Viel Politprominenz beim traditionellen „Schlachtfest“: Landtagspräsident, Vize-Ministerpräsident und zahlreiche weitere Vertreter aus Regierung und Landtag kamen gestern zum parlamentarischen Abend von Handwerk BW. Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold mahnte die Umsetzung der im Koalitionsvertrag gemachten Versprechen an – unter anderem die Verdoppelung der Meisterprämie.
Das Handwerk in Baden-Württemberg appelliert an die neue Landesregierung, dass ihre Ankündigungen Stück für Stück spürbar umgesetzt werden. Beim parlamentarischen Abend von Handwerk BW, besser bekannt als „Schlachtfest“, formulierte Präsident Rainer Reichhold vor rund 150 Gästen klare Erwartungen an die kommenden fünf Jahre.
„Machen Sie diese Legislaturperiode zu einer Legislatur der Umsetzung“, sagte Reichhold. Das Handwerk stehe in vielen Politikbereichen als Partner für die großen Zukunftsaufgaben des Landes bereit, von der Fachkräftesicherung bis zum Klimaschutz. „Jetzt kommt es darauf an, dass aus guten Vorhaben gute Praxis wird“, so Reichhold.
Unter den Gästen waren neben zahlreichen Abgeordneten und Kabinettsmitgliedern auch die Spitzen aller Handwerkskammern im Land sowie vieler Handwerks-Fachverbände.
Politik muss im Betriebsalltag wirken
Viele Handwerksbetriebe stünden weiterhin unter Druck, hieß es in den Gesprächen: steigende Kosten, anhaltender Fachkräftebedarf, immer noch zunehmende Bürokratie und ungelöste Nachfolgefragen erschwerten den unternehmerischen Alltag. Gleichzeitig komme dem Handwerk bei zentralen Zukunftsaufgaben des Landes eine Schlüsselrolle zu.
„Ohne Handwerk gibt es keine Energiewende, keine Wärmewende, keine Verkehrswende. Auch bei der Transformation des Arbeitsmarktes können wir hilfreich sein. Aber es braucht für das alles eine Politik, die uns auf dem Schirm hat“, betonte Reichhold. „Mittelstandspolitik ist immer auch Standort- und Gesellschaftspolitik.“
Positiv bewertet das Handwerk, dass zahlreiche Anliegen der Betriebe Eingang in den Koalitionsvertrag gefunden haben. Auch die erstmalige Verankerung des Handwerks im Namen des Wirtschaftsministeriums sei ein wichtiges Signal. Nun komme es darauf an, die Zusagen verbindlich mit Leben zu füllen.
Jetzt zählt die Umsetzung
Reichhold machte deutlich, dass politische Vereinbarungen allein noch keine Verbesserung für Betriebe bedeuten: „Ein Koalitionsvertrag ist noch keine Entlastung im Betrieb. Er ist noch kein digitaler Verwaltungsprozess, noch keine modernisierte Bildungsstätte und noch kein zusätzlicher Auszubildender. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit.“
Aus Sicht des Handwerks kommt es nun vor allem darauf an, Bürokratie konsequent abzubauen, Verwaltungsverfahren zu beschleunigen, die berufliche Bildung zu stärken und Unternehmensnachfolgen zu erleichtern. Mit Blick auf die anstehenden Haushaltsberatungen warnte Reichhold davor, zentrale Zusagen aus dem Koalitionsvertrag unter Haushaltsvorbehalt zu belassen oder zeitlich zu verschieben.
Das Schlachtfest – sonst traditionell im Oktober – fand in diesem Jahr bereits im Sommer statt. Handwerk BW nutzte den frühen Zeitpunkt in der neuen Legislaturperiode bewusst, um die Erwartungen des Handwerks direkt zu Beginn der politischen Arbeit zu adressieren. Den Mitgliedsorganisationen des Dachverbands bietet der Abend einen Rahmen für einen ungezwungenen persönlichen Austausch mit den Politikmachern im Land.
PM Baden-Württembergischer-Handwerkstag e.V.