- Klimaschutz muss vorrangiges Regierungsziel werden
- BUND mahnt schnelle Einigung bei der Klimaschutzmilliarde an
- Schutz und Anpassung kritischer Infrastruktur wie Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen wichtig
Noch steckt vielen Menschen die vergangene Hitzewelle in den Knochen, da kündigt sich in Deutschland bereits die zweite ungewöhnliche Hitzewelle dieses Jahres an. Die hohen Temperaturen haben nach aktuellen Schätzungen fast 8000 Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Fest steht: Jeder Hitzetote ist einer zu viel.
Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesvorsitzende des BUND Baden-Württemberg: „Machen wir doch ein kurzes Gedankenexperiment und stellen uns vor, ein anderes Ereignis hätte fast 8000 Tote in Deutschland zur Folge gehabt. Ich bin mir sicher, die Republik wäre umgekrempelt worden, zahllose Gesetzesvorschläge und Maßnahmen wären diskutiert worden, neue Einrichtungen und Behörden geschaffen. Stattdessen ein paar zarte Andeutungen zum Hitzeschutz und ansonsten in Deutschland wie in Baden-Württemberg der laute Dreiklang ‚Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft‘!“
Fünf verlorene Jahre für den Klimaschutz?
Ein Blick auf die Agenda der Landesregierung macht deutlich, wie die Prioritäten gesetzt sind: Im Koalitionsvertrag ist die Aufweichung der Sektorziele in Baden-Württemberg genauso beschlossene Sache wie die weitere Flächenversiegelung nach den Bedürfnissen von Industrie und Gewerbe. So drohen die kommenden fünf Jahre zu verlorenen Jahren für den Klimaschutz zu werden.
Angesichts der jüngst festgestellten Zielverfehlung bei der Treibhausgaseinsparung darf die Landesregierung nicht tatenlos zuschauen, während wir unseren Planeten weiter aufheizen.
Klimaschutz muss vorrangiges Regierungsziel werden
Sylvia Pilarsky-Grosch findet daher deutliche Worte: „Wir fordern Ministerpräsident Cem Özdemir auf, wirksamen Klimaschutz und den Schutz der Menschen vor den Folgen der Erderhitzung endlich zu einem vorrangigen Regierungsziel zu machen. Die konkreten Vorschläge liegen auf dem Tisch, die Technologien sind da.“
Zu den jetzt notwendigen Klimaschutzmaßnahmen gehört, den Klimaschutz als kommunale Pflichtaufgabe festzuschreiben. Außerdem braucht es eine schnelle Einigung bei der Klimaschutzmilliarde, die im Koalitionsvertrag vereinbart wurde. Diese darf keinesfalls zu Lasten bestehender Vorhaben zum Klimaschutz gehen, sondern sollte sinnvoll eingesetzt werden, etwa um gemeinschaftliche Wärmelösungen zu unterstützen. Zwischenziele auf dem Weg zur Klimaneutralität dürfen keinesfalls abgeschwächt werden.
Um die Menschen vor den Folgen der Erderhitzung zu schützen sind insbesondere der Schutz und die Anpassung kritischer Infrastruktur wie Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen wichtig. Ebenso wichtig sind naturbasierte Maßnahmen: mehr Bäume, mehr Grün und der konsequente Ausbau blau-grüner Infrastruktur. Sie können Städte und Gemeinden abkühlen, Menschen vor extremer Hitze schützen, die Biodiversität stärken und zugleich einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Mehr Informationen:
- Grafikangebot: Baden-Württembergs Treibhausgasemissionen (bei Nennung der Quelle frei zur Verwendung)
- Klimabilanz 2025 des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg
- Vergleich Klimaschutz in den Koalitionsverträgen 2021 und 2026
PM Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg