Die Wilhelma greift einer einheimischen Eulenart unter die Flügel: Dem Steinkauz. Mit einer Förderung in Höhe von 4.000 € hat der Zoologisch-Botanische Garten Stuttgart der Forschungsgemeinschaft zum Schutz einheimischer Eulen (FOGE) den Bau von fast 140 neuen Niströhren ermöglicht.
Beim Steinkauz handelt es sich um eine kleine, nicht viel mehr als amselgroße Eulenart. In Baden-Württemberg hat sich der Steinkauz über die Jahrhunderte an die von Streuobstwiesen geprägte Kulturlandschaft angepasst. Flurbereinigungen und bis in die 1970er gezahlte Subventionen für die Rodung von hochstämmigen Obstbäumen führten zu einem massiven Verlust an höhlenreichen Brutbäumen. 1988 wurden im Landkreis Ludwigsburg und angrenzenden Gebieten nur noch acht Steinkauz-Reviere nachgewiesen – die Art stand hier kurz vor dem Verschwinden. Die von dem Oberriexinger Artenschützer Herbert Keil aufgebaute FOGE hat einen maßgeblichen Beitrag dazu geleistet, das regionale Aussterben des Steinkauzes zu verhindern. Dank eines großangelegten Nistkastenprogramms stehen der kleinen Eule mittlerweile auf einer Kontrollfläche von 690 km² weit über 1.000 künstliche Nistmöglichkeiten zur Verfügung. Mit einem Bestand von über 350 Brutpaaren existiert hier nun eine der größten Steinkauzpopulationen in ganz Deutschland. Durch wissenschaftliche Beringung in Kooperation mit der Vogelwarte Radolfzell und mehreren Telemetriestudien konnten zudem wichtige Erkenntnisse über die Art gewonnen werden.
Um den vitalen Bestand zu erhalten, müssen jedes Jahr zahlreiche Niströhren repariert, aber oft genug auch gegen neue Nisthilfen ausgetauscht werden. Der Schreiner Lothar Grau, Mitglied der FOGE und Vorsitzender des NABU Vaihingen/Enz erklärt: „Zusammen mit einem Team von Helfern haben wir wieder ehrenamtlich 50 Arbeitstage und etwa 200 Stunden investiert – umgerechnet auf die Röhrenanzahl nur etwa 1,45 Stunden je Nisthilfe. Es galt, Hunderte Meter Bretter und Dachlatten zu sägen und Tausende verschieden große Löcher zu bohren. Wir sind der Wilhelma sehr dankbar, dass sie über den Artenschutz-Euro die Materialkosten übernommen hat.“
Stefanie Reska, Leiterin der Stabsstelle Artenschutz in der Wilhelma, nutzte im Juni 2026 die Gelegenheit, sich einen persönlichen Eindruck von der Arbeit der FOGE zu machen und begleitete die Beringung junger Steinkäuze in Stuttgart-Weilimdorf. Sie zeigte sich beeindruckt: „Es ist unglaublich, was für faszinierende Vögel in den Streuobstwiesen direkt vor den Toren Stuttgarts leben – und zwar meist im Verborgenen. Wir alle müssen uns dafür einsetzen, dass Arten wie der Steinkauz nicht genauso unbemerkt verschwinden.“ Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin betont: „Mit dem Artenschutz-Euro helfen wir nicht nur dabei, Lebensräume in aller Welt zu schützen und spektakuläre Arten wie das Sumatranashorn vor dem Aussterben zu retten. Gerade in einem hochindustrialisierten Land wie Deutschland müssen wir auch die Biodiversität vor der eigenen Haustür bewahren.“
Foto (Wilhelma Stuttgart/Birger Meierjohann): Mit einem großen Nistkastenprogramm hat die Forschungsgemeinschaft zum Schutz einheimischer Eulen (FOGE) die „Wohnungsnot“ der Steinkäuze im Landkreis Ludwigsburg und angrenzenden Gebieten behoben.
PM Wilhelma Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart