In der Tarifrunde für den Handel ruft die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) am Freitag (19. Juni 2026) erneut bundesweit Beschäftigte zu Warnstreiks auf. Schwerpunkt ist das Unternehmen Ikea: In mehr als der Hälfte der Ikea-Einrichtungshäuser in Deutschland werden Beschäftigte in den Arbeitskampf treten. „Im Handel werden täglich Milliardenumsätze gemacht, aber bei den Beschäftigten kommt so gut wie nichts davon an – gerade auch bei Ikea“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer, zuständig für den Handel, am Donnerstag. „Daher erhöhen wir gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus Einzel-, Groß- und Außenhandel den Druck für faire Entgeltsteigerungen noch einmal deutlich.“
Das Einrichtungshaus Ikea stehe wirtschaftlich sehr gut da, erklärte die Gewerkschafterin. Im Jahr 2024 markierten 6,1 Milliarden Gesamtumsatz allein in Deutschland das zweitstärkste Jahr (nach 2023) seit Bestehen des Unternehmens. „Wer so stark aufgestellt ist, kann auch angemessene Entgeltsteigerungen finanzieren“, sagte Zimmer. Stattdessen plane Ikea einen Personalabbau – der auf großes Unverständnis bei den Beschäftigten stoße: So würden 2026 erstmals betriebsbedingte Kündigungen erfolgen. Im Kundenservicecenter Rostock verlieren 280 Kolleginnen und Kollegen ihren Arbeitsplatz. Zudem schließe Ikea die IT-Abteilung in Dortmund, um sie auszulagern. Auch in der Zentrale in Wallau ist geplant, Stellen abzubauen. „Der Umgang des Unternehmens mit seinen Beschäftigten zeugt kaum von sozialer Verantwortung“, sagte Gewerkschafterin Zimmer. Statt faire Löhne zu zahlen, werde trotz Rekordumsätzen ein radikaler Sparkurs gefahren.
Ikea spiele auf der Arbeitgeberseite im Rahmen der Tarifrunde eine einflussreiche Rolle, erklärte Zimmer. Das Unternehmen sei an Arbeitgeberkommissionen beteiligt und stelle im Saarland die Verhandlungsführung. „Damit ist Ikea mitverantwortlich dafür, dass unseren Tarifkommissionen seit Mai das immer gleiche unverschämte Arbeitgeberangebot mit Nullmonaten und Reallohnverlust vorgelegt wird“, kritisierte die Gewerkschafterin. Angeblich wollten die Arbeitgeber einen raschen Abschluss – doch die Ikea-Verhandlungsführerin im Saarland habe gerade erst einen bereits fest vereinbarten Termin abgesagt. Silke Zimmer: „Hier wird offenbar auf Zeit gespielt. Das lassen wir uns nicht bieten.“
Die nächsten Verhandlungstermine sind für Montag (22. Juni 2026) angesetzt: für den Einzelhandel in Rheinland-Pfalz sowie für den Groß- und Außenhandel in Hamburg. ver.di fordert sieben Prozent mehr Lohn, mindestens aber 225 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.
Eckdaten:
Der Handel macht in Deutschland 2,17 Billionen Euro Gesamtumsatz (vorläufige Zahlen Destatis für 2025), davon 823 Milliarden Euro im Einzelhandel (EH) und 1,35 Billionen Euro im Groß- und Außenhandel (GAH). 82,9 Milliarden Euro davon sind reiner Gewinn, davon 25 Milliarden Euro im EH und 57,9 Milliarden Euro im GAH. Eine Kauffrau / ein Kaufmann im Einzelhandel ab dem 6. Berufsjahr verdient rund 3.219 Euro brutto (Beispiel NRW). Eine Kauffrau / ein Kaufmann im Groß- und Außenhandel verdient ab dem 7. Tätigkeitsjahr 3.394 Euro brutto (Beispiel NRW).