- Strategisch attraktiv, praktisch zweite Wahl: Nur für 11 % der GovTech-affinen Startups ist der Staat attraktiver als der B2B-Markt, obwohl 78 % das öffentliche Auftragsvolumen und 71 % den Staat als Referenzkunden positiv bewerten.
- Beide Seiten wollen zusammenarbeiten: 71 % der befragten Startups sind zu mehr und engerer Kooperation bereit – in der Verwaltung ist ebenfalls eine große Offenheit erkennbar. Auch mit Blick auf die Herausforderungen, wie etwa die Dauer der Verfahren, ist die Diagnose beider Seiten ähnlich.
- Es liegt an der Struktur, nicht der Kultur: 79 % sehen schon das Finden der richtigen Ansprechpartner als Hürde, aber auch anschließend halten 85 % die Entscheidungswege in der Beschaffung für zu lang und 72 % die Ausschreibungsunterlagen für zu komplex – nur 28 % nennen kulturelle Unterschiede als Hürde.
- Beschaffung ist Souveränitätsfrage: 77 % der Startups beklagen, dass Vergabeverfahren etablierte Anbieter systematisch begünstigen. Hier wird ein Kurswechsel gefordert und es geht um mehr als Effizienz: 86 % der Startups verstehen Beschaffung auch als zentrale Frage der digitalen Souveränität.
Der GovTech Startup Monitor 2026 von Startup-Verband und Accenture, gemeinsam mit dem akademischen Partner, dem Centre for Digital Governance der Hertie School, zeigt: Das Potenzial für einen digital souveränen, leistungsfähigen Staat ist da, scheitert aber an Strukturen und Beschaffung, die Startups daran hindern, einen effektiveren Beitrag zu einem zukunftsfähigen Staat zu leisten.
Wir haben ein strukturelles Problem: Die große Mehrheit der befragten Startups macht die Erfahrung, dass Vergabeverfahren etablierte Anbieter begünstigen (77 %) und wünscht sich einen stärkeren Fokus auf Ergebnisse statt Prozesse (92 %). Außerdem ist man sich einig, dass es dabei nicht nur um mehr Effizienz geht: 86 % verstehen die Beschaffung auch als Frage der digitalen Souveränität.
„Wir reden viel über digitale Souveränität, aber dafür brauchen wir im ersten Schritt deutlich startup-freundlichere Bedingungen bei öffentlichen Ausschreibungen. Tausende Startups stehen bereit und haben genau die Technologien parat, die ein moderner Staat braucht. Wenn wir das Vergaberecht jetzt anpassen, wird aus öffentlicher Beschaffung ein Hebel für Wachstum und Souveränität“, so Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands.
Strategisch attraktiv, in der Praxis zweite Wahl
Auf dem Papier ist der Staat der ideale Kunde: 78 % der GovTech-affinen Startups bewerten das Auftragsvolumen und 71 % öffentliche Stellen als Referenzkunden positiv. Doch in der gelebten Praxis kippt das Bild und nur 11 % dieser GovTech-affinen Unternehmen bewerten die Zusammenarbeit mit der Verwaltung attraktiver als den Privatmarkt, sechs von zehn (59 %) sogar unattraktiver. Der Grund liegt vor allem im Zugang: Acht von zehn Startups tun sich schwer, in der Verwaltung den richtigen Ansprechpartner zu finden. Die meisten verlassen sich dabei fast ausschließlich auf persönliche Netzwerke (64 %) und strukturierte, auffindbare Kanäle bleiben die Ausnahme. Das Potenzial ist allerdings enorm: Rund 15.000 Startups in Deutschland arbeiten schon heute mit Geschäfts- oder Verwaltungskunden.
Es ist nicht die Kultur, es sind die Verfahren
Die gängige Erzählung von der unüberbrückbaren Kulturkluft zwischen Behörden und Startups hält den Daten nicht stand. Wer sich nicht bewirbt, nennt vor allem zu komplizierte (43 %) und zu lange Verfahren (42 %) als Hürden – die Kultur öffentlicher Auftraggeber führen nur 28 % an. Die größten Herausforderungen liegen im Vergabeprozess selbst: überkomplexe Ausschreibungsunterlagen (72 %), umfangreiche Referenz- (60 %) und Umsatzanforderungen (56 %) sowie ein starker Preisfokus (54 %). In der Zusammenarbeit sind es vor allem die langen Entscheidungswege, die eine zentrale Herausforderung darstellen (85 %).
„Das Problem ist nicht der kulturelle Unterschied zwischen Verwaltung und Startups, es sind die Verfahren. Komplexe Ausschreibungen und lange Entscheidungswege sortieren junge Anbieter aus, bevor es überhaupt um die beste Lösung geht. Die Verwaltung sieht das Problem genauso und an Lösungen wird gearbeitet. Der Agentic AI Hub des Bundesministeriums für Digitalisierung und Staatsmodernisierung ist ein Beispiel, wie es funktionieren kann. Jetzt braucht es mehr Tempo, sowohl auf fachlicher als auch auf regulatorischer Ebene. Denn die Strukturen lassen sich ändern – und beide Seiten wollen das“, sagt Sebastian Günther, Strategy Innovation Lead für Mittel- und Osteuropa bei Accenture.
Die Bereitschaft ist da – jetzt muss die Beschaffung nachziehen
Der Wille zur Zusammenarbeit ist da: 71 % der Startups würden bei besseren Rahmenbedingungen stärker auf den öffentlichen Sektor setzen. Auch bei den Hebeln ist man sich einig: Startups priorisieren schnellere Entscheidungsprozesse (73 %) und ein startup-taugliches Vergaberecht (72 %). Den Schlüssel zum Markt könnten dabei öffentliche IT-Dienstleister bilden, die sich 80 % der Startups als Brückenbauer wünschen.
„Die Idee einer stärkeren Einbindung von Startups bei der Verwaltungsdigitalisierung wird schon länger diskutiert. Die Umsetzung kommt aber nur schleppend voran. Ein besseres Verständnis nicht nur für die Potentiale und konkreten technologischen Lösungen der Startups, sondern gerade auch für die konkreten Herausforderungen der Startups im Umgang mit der öffentlichen Verwaltung, ist notwendig. Und der Monitor leistet hier einen wichtigen Beitrag“, so Prof. Dr. Gerhard Hammerschmid, Centre for Digital Governance, Hertie School.
Den gesamten GovTech Startup Monitor 2026 gibt es hier.
Über den GovTech Startup Monitor 2026
Der GovTech Startup Monitor 2026 wird vom Startup-Verband gemeinsam mit Accenture und dem akademischen Partner Hertie School (Centre for Digital Governance) herausgegeben. Für den Report wurden im zweiten Quartal 2026 sowohl Startups als auch die öffentliche Verwaltung befragt – konkret 225 Gründer*innen von Startups sowie 33 Verwaltungsmitarbeitende. Aus den Ergebnissen entwickelt der Report drei Thesen zur Entwicklung des GovTech-Sektors in Deutschland; ergänzend fließen Daten des Deutschen Startup Monitors 2025 sowie Marktanalysen (u. a. startupdetector) ein.
Über Accenture
Accenture unterstützt weltweit führende Organisationen dabei, einen digitalen Geschäftskern aufzubauen und Mehrwert durch Künstliche Intelligenz auf allen Ebenen zu schaffen. Wir verstehen uns als Transformationspartner der Wahl für unsere Kunden, wollen eine führende Rolle bei der sicheren und breiten Einführung von KI einnehmen und verfolgen den Anspruch, weltweit der Arbeitgeber mit der höchsten Kundenorientierung und KI-Expertise zu sein. Wir bündeln das fundierte Prozesswissen und die tiefgehende Industriekenntnis unserer rund 799.000 Mitarbeitenden mit eigenen Ressourcen und Plattformen sowie starken Partnerschaften innerhalb unseres Ökosystems. So liefern wir ganzheitliche Lösungen und messbare Ergebnisse im großen Maßstab. Unsere Kompetenzen bilden wir übergreifend über mehrere Reinvention Services ab: Cybersecurity, Digital Core, Finance, Industry & Enterprise, Song, Supply Chain & Engineering und Talent, mit ausgewiesener Leistungsstärke in den Bereichen AI & Data, Industry & Process und Technology. Wir betreuen rund 9.000 Kunden und erzielten im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von rund 70 Milliarden US-Dollar. Besuchen Sie uns auf accenture.com.
Über den Startup-Verband
Der Startup-Verband (Bundesverband Deutsche Startups) ist die Stimme der Startups in Deutschland. Er vertritt ihre Interessen gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. In seinem Netzwerk mit 1.200 Mitgliedern schafft der Verband einen Austausch zwischen Startups, Scaleups, Investoren und etablierter Wirtschaft. Ziel des Startup-Verbandes ist es, Deutschland und Europa zu gründungsfreundlicheren Standorten zu machen. Mehr Informationen unter www.startupverband.de.
Über das Centre for Digital Goverance
Das seit 2019 bestehende Centre for Digital Governance ist ein interdisziplinäres Forschungs- und Policy‑Centre an der Hertie School in Berlin. Das Centre erforscht wie digitale Technologien Staat, Verwaltung und Gesellschaft verändern, und entwickelt evidenzbasierte Empfehlungen für gute Regierungsführung im digitalen Zeitalter. Schwerpunkte sind unter anderem Daten- und KI‑Governance, Plattformregulierung, die Wechselwirkung von Demokratie und Digitalisierung sowie insbesondere die Digitalisierung der Verwaltung selbst. Mit Forschung, Lehre und praxisnahen Formaten verbindet das Centre Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft, um verantwortungsvolle, wirksame und bürgernahe digitale Transformation mitzugestalten und die Staatsmodernisierung wirkungsvoll voranzutreiben.
PM Startup Verband