ver.di Baden-Württemberg kritisiert die angekündigten Pläne des Gemeinschaftsbetriebes Redaktion Stuttgarter Zeitung Stuttgarter Nachrichten / ZGS GmbH, weitere 40 Stellen abzubauen und rund 50, langfristig womöglich sogar bis zu etwa 80 Beschäftigte in eine tariflose Gesellschaft zu verschieben, scharf.
Maike Schollenberger, ver.di Landesbezirksleiterin: „Journalismus ohne Journalistinnen und Journalisten ist kein Zukunftskonzept. Wie viele Sparrunden braucht es noch, bis die Konzernführung begreift, dass danach nichts besser ist: Keine Abonnentin wird mit weniger Qualität gehalten, kein Leser geht hinter die Paywall für weniger Tiefe. Nach 25 Tagen Streik konnte die letzte Tarifflucht kurz vor Weihnachten final beendet werden. Halbwertszeit der Einigung ein halbes Jahr. Die Stimmung im Pressehaus ist inzwischen unterirdisch. Die Missachtung der Mitbestimmung werden wir nicht schlucken.“
Am Montag hat die Geschäftsführung des Gemeinschaftsbetriebes Redaktion Stuttgarter Zeitung Stuttgarter Nachrichten / ZGS GmbH Betriebsrat und Belegschaft mitgeteilt, dass etwa 50, langfristig unter Umständen bis zu 80 Mitarbeiter:innen in die „Neue Berliner Redaktionsgesellschaft“ übergehen sollen, ein tarifloses Unternehmen mit derzeit rund einem Dutzend Beschäftigten am Standort Berlin. Künftig soll es auch Standorte in Stuttgart, Ulm oder Oberndorf geben. Die zunächst betroffenen Beschäftigten des Gemeinschaftsbetriebes sollen zum 1. September oder zum 1. Oktober 2026 per Betriebsübergang oder per einzelvertraglicher Regelung übergehen.
Zusätzlich zu dem Übergang der zahlreichen Kolleginnen und Kollegen in die „Neue Berliner Redaktionsgesellschaft“ sollen 40 weitere Stellen abgebaut werden. Wie dieser Stellenabbau stattfinden soll, ist derzeit noch unklar, denn mit dem Betriebsrat hat im Vorfeld – anders als gesetzlich vorgeschrieben – keine Beratung stattgefunden. Verhandlungen über einen Sozialplan lehnt die Geschäftsführung zudem bisher ab. Der Gemeinschaftsbetrieb Redaktion Stuttgarter Zeitung Stuttgarter Nachrichten / ZGS GmbH verliert durch diese Maßnahmen langfristig womöglich fast die Hälfte der derzeitigen Belegschaftsgröße von mehr als 300 Beschäftigten.
Mit der „Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft“ am Standort Stuttgart soll aus Sicht des ver.di-Gewerkschaftssekretärs Uwe Kreft die Tarifflucht weiter vorangetrieben werden.
Uwe Kreft: „Beschäftigte der ZGS GmbH, die sich gerade erst zu Jahresbeginn nach einem erbitterten Arbeitskampf einen Firmentarifvertrag erkämpft haben, werden aus der Tarifbindung herausgerissen und in die tariflose und betriebsratslose Neue Berliner Redaktionsgesellschaft gesteckt. Die Geschäftsführung der Neuen Pressegesellschaft Ulm, die die Medienholding Süd und damit die Stuttgarter Blätter übernommen hatte, übertrifft nach nur einem Jahr die schlimmsten Befürchtungen: Die Rechte der Beschäftigten werden mit Füßen getreten.“
PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg