NABU: Wie gut schützt uns die Natur im Südwesten? Neuer Grün-Feucht-Kühl-Index zeigt, wo Landschaften noch kühlen, Wasser speichern und Klimaextreme abfedern

Deutschland verliert die natürliche Schutzfunktion seiner Landschaften: Der jetzt von NABU und ECONICS INSTITUTE in Berlin vorgestellte ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index 2026 zeigt bundesweit, wie leistungsfähig Natur bei Kühlung, Wasserrückhalt und Klimaanpassung ist. Das Ergebnis alarmiert: Viele Regionen verlieren ihre Fähigkeit, Hitze zu mildern, Wasser in der Landschaft zu halten und die Folgen der Klimakrise abzufedern. Auch in Baden-Württemberg zeigt sich, wie wichtig intakte Natur ist. Denn je vitaler, kühler und feuchter, desto leistungsfähiger.  

„Die Auswirkungen der Klimakrise zeigen sich in Baden-Württemberg aktuell erschreckend deutlich – mit landesweiten Niedrigwasserständen bereits Anfang Juli, trockenen Wäldern, Hitzewellen und Temperaturextremen, überlasteten Krankenhäusern, überhitzen Städten und Ernteverlusten“, fasst der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle zusammen. Aber es gibt auch hoffnungsvolle Zeichen: Der ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index, basierend auf Wetter- und Satellitendaten, verdeutlicht: Deutschland wird heißer und trockener. Bundesländer mit intakten Wäldern, Mooren, Auen und Grünflächen können sich glücklich schätzen. Denn die Flächen speichern Wasser, kühlen ihre Umgebung und machen unsere Landschaften widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise. „Im Vergleich zu anderen Bundesländern steht das Ländle aufgrund der Mittelgebirge und des hohen Waldanteils noch vergleichsweise gut da“, so Enssle weiter.

Der Index bewertet Landschaften anhand der drei Faktoren Grün, Feucht und Kühl. Besonders intensiv genutzte Agrarregionen, stark versiegelte Städte und ausgebaute Gewässerräume weisen häufig Defizite auf. Der bundesweite Fünfjahrestrend ist negativ; in den letzten beiden Jahren sind die Werte auch in Baden-Württemberg abgesunken.

„Die Ergebnisse des ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index‘ und seines Veränderungstrends beruhen nicht auf Experteneinschätzungen, sondern werden gemessen. Es werden vor allem große Mengen hochauflösender Satellitendaten eingesetzt. Neu ist auch, dass wir sehr konkret vorschlagen, wo die Natürliche Infrastruktur mit hoher Priorität geschützt, stabilisiert oder wiederhergestellt werden müssen“, sagt Studienautor Prof. Dr. Pierre Ibisch.

Daten zeigen: Grün-blaue Infrastruktur wirkt

„Auch in Baden-Württemberg sehen wir, dass wir unsere natürlichen Ressourcen mit Schutzfunktionen insbesondere in den Ballungszentren rund um Stuttgart und am Oberrhein stärken müssen“, ergänzt NABU-Landeschef Enssle. Gleichzeitig verdeutlicht der Index: Grün-blaue Infrastruktur wirkt. „So zeigt der Schwarzwald laut ECONICS-Index als größter zusammenhängender Naturraum Deutschlands, dass vor allem die Wälder mit naturnaher Bewirtschaftung kühlend auf die Landschaft wirken. Auch die Revitalisierung des Oberrheins, der Moorschutz im Westallgäu und das Entsiegeln und Begrünen von Städten helfen perspektivisch dabei, den Südwesten grüner, feuchter und kühler zu machen“, so Enssle. Im Agrarbereich ist ein Hebel die regenerative Landwirtschaft mit Zwischenfruchtfolgen. „Wo natürliche Prozesse zugelassen und geschädigte Ökosysteme wiederhergestellt werden, können Landschaften ihre Funktionen zurückgewinnen“, fasst der NABU-Landesvorsitzende zusammen.

Dass die Bevölkerung diesen Weg unterstützt, zeigt auch eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des NABU: Fast 85 Prozent der Menschen in Deutschland befürworten das EU-Gesetz zur Wiederherstellung der Natur. Die Ergebnisse unterstreichen den breiten gesellschaftlichen Rückhalt für die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme und für Renaturierungsmaßnahmen als wirksamen Beitrag zum Klima-, Natur- und Hochwasserschutz.

Der NABU fordert Bund und Länder auf, die natürliche Infrastruktur konsequent zu stärken. Dazu gehören die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung, ein Bundesgesetz für Natürliche Infrastruktur sowie mehr Tempo bei der Renaturierung und der Vernetzung von Lebensräumen – auch in Baden-Württemberg.

Hintergrund:

Der ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index 2026 beruht auf der Auswertung und Integration der Spätsommergrünheit der Landoberfläche (satellitenbasierter Index NDVI; September), der Oberflächentemperatur an heißen Tagen (satellitenbasiert) und des Jahresniederschlags (Quelle: Deutscher Wetterdienst). Entstanden ist eine Karte zur Bewertung der Natürlichen Infrastruktur Deutschlands, aus der Maßnahmen zu ihrer Erhaltung, Entwicklung und Wiederherstellung abgeleitet werden können. Mehr Infos:

 

PM NABU Baden-Württemberg

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