenn es dämmert, schwirren sie aus und jagen im spektakulären Zick-Zack-Kurs über den Nachthimmel, was sich in vielen Städten und Dörfern gut erleben lässt. Mit Echoortung spüren sie blitzschnell kleine Insekten im Flug auf. Dabei rufen sie im Stakkato Laute im Ultraschallbereich. Das Echo ihrer Umgebung fangen sie mit ihren großen Ohren auf. Es leitet sie im Flug, lässt sich von uns Menschen aber nur mithilfe eines Fledermausdetektors hören und den verschiedenen Arten zuordnen.

Junge Fledermäuse in der Wohnung

Die jährliche Batnight Ende August markiert die Schwärmzeit der Fledermäuse. Dann verlassen die fliegenden Säugetiere ihre Sommerquartiere und suchen nach Zwischen- und Winterquartieren, die sie gemeinsam umschwärmen: „Das ist ähnlich wie vor einem angesagten Musikclub – draußen tummeln sich teils hunderte Fledermäuse, treffen sich zur Partnerfindung und weisen den neuen Jungtieren den Weg zum attraktiven Unterschlupf“, berichtet NABU-Fledermausexperte Robert Pfeifle. Mitunter verirren sich dann unerfahrene und neugierige Jungtiere, einzeln oder in Gruppen, in menschliche Wohnungen. Pfeifle rät bei solchen Einflügen zu Gelassenheit: „Meist handelt es sich um die bei uns häufige Zwergfledermaus. Bitte das Licht ausschalten und die Fenster weit öffnen, damit die Tiere wieder hinausfinden. Dann die Fenster schließen und in allen kleinen Spalten suchen. Eventuell verbliebene Tiere vorsichtig mit Handschuhen aufnehmen, bis zum Abend in eine Schachtel mit Luftlöchern setzen und später im Freien abfliegen lassen.“

5 Tipps für mehr Fledermaus-Schutz:

  • Wissen aneignen: „Wir können nur effektiv schützen, was wir kennen. Je mehr wir die Bedürfnisse der Tiere verstehen, desto besser“, sagt Robert Pfeifle. „Leider sind die allesamt harmlosen Fledermäuse – 21 der 25 bundesweiten Arten leben im Südwesten – immer noch vielen Vorurteilen ausgesetzt. Alle Arten sind gefährdet und vier sogar vom Aussterben bedroht. Damit sie überleben können, brauchen sie vielfältige giftfreie Landschaften und Gärten.“
  • Licht sparen: Künstliches Licht kann Jagd- und Flugwege stören. Fledermausfachmann Pfeifle rät deshalb, Außenbeleuchtung nachts auszuschalten oder nur gezielt und kurz zu nutzen. „Im Garten bitte möglichst komplett auf Beleuchtung verzichten. Und damit aus dem Innenbereich wenig Licht nach außen fällt, hilft es, Rollläden zu schließen“, ergänzt er. Weitere Infos: www.NABU-BW.de/lichtverschmutzung
  • Quartiere erhalten: Fledermäuse leben oft unbemerkt in der Nachbarschaft, auf Dachböden, in Gewölbekellern, hinter Fensterläden oder Fassaden. Damit ihr Versteck erhalten bleibt, sollten Renovierungen an Häusern gut geplant werden und Ersatzquartiere rechtzeitig entstehen, etwa Fledermausbretter, Flach- oder Höhlenkästen. Auch Kommunen können ihren Beitrag leisten und werden dabei durch das Projekt „Mensch.Natur – natürlich zusammen leben.“ vom NABU unterstützt.
  • Fledermausfreundliche Umgebung schaffen: „Fledermäuse leben nicht von Luft und Liebe, sie brauchen Insekten und diese leben nur in einer pestizidfreien, vielfältigen Natur“, sagt Pfeifle. Zwergfledermäuse etwa fressen rein rechnerisch mehr als 1.000 Kleininsekten, wie zum Beispiel Stechmücken, pro Nacht. Spezialisten, wie das Langohr und die Fransenfledermaus, jagen Nachtfalter, das Große Mausohr Laufkäfer. Neben insektenreichen Jagdgebieten brauchen sie frostfreie Winterquartiere, Wochenstuben für die Familienzeit im Sommer und Tagesverstecke in Baumhöhlen oder Mauerritzen. Damit Fledermäuse die insektenfreie Jahreszeit gut überstehen, müssen sie sich Fettreserven anfuttern, bevor sie den Winter verschlafen.
  • Fledermausbeet anlegen: Fledermäuse fühlen sich am wohlsten in einem vielfältig gestalteten Garten, der für Insekten attraktiv ist. „Ein Fledermausbeet mit nachtblühenden, nektarreichen Blütenpflanzen, zum Beispiel Leimkraut, Seifenkraut und Wegwarte, ist wie ein Feinschmeckerlokal für die Tiere“, berichtet Pfeifle. „Durch ihren intensiven Duft locken die Pflanzen Nachtfalter an, Leibspeise vieler Fledermausarten.“ Weitere Infos: Garten fledermausfreundlich gestalten

 

Veranstaltungs-Hinweis:

Kostenfreier Online-Vortrag zum fledermausfreundlichen Gärtnern am 17. September: www.MenschNatur.org/webinar

Foto von Dietmar Nill

 

PM NABU (Naturschutzbund Deutschland), Landesverband Baden-Württemberg e. V.

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