Zum 25. Mal hat der Arbeitskreis Heimatpflege im Regierungsbezirk Stuttgart e. V. die Ehrennadel verliehen. Regierungspräsidentin Susanne Bay und Konrad Epple MdL zeichneten vier Persönlichkeiten für ihr herausragendes ehrenamtliches Engagement in der Heimatpflege aus.
Regierungspräsidentin Susanne Bay und der Vorsitzende des Arbeitskreises Heimatpflege, Konrad Epple MdL, haben heute Abend (13. Juli 2026) zum 25. Mal die Ehrennadel des Arbeitskreises Heimatpflege im Regierungsbezirk Stuttgart e. V. verliehen. Geehrt wurden Personen, die sich in besonderer Weise um die Heimatpflege verdient gemacht haben. Die Veranstaltung fand im Europasaal des Regierungspräsidiums Stuttgart in Stuttgart-Vaihingen statt.
„Heimat lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen. Die diesjährigen Trägerinnen und Träger der Ehrennadel bewahren nicht nur Traditionen, sondern entwickeln sie weiter und machen sie für kommende Generationen erlebbar. Ihr ehrenamtliches Engagement stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und zeigt, dass Heimat dort erlebbar wird, wo Menschen sich mit Herz und Tatkraft für ihre Mitmenschen und ihre Region einsetzen“, sagte Regierungspräsidentin Susanne Bay.
Ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet
In diesem Jahr zeichnet der Arbeitskreis Heimatpflege im Regierungsbezirk Stuttgart e. V. zum 25. Mal Personen aus, die sich auf lokaler oder regionaler Ebene auf vielfältige Weise in der Heimatpflege besonders engagiert haben.
Die in diesem Jahr verliehene Auszeichnung erhielten Christl Eberhardt (Langenau), Elke Zinßer (Leonberg), Manfred Bender (Kupferzell) und Andreas Volk (Osterburken).
„Es ist mir sehr wichtig, auch die in der Heimatpflege ehrenamtlich Engagierten, die wir heute nicht auszeichnen können, zu ermutigen, mit ihrem guten Wirken fortzufahren“, ergänzte Regierungspräsidentin Bay.
Informationen zu den Ausgezeichneten
Christl Eberhardt ist Ausbilderin in der musischen Früherziehung von Kindern in der Musikschule Langenau und setzt sich seit 1992 mit großem Engagement im LandFrauen-Chor Langenau ein und hat in dieser Zeit unzählige Aufgaben übernommen. Ob Organisieren von Chorauftritten bei LandFrauenveranstaltungen, im Alb-Donau-Kreis oder darüber hinaus, ob Mitwirkung bei Veranstaltungen im Landwirtschaftlichen Hauptfest in Stuttgart oder Besuchen in Alten- und Pflegeheimen – Christl Eberhardt ist überall dort, wo Gemeinschaft gestärkt wird, präsent.
Besonders hervorzuheben ist ihr unermüdlicher Einsatz in der Sammlung der alten Tracht, genannt dem „Häs“. Sie sammelt unter anderem Leibröcke, Schürzen, Hemden und Stiefelhosen, reinigt diese, näht und bessert aus und stattet so zu Festumzügen Familien der LandFrauen aus. Unter ihrer Federführung wird jedes Stück sorgfältig dokumentiert, geordnet und fachgerecht in Räumlichkeiten der Stadt Langenau verwahrt.
Nachdem 1994 in Langenau das Projekt Faserleinanbau ins Auge gefasst wurde, hat Christl Eberhardt dies übernommen und historisch aufgearbeitet – vom Faserleinanbau, der Verarbeitung, bis zum Faden. 2025 wurde im Rahmen von LEADER Brenzregion abermals eine Aussaat von Faserlein getätigt. Christl Eberhardt übernahm die gesamte Organisation, die händische Pflege des Faserleinfeldes, die Ernte und die richtige Lagerung. Dieser Faserlein dient dazu, dass bei Museumstagen in der Region und im benachbarten Bayern die gesamte Verarbeitung mit den dazu notwendigen historischen Geräten vorgeführt werden kann.
Weiterhin organisiert und begleitet Christl Eberhardt seit zwei Jahrzehnten die Vermittlung des handwerklichen Spinnens am Spinnrad. Christl Eberhardt ist seit 30 Jahren in vielfältiger Weise ehrenamtlich engagiert und bringt sich in hohem Maße für das Gemeinwesen und für die Bildung ein. Sie leistet damit einen sehr wichtigen Beitrag für das Gemeinwohl im ländlichen Raum.
Elke Zinßer ist ausgebildete Zahnarzthelferin und arbeitete von 1995 bis 2013 im Pathologischen Institut des Kreiskrankenhauses Leonberg. Schon während ihres Berufslebens war sie lange Jahre im Ehrenamt tätig und ist bis heute Sanitätshelferin beim Deutschen Roten Kreuz in Stuttgart-Weilimdorf sowie Mitarbeiterin beim psychosozialen Notfallnachsorgedienst im DRK-Kreisverband Böblingen. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Berufsleben engagierte sie sich beim Geburtstagsbesuchsdienst Ü80 der evangelischen Kirchengemeinde in Eltingen.
Ihr besonderes Interesse an Heimatgeschichte und schwäbischer Mundart führte 2014 zu Mitgliedschaften im Bürgerverein Eltingen, Kirbeverein Eltingen und schwäbische mund.art e.V. Elke Zinßer gründete zudem auch einen „Schwäbischen Spielestammtisch“ mit dem Titel „Benoggla ond Gaigle“. Dieser Stammtisch – zunächst im Bistro Domizil, seit 2023 auf dem Leonberger Engelberg – hat sich zu einer festen kulturellen Instanz entwickelt. 2024 wurde der 110. Spielestammtisch gefeiert. Ab 2018 vermittelte und organisierte Elke Zinßer eine weitere Kooperation mit dem Bistro Domizil mit fünf Kleinkunstveranstaltungen „Mund.art im Domizil“ im Kulturkeller.
Bereits im Jahr 2013 veranlasste Elke Zinßer die Redaktion der Leonberger Kreiszeitung zur Aufnahme einer regelmäßigen schwäbischen Kolumne und verfasste bis 2024 zahlreiche Mundartkolumnen unter dem Motto „Schwätz mit LEO“ und gewann eine breite Leserschaft. Als Autorin trat sie zudem bei mund.art-Stammtischen auf und gab bei verschiedenen Veranstaltungen Lesungen. Als Kolumnistin „Dui Sell“ konnte sie zwischen 2021 und 2024 etwa 50 schwäbische Themen in der Sindelfinger Zeitung und Böblinger Zeitung unter die Leute bringen.
Im Verein schwäbische mund.art e.V. bekleidete sie Positionen von Kassenprüferin (2016) bis Beisitzerin des Vorstandes (2019) und koordiniert nun die Zusammenarbeit mit der Komödie im Marquardt. Ihre Arbeit zeigt, wie Mundart, Heimatpflege und Ehrenamt zusammenwirken – auch über Eltingen hinaus.
Manfred Bender ist seit 1984 in verschiedenen Bereichen des Schwäbischen Albvereins aktiv und war seither als Gauwegmeister, Ortsgruppenvorsitzender, Ortsgruppen-Internetwart, Gauinternetwart und Ortsgruppen-Jugendwart tätig.
Von 2021 bis 2025 war Manfred Bender Beisitzer im Vorstand des Schwäbischen Albvereins.
Vor allem in der Wanderwegearbeit war Manfred Bender stets ein zuverlässiger und verantwortungsbewusster Ansprechpartner für die Wegewarte im Schwäbischen Albverein sowie bei externen Kooperationspartnern, beispielsweise bei der Erstellung von Wegekonzeptionen.
Er war bei der Erstellung eines Leitfadens für die Arbeit der Wegewarte beteiligt. Auf Grundlage dieses Leitfadens wurde ein Schulungskonzept für die Wegearbeit entwickelt, das maßgeblich dazu beiträgt, dass die Wanderwege im Vereinsgebiet gut markiert und gepflegt sind. Eine wichtige Voraussetzung, die es ermöglicht, dass viele Wanderer die vielfältige Natur und Kultur unserer Heimat während des Wanderns erleben können.
Ein weiteres Aktionsfeld, das Manfred Bender sehr am Herzen liegt, ist die Volkstanzgruppe im Hohenloher Gau, der er seit vielen Jahren angehört. Bei unzähligen Auftritten ist er als Tänzer und Fahnenschwinger ein essenzieller Teil der Aufführung. Bei wichtigen Veranstaltungen des Schwäbischen Albvereins wird ihm die Standarte anvertraut.
Für sein großes Engagement im Schwäbischen Albverein hat er bereits die Silberne Ehrennadel (1989), das Ehrenschild (2000) und die Georg-Fahrbach-Medaille in Silber (2009) des Schwäbischen Albvereins erhalten. Ihm wurde auch die Silberne Ehrennadel Wanderverband (1995) und die Goldene Ehrennadel Wanderverband (2005) verliehen.
Andreas Volk ist freischaffender Archivdienstleister und Heimathistoriker, der sich mit bemerkenswerter Leidenschaft der Heimatgeschichte Hohenlohes widmet.
Bereits als Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Kupferzell hat er das dortige Gemeindearchiv mit autodidaktisch erworbenen Kompetenzen betreut und den Kontakt zum Kreisarchiv des Hohenlohekreises sowie zum Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein gepflegt. Neben seiner Arbeit führte er privat eigene Forschungen vor allem zur Kupferzeller Geschichte durch und trug diese in Vorträgen und zahlreichen Veröffentlichungen nach außen.
Seit seiner Selbständigkeit als Archivdienstleister unterstützt er vor allem Gemeinden der Region bei Ordnung, Erschließung und Nutzung ihrer Archive. Überdies weitet er sein ehrenamtliches Engagement auf die Heimatforschung aus: Dazu gehören Forschungen, Veranstaltungen, die Mitarbeit in Geschichtskreisen sowie publizistische Tätigkeiten jenseits der Gemeindegrenze. Damit macht er Geschichte greifbar und lebendig.
Er gehört zu den wichtigsten Heimatgeschichtsforschern im Hohenlohekreis. Seine Fähigkeiten im Lesen alter Schriften, seine Kenntnisse historischer Gemeindestrukturen und seine Erfahrung mit Quellen der Frühen Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert machen ihn zu einem gefragten Ansprechpartner für alle möglichen Themen der hohenlohischen Geschichte. Er wird von historisch Interessierten ebenso wie von professionellen Einrichtungen geschätzt.
Sein Forschungsdrang speist sich aus dem Wunsch, Geschichte öffentlichkeitswirksam zu vermitteln. Die meisten Projekte erfolgen ehrenamtlich: Orts- und Archivführungen, Ausstellungen und Vorträge werden oft von ihm initiiert und organisiert. Dabei bleibt die wissenschaftliche Sorgfalt erhalten, während ein breites Publikum angesprochen wird. Beratungen im Archivbereich, Ahnenforschung und Archivworkshops gehören ebenso zu seinem Engagement. So trägt er maßgeblich dazu bei, die Geschichte der Gemeinden Kupferzell, Waldenburg, Bretzfeld, Mulfingen, Forchtenberg und Zweiflingen sichtbar und zugänglich zu machen.
PM Regierungspräsidium Stuttgart