Niedrigwasser: Rhein und Neckar brauchen mehr Natur statt mehr Tiefe

NABU und Fischereiverband BW fordern Investitionen in klimaresiliente Flüsse statt ausgebaggerter Fahrrinnen .

Angesichts zunehmender Niedrigwasserprobleme im Rhein sowie an weiteren Flüssen fordern NABU und Landesfischereiverband (LFVBW) in Baden-Württemberg die Landes- und Bundesverkehrsmister dazu auf, ein Flusskonzept anzustreben, das den Naturschutz nicht außen vorlässt. „Einseitige Diskussionen, die den Ausbau und die Vertiefung von Wasserstraßen als alleinige Lösung verkaufen, werden den künftigen Herausforderungen nicht gerecht und gefährden ohnehin bereits geschwächte und technisch massiv veränderte Flusslandschaften“, stellt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle klar. Gemeinsam mit dem Landesfischereiverband fordert er Bundesverkehrsminister Steffen Bilger auf, eine Niedrigwasserstrategie vorzulegen, die den Naturschutz mitdenkt.

„Eine Badewanne wird nicht dadurch voller, indem sie tiefer wird. Würde der Rhein weiter ausgebaggert werden, hätte das negative Folgen für den Grundwasserspiegel, das Ökosystem, die Menschen und die Landwirtschaft am Rhein“, stellt LFVBW-Geschäftsführer Reinhart Sosat fest. „Wenn die Strömung auf eine kleinere Rinne konzentriert wird, kann das dazu führen, dass sich der Fluss immer tiefer eingräbt, mit weiteren Folgen. Grundwasserstände senken sich weiter ab und die Verbindung zwischen Fluss und Auen verschlechtert sich. Lebensräume im und am Fluss geraten zusätzlich unter Druck. Wenn wir den Rhein weiter vertiefen, graben wir uns über kurz oder lang selbst das Wasser ab“, warnt Sosat.

Die anhaltende Dürre in Mitteleuropa und die Niedrigwasserpegel zeigen deutlich, wie stark der Klimawandel die Flüsse bereits heute verändert. Zahlreiche Studien und Fachleute weisen darauf hin, dass das Potenzial des Rheins als verlässliche Transportachse in den kommenden Jahrzehnten weiter abnehmen wird. Niedrigwasserphasen würden häufiger und länger auftreten, Gletscher- und Schmelzwasserabflüsse aus den Alpen sinken und werden früher oder später gänzlich versiegen.

„Jahrzehntelang wurden Flüsse baulich stark verändert, um sie für immer größere Schiffe passierbar zu machen. Dieses Konzept führt nun auch wirtschaftlich in eine Sackgasse”, so Reinhart Sosat.

„Viele große Flüsse wie Rhein, Main und Neckar sind heute ökologisch stark verarmt und erwärmen sich bei Niedrigwasser extrem. Statt sie weiter zu belasten, sind Maßnahmen nötig, um ihre ökologische Resilienz zu stärken. Flüsse einseitig als Transportstraßen zu betrachten, wird den Herausforderungen der Zukunft nicht gerecht.”

NABU und Landesfischereiverband fordern daher, die Schifffahrt an die Flüsse anzupassen- und nicht umgekehrt. NABU-Landeschef Enssle sagt dazu: „Bauprojekte dauern viele Jahre, während Extremwetter und sinkende Wasserstände den technischen Lösungen längst davonlaufen. Wir brauchen keine Milliardeninvestitionen in immer größere Schiffe, tiefere Fahrrinnen und breitere Schleusen. Stattdessen muss die Schiffsflotte an die künftige Situation angepasst und stärker in den Schienengütertransport investiert werden.“ Nötig seien zudem deutlich mehr Investitionen in die Revitalisierung von Flüssen: „Der Rhein braucht seine Auen zurück, damit er Wasser großflächig speichern kann. Das beugt Hochwasser und Niedrigwasser gleichermaßen vor, stabilisiert die Grundwasserspeicher und hilft damit Menschen, Wirtschaft und Natur entlang der Flüsse“, ergänzt der Rhein-Experte und Gewässerökologe Volker Späth.

Hintergrund:

In Baden-Württemberg gibt es rund 550 Kilometer Bundes- und Landeswasserstraßen, auf denen 2025 laut Destatis 24,9 Millionen Tonnen Güter transportiert wurden. Rund ein Fünftel der Gütermengen wird in Deutschland über die Schiene transportiert. Auf Flüssen werden ca. neun Prozent der Güter im Südwesten transportiert, weit davor liegt mit etwa 18 Prozent die Schiene. Auf der Straße werden etwa 73 Prozent der Güter befördert. Die Gewässer im Land haben als Folge fehlender Niederschläge und mehrerer Hitzeperioden aktuell extrem niedrige Wasserstände, mit voraussichtlich weiter sinkenden Pegeln.

Weitere Infos zu Deutschland im Wasserstress

NABU BW zu Gewässerschutz

 

PM NABU (Naturschutzbund Deutschland) Landesverband Baden-Württemberg e.V.

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://filstalexpress.de/wirtschaft/211364/niedrigwasser-rhein-und-neckar-brauchen-mehr-natur-statt-mehr-tiefe/

Schreibe einen Kommentar