Das politische Wort zum Samstag über 90 Jahre Olympia Berlin, 80 Jahre Friedenskonferenz Paris, 75 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention und die Lage in Südamerika

Diese Woche gab es so viele historische und aktuelle Ereignisse, dass ich mich auf die wichtigsten beschränken muss.
Eines davon waren die Olympischen Spiele von Berlin im August 1936:
„Schöner Schein für alle, die nicht hinschauen.“ Genau das waren die Spiele, eine Inszenierung des NS-Regimes, das der Welt etwas vorspielte und damit von seiner wahren Identität und seinen wahren Zielen abzulenken – Hass, Verfolgung, Rassenwahn und Krieg. Bereits seit Jahren in Deutschland vollzogen, sollte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis halb Europa darunter zu leiden hatte. Mit den Spielen konnten sich Hitler und Schergen eine Blaupause verschaffen, weil sich die Welt blenden ließ – oder blenden lassen wollte. 2 Jahre später brannten Synagogen, 3 Jahre später Warschau, 4 Jahre später Rotterdam, 5 Jahre später Leningrad. Aus meiner Sicht sind Olympische Spiele bis heute Inszenierungen, die von realen Problemen ablenken sollen, alles andere als nachhaltig und spielen immer mehr autokraten Systemen in die Hände. Vielleicht sollte man sie einfach abschaffen, bevor sich Berlin 1936 wiederholt. Ich werde hier keine Propagandafilme posten, aber ich empfehle die von Leni Riefenstahl von den damaligen Spielen, um sich selbst ein Bild von der Blendung der damaligen Zeit zu machen.
Am 28. Juli 1946 startete die Pariser Friedenskonferenz, auf der die Folgen der deutschen Verbündeten Italien, Rumänien, Ungarn, Finnland und Bulgarien festgelegt werden sollten. Abgesehen von Bulgarien, dessen Rolle irgendwie dubios war, hätte ohne diese Staaten der Krieg niemals so fürchterlich enden können, so dass diese NS-Schergen aus meiner Sicht damals – abgesehen von Rumänien, dass große Gebiete an die Sowjetunion abtreten muss – zu glimpflich davon kamen. Zwar mussten Reparationen an die Sowjetunion – und teilweise auch an andere osteuropäische Staaten – gezahlt werden, aber das war es weitestgehend auch schon, abgesehen von kleinen territorialen Veränderungen.
Das faschistische Italien war schon vor NS-Deutschland in Angriffskriege verwickelt und wich erst ab, als die drohende Niederlage nicht mehr abzuwenden war. Ungarn vollzog diesen Schritt nicht einmal, als sowjetische Truppen bereits in Siebenbürgen standen und auch Finnland wurde vom Opfer zum Täter. Rumänien zahlte zwar indirekt einen hohen Preis, da das Land in den Karpaten später Jahrzehnte unter dem Terrorregime von Nicolae Ceausescu litt, hat aber seine Geschichte nie wirklich aufgearbeitet und wenn man sieht, wie extremistische Herrschaftssystem von großen Teilen der Bevölkerung bis heute verehrt werden, vermutlich auch nichts aus dieser gelernt. Gleiches gilt für Ungarn, dass sich jetzt erst langsam von der Herrschaft von Fidesz löst und Italien, das sich mit Giorgia Meloni einen weiblichen Duce gewählt hat. Damals wurde eine große Chance verpasst, wenn man den NS-Vasallen die Schuld besser vor Augen geführt und nicht alles auf Deutschland abgewälzt hätte.
Am 27. Juli 1951 trat die Genfer Flüchtlingskonvention in Kraft:
Da meine Großeltern zweimal auf der Flucht waren, nach dem Krieg und als sie 1953 unter Lebensgefahr in die BRD kamen, betrifft mich das Thema selbst und ich kann diese Konvention nur begrüßen, da sie auf dem Papier eine gute Sache ist. Deutschland und auch andere Staaten profitieren indirekt bis heute davon, da sie dadurch ständig neue Fachkräfte bekommen. Aber auch aus humanitären Gründen war dieser Schritt richtig. In der Praxis läuft natürlich nicht alles rund, da es immer Staaten geben wird, die sich rausnehmen und andere, die übermäßig belastet werden. Und natürlich hat auch nicht jeder ein Recht auf Asyl, aber wenn ich sehe, wie in der EU teilweise Menschen auf dem Meer ertrinken, dann ist das einfach nur menschenverachtend. Von mir aus soll man an den EU-Außengrenzen Flüchtlingslager errichten, in denen die Anträge geprüft werden – aber bitte unter menschlichen Bedingungen, wie es die Konvention vorschreibt. Aber humanitäre Bedingungen dürfen nicht auf der Strecke bleiben.
Ein Vorfall, der fast unterging, ist die Zurückrufung des brasilianischen Botschafters aus Argentinien:
Ich finde diesen Schritt gut und richtig, da Javier Mileis Politik und Verhalten unter aller Sau ist. Brasilien hingegen ist auf einem guten Weg, während Argentinien auf einem dunklen ist. Es gibt bereits Anzeichen dafür, dass der Stern von Milei am sinken ist. Argentiniens Geschichte ist von Aufs und Abs geprägt und vielleicht ist jetzt wieder einmal ein Wendepunkt erreicht. Es ist diesem doch so stolzen Land nur zu wünschen, dass es sich an seinem Nachbarn Brasilien orientiert, sich mit demokratischen Mitteln mit Hilfe des Rechtsstaats von der Tyrannei befreit. Sonst werden die Antipathien, die sich die Südamerikaner bereits während der WM zugezogen haben, noch weiter zunehmen.
Zwischen Berlin 1936 und Paris 1946 lagen zehn Jahre voller Krieg, Leid und Elend. Bis Genf 1951 konnten diesen fürchterlichen Folgen zumindest teilweise überwunden werden, aber leider gibt es in den letzten Jahren immer mehr besorgniserregende Tendenzen – nicht nur in Buenos Aires. Wir müssen uns an den positiven Tendenzen Brasiliens orientieren und uns auf das besinnen, was unser Leben lebenswert macht: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Humanität, Frieden und Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit. Sonst bekommen die Javier Mileis dieser Welt wieder die Oberhand und führen uns in eine noch dunklere Zukunft. Und das kann niemand wollen!
Marcel Kunz

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