Göppingen hat gemotzt – und zugehört: Motzbude auf dem Marktplatz war ein voller Erfolg

Sicherheit in der Innenstadt, Kommunalpolitik, Tierschutz, Fragen zu Zuwanderung und gesellschaftlichen Werten, Rechtsextremismus, Bildung, Kultur, Wirtschaft – und ganz alltägliche Ärgernisse wie Müll, fehlende Schattenplätze oder E-Scooter auf Gehwegen: Die Themen, welche die Bürger vor Kurzem bei der Aktion „Motzbude“ auf dem Marktplatz bewegten, waren so vielfältig wie die Stadt selbst.

Rund 24 ausgebildete Dialog-Botschafter empfingen dort in zwei Zeitslots alle, die einfach mal reden wollten. Das Fazit: Die Nachfrage war groß – und die Gespräche gingen tiefer, als viele erwartet hatten. Die vielleicht überraschendste Rückmeldung aus zwei Tagen Dialog: Dankbarkeit – auf beiden Seiten. Bürger bedankten sich für das offene Ohr, Dialog-Botschafter für die ehrlichen Gespräche. Was als Experiment begann, hat etwas in Gang gesetzt.

„Persönlicher Kontakt in Verbindung mit Dialog kann Einsicht und Meinung ändern“ – so fasste eine Teilnehmerin ihre Erfahrung aus den zwei Tagen in einem Satz zusammen. Eine andere schrieb: „Mehr Mut zum Dialog, auch in schwierigen Situationen – denn respektvolle Gespräche können Brücken bauen und Demokratie stärken.“ Besonders bemerkenswert: Mehrere Dialog-Botschafter berichteten, dass Bürger im Gespräch offen waren, ihre Haltungen zu hinterfragen und zu überdenken – ein Zeichen dafür, dass echtes Zuhören wirkt.

Die Dialog-Botschafter hatten am Vortag einen ganztägigen Workshop absolviert – geleitet von Mo Asumang, Bundesverdienstkreuzträgerin, Filmemacherin und Aktivistin, sowie Martin Lubkowitz, Co-Trainer des Vereins Mo:lab. Über 20 Personen aus Bildung, Politik, Verwaltung, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft nahmen teil. In kurzer Zeit lernten sie, polarisierenden Aussagen souverän zu begegnen – und erprobten das Gelernte direkt auf dem Marktplatz. Die Rückmeldungen der Teilnehmer sprechen für sich: Viele wünschen sich eine Fortsetzung – regelmäßige Motzbuden in der Fußgängerzone, Austauschtreffen der Dialog-Botschafter oder den Ansatz auch in Schulen zu tragen. „Ich finde, diese Methode ist total spannend und muss weiter erprobt werden“, schrieb eine Teilnehmerin. Eine andere ergänzte: „Ich wünsche mir, dass die Initiative nicht bei einem Workshop stehen bleibt, sondern langfristig weiterlebt.“

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Göppinger Jugendkulturtage statt und wurde gefördert durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Bundesprogramm „Demokratie leben!“.

PM Stadtverwaltung Göppingen

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