foodwatch: Gesundheitsminister Linnemann muss Zuckersteuer zügig einführen – Fanta, Capri-Sun, Schweppes & Co. enthalten in Großbritannien nur halb so viel Zucker

Die Verbraucherorganisation foodwatch fordert den designierten Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann auf, die geplante Zuckersteuer rasch einzuführen. Seine Amtsvorgängerin Nina Warken hatte eine nach Zuckergehalt gestaffelte Steuer nach britischem Vorbild angekündigt. Sie soll am 1. Januar in Kraft treten. Viele Hersteller fordern dagegen eine längere Übergangsfrist. Ein Marktvergleich von foodwatch zeigt die Wirkung der britischen Zuckersteuer: Viele bekannte Erfrischungsgetränke enthalten dort nur etwa halb so viel Zucker wie in Deutschland.

„Großbritannien beweist: Die Zuckersteuer wirkt. Wer sich in England eine Fanta gönnt, nimmt knapp halb so viel Zucker zu sich wie in Deutschland. Die Zuckersteuer führt nicht zwangsläufig zu höheren Preisen – sondern zu gesünderen Rezepturen”, sagte Luise Molling von foodwatch. „Im Kampf gegen Adipositas und ernährungsbedingte Krankheiten haben wir keine Zeit zu verlieren: Carsten Linnemann muss die Zuckersteuer nach britischem Vorbild gestalten und schnellstmöglich einführen.”

Der foodwatch-Vergleich: So senkt die Steuer den Zuckergehalt

  • Fanta Orange (Coca-Cola): In Deutschland stecken 7,6 Gramm Zucker in der Fanta – in Großbritannien dank Zuckersteuer nur noch 4,5 Gramm pro 100 Milliliter.
  • Sprite (Coca-Cola): Deutsche Verbraucher:innen nehmen pro 100 Milliliter Sprite 7,9 Gramm Zucker auf – in Großbritannien sind es mit 4,4 Gramm knapp halb so viel.
  • Schweppes Indian Tonic Water: Auch das Tonic Water von Schweppes ist in Großbritannien mit 4,9 Gramm deutlich weniger zuckrig als in Deutschland, wo es 7,9 Gramm enthält.
  • Schweppes (American) Ginger Ale: Ähnlich sieht es beim Ginger Ale von Schweppes aus: Hier sind in Großbritannien auf 100 Milliliter 4,8 statt 7,9 Gramm Zucker enthalten.
  • San Pellegrino Limonata: Die Zitronenlimonade von San Pellegrino enthält in Großbritannien nur noch 4,5 Gramm, in Deutschland ganze 8 Gramm Zucker.
  • San Pellegrino Aranciata: Bei der Orangenlimonade von San Pellegrino spart man noch etwas mehr Zucker, wenn man sie in London statt in Berlin trinkt. Denn dort enthält sie 4,4 statt 8,1 Gramm Zucker.
  • Capri Sun Orange: Die Capri Sun Orange enthält in Großbritannien etwa halb so viel Zucker wie in Deutschland, nämlich 4,4 Gramm statt 8 Gramm.
  • Capri Sun Mango Maracuja: Den größten Unterschied gibt es in der Stichprobe bei der Capri Sun Mango Maracuja. Sie enthält in Großbritannien nur 1 Gramm Zucker. In Deutschland dagegen 8,1 Gramm.
  • ALDI Cola: Bei den Eigenmarken von Aldi hat die Vive Cola des britischen Konzernzweigs die Nase vorn: Sie enthält 4,9 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. In der River Cola von Aldi Nord stecken dagegen 9,2 Gramm.
  • Freeway (Lidl): Die deutsche Eigenmarken-Cola von Lidl enthält 9,2 Gramm, die britische Variante nur 4,5 Gramm Zucker.

Die Hersteller ersetzen den Zucker in allen untersuchten Getränken durch Süßstoffe. foodwatch kritisiert diese Entwicklung. Die Bundesregierung soll deshalb auch Süßstoffe in die Steuer einbeziehen, fordert die Verbraucherorganisation. So schafft sie einen Anreiz für Getränke, die insgesamt weniger süß sind.

Einige haben ihre Rezepturen nicht verändert und zahlen in Großbritannien deshalb die Abgabe. Monster und Red Bull enthalten in beiden Ländern jeweils 11 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Die klassische Coca-Cola enthält 10,6 Gramm. Andere Getränke unterschreiten bereits mit ihrer deutschen Rezeptur die britische Steuerschwelle. Dazu gehören Lipton Ice Tea Peach mit 3 Gramm und die klassische Pepsi mit 4,5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter.

Noch-Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hatte angekündigt, dass sich die Bundesregierung bei der Zuckersteuer an den Vorschlägen der Finanzkommission Gesundheit orientieren wird. Die Expertenkommission schlägt eine nach Zuckergehalt gestaffelte Steuer für Getränke nach dem Vorbild Großbritanniens vor. Hersteller sollen künftig 26 Cent pro Liter zahlen, wenn Getränke mehr als 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthalten, ab 8 Gramm Zucker sind es 32 Cent. In Großbritannien haben viele Hersteller ihre Rezepturen geändert, um die Abgabe zu vermeiden. Seitdem sank der durchschnittliche Zuckergehalt von Softdrinks um rund 30 Prozent. Auch die Bevölkerung nahm weniger Zucker über Softdrinks auf.

Quellen und weiterführende Informationen:

 

PM foodwatch e.V.

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://filstalexpress.de/freizeit/210714/foodwatch-gesundheitsminister-linnemann-muss-zuckersteuer-zuegig-einfuehren-fanta-capri-sun-schweppes-co-enthalten-in-grossbritannien-nur-halb-so-viel-zucker/

Schreibe einen Kommentar